Die neue Ausgabe von Bayan enthält zwei sehr interessante Artikel, verfasst von Shahin A. Sarsour und Rani Hassan, die die neuesten Entwicklungen in der arabischen Gesellschaft in Israel zu Beginn eines Wahljahres analysieren.
Zwischen instrumenteller Einheit und kumuliertem politischem Lernen: Die Entstehung der Gemeinsamen Liste vor den Wahlen zur 26. Knesset im Vergleich zu Einigungsversuchen in den Jahren 2015–21
Die Gemeinsame Liste ist eines der wichtigsten und außergewöhnlichsten Phänomene, die in den letzten zehn Jahren in der israelischen politischen Arena entstanden sind. Die Vereinigung arabischer Parteien mit unterschiedlichen – und teilweise sogar widersprüchlichen – ideologischen Identitäten zu einem einzigen parlamentarischen Rahmen weckte die Erwartung einer Veränderung im Charakter der politischen Repräsentation arabischer Bürger in Israel und einer Stärkung ihrer politischen Macht auf nationaler Ebene. Doch von Beginn an wurde deutlich, dass die Gemeinsame Liste nicht nur eine technische Lösung für Wahlen darstellt, sondern eine komplexe politische Arena, in der historische, ideologische und organisatorische Spannungen aufeinandertreffen.
Überlegungen arabischer Wähler bei den kommenden Wahlen zur 26. Knesset
Die erwarteten Wahlen zur 26. Knesset, die dieses Jahr stattfinden sollen, könnten sich als eines der prägenden Ereignisse der israelischen Politik erweisen, insbesondere für den arabischen Sektor. Die Ergebnisse der Wahlen werden weitgehend über seine Zukunft entscheiden und als Richtschnur für die kommenden Entwicklungen dienen. Es besteht kein Zweifel, dass die Überlegungen arabischer Wähler in diesen Wahlen von alltäglichen wirtschaftlichen Fragen bis hin zu strategischen Überlegungen auf nationaler Ebene reichen werden – ebenso wie von Themen der persönlichen Sicherheit, wie es bei allen Bürgern des Landes der Fall ist. In diesem Artikel werde ich die Optionen darlegen, die arabischen Wählern offenstehen, und versuchen zu erklären, warum ihre aktive Teilnahme für die Einflussnahme auf die israelische Politik – sowohl lokal als auch regional – von Bedeutung ist. Zunächst müssen wir eine einfache, beinahe triviale Frage beantworten: Was ist dem zeitgenössischen arabischen Wähler wichtig?
Bayan ist ein vierteljährlicher Bericht über die arabische Gesellschaft in Israel, herausgegeben vom Konrad-Adenauer-Programm für jüdisch-arabische Zusammenarbeit am Moshe-Dayan-Zentrum für Nahost- und Afrikastudien der Universität Tel Aviv. Er erscheint in englischer und hebräischer Sprache.
Die in MDC-Publikationen geäußerten Meinungen sind ausschließlich die der Autoren.