Korruption untergräbt weiterhin Kenias Entwicklung, indem sie öffentliche Mittel zweckentfremdet, Institutionen schwächt und das Vertrauen zwischen Bürgern und Staat untergräbt. Dennoch wird sie nicht von allen gleichermaßen erlebt. Die meisten Rahmenwerke zur Korruptionsbekämpfung behandeln Korruption als geschlechtsneutral und konzentrieren sich auf Bestechung, Betrug im öffentlichen Beschaffungswesen oder die Vereinnahmung durch die Elite. Dieser enge Fokus übersieht, wie Korruption durch institutionelle Machtverhältnisse geprägt wird, die selbst geschlechtsspezifisch sind. Um über diese traditionellen Perspektiven hinauszugehen, muss Korruption in Kenia als Produkt institutioneller Gestaltung und nicht als bloße Ansammlung illegaler Handlungen neu definiert werden. Im Zentrum dieses Wandels steht die Erkenntnis, dass nicht-monetäre Formen der Korruption, insbesondere Sextortion, nicht marginal oder außergewöhnlich sind, sondern Teil der praktischen Funktionsweise von Institutionen. Erkenntnisse aus Kenia zeigen deutliche Unterschiede darin, wie Korruption erlebt wird. Männer sind eher mit monetärer Bestechung in Bereichen wie Polizeiarbeit und Unternehmensregulierung konfrontiert, während Frauen eher Korruption bei alltäglichen Dienstleistungen ausgesetzt sind, darunter Gesundheitsversorgung, Bildung und Personenstandswesen. Diese Interaktionen beinhalten oft Verzögerungen, Begünstigung oder Nötigung statt direkter finanzieller Zahlungen. Da solche Erfahrungen in offiziellen Daten selten erfasst werden, bleiben sie in politischen Diskussionen weitgehend unsichtbar. Darüber hinaus argumentiert dieser Beitrag, dass diese Muster nicht zufällig sind. Sie spiegeln wider, wie Institutionen Macht, Ermessensspielraum und Rechenschaftspflicht so verteilen, dass bestimmte Gruppen – insbesondere Frauen – systematisch stärker zwingenden Formen der Korruption ausgesetzt sind.