Auf Grundlage der von Alfred Stepan entwickelten Kategorie militärischer Vorrechte sowie einer historischen und normativen Analyse der zivil-militärischen Beziehungen argumentiert der Autor, dass die Streitkräfte bedeutende Autonomieräume, Interventionsmöglichkeiten und Aufgaben bewahrt haben, die über die nationale Verteidigung hinausgehen. Diese Vorrechte werden insbesondere in Krisenzeiten, bei hoher politischer Konfliktivität oder während Ausnahmezuständen sichtbar, wenn das Militär eine entscheidende Rolle bei der Aufrechterhaltung der inneren Ordnung übernehmen kann.
Die Studie macht deutlich, dass diese Realität nicht mit dem Bestehen einer Militärdiktatur gleichzusetzen ist. Vielmehr handelt es sich um ein Geflecht aus Normen, Ideen und Praktiken, das den Streitkräften ermöglicht, in bestimmten Situationen eine leitende, schiedsrichterliche oder vetoberechtigte Funktion auszuüben. Diese Struktur passt sich im Laufe der Zeit an und reproduziert sich selbst. In den letzten Jahren wurde sie durch die Ausweitung militärischer Einsätze im Bereich der inneren Sicherheit zusätzlich gestärkt.
Die Untersuchung regt dazu an, über die Spannungen zwischen Militarisierung, ziviler Kontrolle und demokratischer Qualität nachzudenken. Darüber hinaus bietet sie ein konzeptionelles Instrument zur Analyse ähnlicher Entwicklungen in anderen Ländern Lateinamerikas, in denen Unsicherheit und organisierte Kriminalität erneut zu einer stärkeren militärischen Präsenz in traditionell zivilen Bereichen geführt haben.
Über diese Reihe
Die Reihe informiert in konzentrierter Form über Analysen der Konrad-Adenauer-Stiftung zu relevanten aktuellen Themen. Die einzelnen Ausgaben stellen zentrale Ergebnisse und Empfehlungen eigener und externer Expertinnen und Experten vor, bieten Kurzanalysen von rund fünf Seiten und nennen KAS-Ansprechpartnerinnen.
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Erscheinungsort
Quito
Seitenzahl
38