Die Studie setzt eine Reihe von Meinungsanalysen fort, die 2021 begonnen wurden, und ordnet die Ergebnisse des Jahres 2026 dort, wo eine ausreichende methodische Vergleichbarkeit besteht, in eine breitere langfristige Perspektive ein.
Die Meinungsumfrage wurde vom Institut für Politische Forschung Skopje (IPIS) zwischen dem 20. und 25. August 2026 auf einer Stichprobe von 698 Befragten ab 18 Jahren durchgeführt. Die Datenerhebung erfolgte telefonisch mittels CATI (Computer Assisted Telephone Interviewing) und eines Dual-Frame-Stichprobenmodells, das Festnetz- und Mobiltelefonanschlüsse kombiniert. Der maximale theoretische Stichprobenfehler beträgt bei einem Konfidenzniveau von 95 % etwa ±3,7 Prozentpunkte.
Die Ergebnisse weisen auf eine moderate und kritische, jedoch nicht eindeutig negative Bewertung der außenpolitischen Bilanz der vergangenen fünfunddreißig Jahre hin. Auf einer Skala von 1 bis 5 liegt die durchschnittliche Bewertung bei 2,84 und damit höher als der Durchschnittswert von 2,52, der in der Umfrage von 2022 verzeichnet wurde. Diese Veränderung ist vor allem auf einen deutlichen Rückgang der negativsten Bewertungen sowie auf eine stärkere Konzentration der Antworten im mittleren Bereich der Skala zurückzuführen.
Die Mitgliedschaft in der NATO stellt den am häufigsten genannter konkreter außenpolitischer Erfolg dar und wurde von 35,8 % der Befragten als solcher bezeichnet. Gleichzeitig erscheint die europäische Integration sowohl als die wichtigste ungelöste Herausforderung als auch als die zentrale Priorität für die Zukunft. 33,1 % betrachten den ins Stocken geratenen EU-Integrationsprozess als den größten außenpolitischen Misserfolg, während 49,7 % der Ansicht sind, dass die Mitgliedschaft in der Europäischen Union in den nächsten fünf bis zehn Jahren die wichtigste außenpolitische Priorität des Landes sein sollte. Die Ergebnisse deuten somit darauf hin, dass die Unzufriedenheit mit dem Tempo der europäischen Integration nicht zu einer Abkehr von der grundlegenden europäischen strategischen Ausrichtung geführt hat.
Die Wahrnehmungen hinsichtlich der internationalen Stellung des Landes sind differenzierter. Während 42,3 % die gegenwärtige internationale Position als schwach oder sehr schwach bewerten, sind 38 % der Meinung, dass sie heute stärker ist als in den ersten Jahren nach der Unabhängigkeit. Demgegenüber halten 31,9 % die heutige Position für schwächer. Bei der Wahrnehmung externer Einflüsse dominieren eindeutig die Vereinigten Staaten und die Europäische Union: 35,4 % beziehungsweise 31,2 % der Befragten betrachten sie als die einflussreichsten externen Akteure.
Die Bürgerinnen und Bürger bewerten die praktischen Auswirkungen der Außenpolitik insgesamt eher positiv. 63,5 % sind der Ansicht, dass die Außenpolitik zur wirtschaftlichen Entwicklung und zur Anziehung ausländischer Investitionen beiträgt. Ebenso überwiegen positive Einschätzungen hinsichtlich der Stabilität und Vorhersehbarkeit der Beziehungen zu internationalen Partnern gegenüber negativen Bewertungen. Zugleich bleibt die historische Gesamtbilanz moderat kritisch: 40,9 % meinen, dass in den vergangenen fünfunddreißig Jahren die Misserfolge überwogen haben, während nahezu genauso viele (39,1 %) Erfolge und Misserfolge als gleich stark vertreten ansehen.
Eines der deutlichsten Ergebnisse betrifft die Erwartungen an eine weitere Professionalisierung der Diplomatie. 81,6 % der Befragten sind der Meinung, dass die professionellen diplomatischen Kapazitäten des Landes gestärkt werden sollten. Gleichzeitig betrachten 48,9 % das bestehende diplomatische Netzwerk als vollständig oder teilweise politisiert, während lediglich 26,9 % es als professionell einschätzen.
Auf politischer und institutioneller Ebene bestehen die größten Vorbehalte hinsichtlich des Mangels an politischem Konsens und des Einflusses tagespolitischer Interessen. 60,6 % glauben, dass zwischen den politischen Parteien kein ausreichender Konsens über die strategischen außenpolitischen Ziele des Landes besteht, und 75,8 % sind der Ansicht, dass tagespolitische Interessen die Außenpolitik negativ beeinflussen. Demgegenüber bewerten 53,1 % die institutionelle Kompetenzverteilung grundsätzlich als funktionsfähig. Dies deutet darauf hin, dass ein wesentlicher Teil der wahrgenommenen Probleme weniger in der institutionellen Struktur selbst als vielmehr in ihrer praktischen Umsetzung und in der Koordinierung zwischen den Institutionen liegt.
Die nach Bevölkerungsgruppen differenzierten Ergebnisse zeigen erhebliche Unterschiede zwischen ethnisch mazedonischen und ethnisch albanischen Befragten, insbesondere hinsichtlich der Intensität der Unterstützung für die euro-atlantische Integration sowie bei der Bewertung der politischen und institutionellen Leistungsfähigkeit. Gleichzeitig werden jedoch auch wichtige Gemeinsamkeiten sichtbar; die Ergebnisse weisen nicht auf vollständig voneinander getrennte strategische außenpolitische Präferenzen hin.
Insgesamt zeichnet die öffentliche Meinung fünfunddreißig Jahre nach der Unabhängigkeit das Bild einer Außenpolitik, die durch erkennbare strategische Erfolge, aber zugleich durch bedeutende ungelöste politische und institutionelle Herausforderungen geprägt ist. Die zentrale Aufgabe für die kommenden Jahre besteht daher weniger in einer Neudefinition der grundlegenden strategischen Ausrichtung des Landes als vielmehr in deren wirksamerer, professionellerer und besser koordinierter Umsetzung.