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Wirtschaftliche Konsolidierung Kolumbiens gerät ins Stocken

autori Ulrich Laute
Der seit dem Vorjahr erkennbare konjunkturelle Erholungsprozess in Kolumbien hat sich 2001 deutlich verlangsamt. So musste die Regierung ihre Wachstumsprognose für 2001 von ursprünglich 2,8% auf 2,4% zurücknehmen, während das Forschungsinstitut Fedesarrollo gar nur 1,8% erwartet. Damit schwindet auch die Hoffnung auf eine durchgreifende Verbesserung der Beschäftigungssituation und der sozialen Indikatoren.

Die Arbeitslosenquote - eine der höchsten Lateinamerikas - lag im November mit 16,4 % zwar geringfügig unter dem Vergleichswert des Vorjahres, doch ist eine Trendwende am Arbeitsmarkt nach Ansicht der meisten Beobachter nicht erkennbar. Die Unterbeschäftigung ist mit 34,2% ebenfalls außerordentlich hoch. Dagegen setzte sich die rückläufige Tendenz der Inflationsrate fort, die voraussichtlich - wie von der Zentralbank angestrebt - nicht höher als 8% liegen wird.

Abschwächung des Exports

Wesentliche Ursache des verlangsamten Wirtschaftswachstums ist die anhaltend schwache Binnennachfrage bei gleichzeitigem Rückgang der Exporte. Bereits im vergangenen Jahr hatten zahlreiche Beobachter auf die Exportabhängigkeit als eine der wesentlichen Schwächen des wirtschaftlichen Konsolidierungsprozesses hingewiesen.

Innerhalb der Ausfuhren sind es vor allem die traditionellen Exportgüter, die seit Anfang des Jahres schwere Einbußen zu verzeichnen haben. Besonders dramatisch sind die Einbrüche bei zwei der wichtigsten Ausfuhrprodukte, Kaffee (Januar - Oktober 2001: -31,2%) und Erdöl (-29,1%), während Nickel und v.a. Kohle anhaltend hohe Wachstumsraten verzeichneten. Die Ursachen für diese Entwicklung sind unterschiedlich: Beim Erdöl ist neben dem gesunkenen Ölpreis in erster Linie der Rückgang der Förderung ausschlaggebend, der durch die Schließung alter Ölfelder und die Terroranschläge der Guerrilla auf die Infrastruktur der Ölförderung bedingt ist.

Die kolumbianische Kaffeeproduktion wurde demgegenüber durch den Verfall der internationalen Kaffeepreise, die im wesentlichen das Ergebnis eines weltweiten Überangebots ist, in eine tiefe Krise gestürzt, deren soziale Folgen für die traditionell relativ wohlhabenden Kaffeeanbaugebiete noch nicht absehbar ist. Bei den Exportgütern rangiert der Kaffee damit erstmals nur an dritter Stelle hinter Erdöl und Kohle, was einem historischen Einschnitt in der kolumbianischen Wirtschaftsgeschichte gleichkommt.

Die Steigerung der nicht - traditionellen Ausfuhren konnte den Einbruch bei Erdöl und Kaffee nicht ausgleichen, so dass es insgesamt zu einem Rückgang der Exporte kam, der im ersten Halbjahr 2001 etwa 3% betrug. Die Importe stiegen im gleichen Zeitraum um fast 16%, so dass der Handelsbilanzüberschuss mit 22,2 Mio US-Dollar im Juli deutlich unter dem entsprechenden Wert des Vorjahres (1,3 Mrd US-Dollar) lag. Besonders stark waren die Steigerungsraten bei dem Import von Kapitalgütern, was von der Regierung als Zeichen für eine weiterhin positive gesamtwirtschaftliche Grundtendenz gewertet wurde.

Die ungünstige weltwirtschaftliche Entwicklung, insbesondere die Rezession in den USA (dem mit Abstand bedeutendsten Handelspartner Kolumbiens), macht eine kurzfristige Belebung der Auslandsnachfrage unwahrscheinlich. Riskant erscheint auch die politische Instabilität in den Nachbarländern Venezuela und Ecuador, die als Empfänger kolumbianischer Exporte an zweiter und dritter Stelle stehen, auch wenn sich der Handel mit diesen Ländern im Berichtsjahr dynamisch entwickelt hat. Die Binnennachfrage zeigt bisher keine Anzeichen für eine baldige Belebung, so dass für die nächsten Monate mit anhaltend niedrigen Wachstumsraten gerechnet werden muss.

Die Entwicklung der einzelnen Wirtschaftssektoren

Die Verlangsamung des Wachstums kommt auch in den Indikatoren der einzelnen Wirtschaftssektoren zum Ausdruck. So zeigte die industrielle Produktion seit dem zweiten Quartal 2001 eine deutlich verlangsamte Wachstumsrate. Das Wachstum der verarbeitenden Industrie, die mit 10,5% im vergangenen Jahr der Motor der wirtschaftlichen Erholung gewesen war, sank im ersten Halbjahr 2001 auf 2,4%. Starke Einbußen verzeichneten insbesondere die Getränke- und Tabakwarenproduktion, was u.a. auf den Streik bei dem Bier- und Getränkehersteller Bavaria sowie auf Zulieferschwierigkeiten in Gebieten zurückzuführen ist, in denen die Guerrilla den Verkauf dieser Produkte blockiert. Ähnliches gilt für die ölverarbeitende Industrie, die besonders von Terroranschlägen auf Pipelines betroffen war. Demgegenüber entwickelten sich die Transportgüterherstellung, die Lederverarbeitung und die Stromversorgung dynamisch.

Die Landwirtschaft (abgesehen vom Kaffeeanbau) verzeichnete sinkende, aber anhaltende Wachstumsraten, während die Situation bei der Kaffeeproduktion durch dramatische Einbußen gekennzeichnet war. Trotz geringfügiger Zuwächse im zweiten Quartal war die Entwicklung im Bausektor insgesamt durch eine anhaltende Stagnation gekennzeichnet. Ein langsamer Erholungsprozess ist im Finanzsektor zu beobachten. Nur geringe Steigerungsraten waren allerdings bei der Kreditvergabe zu verzeichnen.

Fortsetzung der stabilitätsorientierten Wirtschaftspolitik

Die Wirtschaftspolitik der Regierung verfolgt in erster Linie das Ziel, die makroökonomischen Rahmenbedingungen durch einen konsequenten Konsolidierungskurs zu stabilisieren. Die restriktive Ausgabenpolitik wird allgemein als erfolgreich bewertet.

So bewegt sich die öffentliche Verschuldung trotz des schleppenden Konjunkturverlaufs innerhalb der Vorgaben der im Dezember 1999 mit dem Internationalen Währungsfonds erzielten Übereinkunft. Bei den mit dem IMF vereinbarten Strukturreformen konnten ebenfalls wichtige Fortschritte erzielt werden. Von besonderer Bedeutung ist dabei die Verabschiedung der heftig umstrittenen Verfassungsreform zur Begrenzung der Transferzahlungen an Departements und Kommunen.

Demgegenüber blieb der Effekt der in diesem Jahr in Kraft getretenen Steuerreform hinsichtlich der Steigerung der Staatseinnahmen hinter den Erwartungen zurück. Noch nicht realisiert werden konnten die Rentenreform, die Reform des Sozialversicherungsinstituts und die Modifizierung des Arbeitsrechts. Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass diese Reformprojekte noch vor den Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr verabschiedet werden können.

In der zweiten Jahreshälfte 2001 ergriff die Regierung einige Maßnahmen, mit denen die Binnennachfrage stabilisiert und damit der durch die weltwirtschaftliche Abschwächung gegebenen Gefahr einer Rezession begegnet werden soll. Hierzu zählen insbesondere ein Hilfsprogramm für die Kaffeeproduzenten sowie Maßnahmen zur Ankurbelung der Bauwirtschaft.

Insgesamt müssen die wirtschaftlichen Aussichten Kolumbiens für 2002 zurückhaltend beurteilt werden. Die ungewisse weltwirtschaftliche Lage und eine mögliche Verschärfung der argentinischen Krise könnten sich negativ auf die Wirtschaftsentwicklung auswirken. Darüber hinaus stellen die anhaltende Konfliktsituation und das Ausmaß der politisch motivierten wie auch der kriminellen Gewalt entscheidende Hindernisse für eine nachhaltige konjunkturelle Erholung dar. Auch mit Blick auf die wirtschaftliche Lage wird die Verbesserung der inneren Sicherheit daher zu den wichtigsten politischen Aufgaben der kommenden Jahre gehören müssen.

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erscheinungsort

Sankt Augustin Deutschland