Auftakt zum Endspurt
Mit der ersten Republican Midterm Convention in Dallas hat die Republikanische Partei am 09. Und 10. September den Wahlkampf in seine entscheidende Phase geführt. Das zweitägige Treffen diente nicht der Nominierung von Kandidaten, sondern vor allem dazu, Wähler zu mobilisieren und die Kandidaten in den letzten Wochen vor der Wahl zu präsentieren. Präsident Donald Trump stand dabei im Mittelpunkt, indem er seine Anhänger aufforderte, so zu wählen, als stünde er selbst auf dem Wahlzettel.[1] Noch wenige Wochen zuvor hatte er dagegen betont, dass er selbst nicht zur Wahl stehe, und bei möglichen Verlusten auf die Verantwortung der republikanischen Abgeordneten verwiesen[2]. Zwischenwahlen gelten jedoch traditionell auch als Votum über den amtierenden Präsidenten: Seit 1946 verlor dessen Partei bei den Midterms fast immer Sitze im Repräsentantenhaus. Nur 1998 unter Bill Clinton und 2002 unter George W. Bush gewann sie dort Sitze hinzu. Vor diesem Hintergrund versuchen die Demokraten, die Midterms als Abstimmung über die wirtschaftliche Bilanz der Trump-Regierung zu führen. Ihre Kampagne rückt insbesondere die Lebenshaltungskosten und die Auswirkungen der Regierungspolitik in den Mittelpunkt.[3] Damit treffen zwei unterschiedliche Wahlkampfstrategien aufeinander. Ein Blick auf die politische Stimmung nach der Sommerpause zeigt, welche Themen den Wahlkampf knapp sieben Wochen vor Wahltag dominieren und mit welchen Ausgangsbedingungen die beiden Parteien in die letzten Wochen vor der Wahl gehen.
Die Wirtschaft bestimmt die politische Lage
Die wirtschaftliche Lage ist das zentrale Thema des Wahlkampfs[4]. In einer Erhebung des Pew Research Center vom Juli 2026 nannten 29 Prozent der registrierten Wähler wirtschaftliche Fragen als das Thema, über das sie von den Kongresskandidaten am liebsten hören würden.Besonders häufig wurden dabei die Lebenshaltungskosten genannt. Gleichzeitig bewerteten lediglich 24 Prozent der befragten Erwachsenen die wirtschaftliche Lage als gut oder sehr gut. Sechs von zehn Befragten waren der Ansicht, Trumps Wirtschaftspolitik habe die wirtschaftliche Situation verschlechtert[5].
Auch nach der Sommerpause bleibt die finanzielle Belastung vieler U.S. Haushalte ein entscheidendes Thema. Steigende Preise für Lebensmittel, Wohnraum und Energie prägen die öffentliche Debatte. Dabei geht es nicht allein um die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung, sondern zunehmend um die Frage, wie viel sich die Amerikaner im Alltag noch leisten können. Damit verbindet sich die Frage, ob der amerikanische Traum, wirtschaftliche Sicherheit und sozialer Aufstieg durch eigene Arbeit, für breite Teile der Bevölkerung noch erreichbar ist.
Für die Republikaner ergibt sich daraus eine besondere Ausgangslage. Als Partei des Präsidenten stehen sie im Wahlkampf auch für dessen wirtschaftspolitische Bilanz. Die Demokraten versuchen dagegen, die Unzufriedenheit der Bürger über die Lebenshaltungskosten aufzugreifen und mit ihrer Kritik an der Regierungspolitik zu verbinden. Im Fokus steht daher auch die Frage, ob sich aus der negativen wirtschaftlichen Stimmung unmittelbar auf eine Wahlentscheidung ableiten lässt[6]. Parteipolitische Bindungen, unterschiedliche Bewertungen der wirtschaftlichen Entwicklung und die Mobilisierung der jeweiligen Wählerschaft bleiben wichtige Faktoren.
Wenn Außenpolitik im Alltag ankommt
Eine zusätzliche Dimension erhält der Wahlkampf durch den Konflikt mit dem Iran. Außenpolitische Fragen spielen bei amerikanischen Zwischenwahlen häufig eine geringere Rolle als innenpolitische Themen[7]. Der Konflikt zeigt jedoch, dass sich die Sinnhaftigkeit außenpolitischer Entscheidungen für viele Wähler durch das Prisma ihrer innenpolitischen Folgen bemisst: Steigende Energiepreise, Benzinpreise, und Lebenshaltungskosten machen die Auswirkungen des Krieges im Alltag unmittelbar spürbar.
Seit Beginn der amerikanisch israelischen Angriffe Ende Februar haben die Auswirkungen des Krieges auf die Energieversorgung auch in den Vereinigten Staaten an Bedeutung gewonnen. Hinzu kommt die kritische öffentliche Bewertung der amerikanischen Kriegsführung. In einer Umfrage der University of Massachusetts Amherst vom August lehnten 68 Prozent der Befragten Trumps Umgang mit dem Krieg ab.[8] Für den Wahlkampf bedeutet dies, dass sich wirtschaftliche und außenpolitische Fragen zunehmend ineinandergreifen. Während die Republikaner die militärische Operation als Erfolg ihrer Sicherheitspolitik darstellen, kritisieren die Demokraten insbesondere die wirtschaftlichen Folgen des Konflikts und den Umgang der Regierung mit dem Konflikt.
Trump im Mittelpunkt eines Wahlkampfs ohne Trump
Obwohl Donald Trump selbst nicht zur Wahl steht, ist seine Präsidentschaft ein zentraler Bezugspunkt der Midterms. Die Republican Midterm Convention in Dallas machte dies besonders deutlich. Nicht nur forderte er die Wähler auf, sich vorzustellen, er selbst stände auf dem Wahlzettel, vielmehr versprach er auch die Zahlung einer „Trump Dividend“ an jeden erwachsenen Amerikaner, sollten die Republikaner die Mehrheit im Kongress behalten[9]. Damit rückte er die Kongresswahlen ausdrücklich in den Zusammenhang seiner eigenen Präsidentschaft. Auch die Umfragen spiegeln diese Bedeutung wider[10]. Bereits im Juli gaben 42 Prozent der registrierten Wähler gegenüber Pew an, ihre Stimme als Votum gegen Trump zu betrachten. 22 Prozent verstanden sie als Stimme für ihn. Für 35 Prozent spielte der Präsident bei ihrer Wahlentscheidung hingegen keine größere Rolle.Die republikanische Wahlkampfstrategie setzt auf die Mobilisierung der eigenen Anhänger und stellt die Wahl als Auseinandersetzung über die politische Richtung des Landes dar. Im Mittelpunkt stehen dabei unter anderem Einwanderungspolitik, Sicherheit und die wirtschaftspolitischen Maßnahmen der Regierung. Die Demokraten versuchen hingegen, die Aufmerksamkeit auf die Folgen dieser Politik zu lenken. Insbesondere die Lebenshaltungskosten, die Gesundheitsversorgung und die wirtschaftlichen Auswirkungen des Iran-Krieges stehen dabei im Vordergrund. Die beiden Parteien setzen dementsprechend unterschiedliche Akzente, während Trump selbst für beide Seiten ein wichtiger Bezugspunkt bleibt: für die Republikaner als Präsident und zentrale Figur ihrer Kampagne, für die Demokraten als politischer Adressat ihrer Kritik.
Auf der Republican Midterm Convention stellte Trump die Republikaner als Partei des „common sense“ dar, während er Teile der Demokratischen Partei als „crazed lunatics and radicals“ bezeichnete.[11] Damit stellte er die Wahl als Entscheidung zwischen dem von ihm beanspruchten politischen „common sense“ und einer als radikal dargestellten Opposition dar.
Die Wahlkarte als zusätzlicher Faktor
Neben der politischen Stimmung beeinflusst auch die Einteilung der Wahlkreise die Ausgangslage für die Midterms[12]. Eine Besonderheit des Wahlzyklus 2026 ist die erneute Neuziehung von Wahlkreisgrenzen in mehreren Bundesstaaten bereits zur Mitte des Jahrzehnts. Beim sogenannten Gerrymandering werden Wahlkreisgrenzen gezielt so gezogen, dass eine Partei bei der Sitzverteilung begünstigt wird. In diesem Wahlzyklus haben insbesondere Neuzuschnitte in Texas zugunsten der Republikaner, sowie Gegenmaßnahmen in Kalifornien zugunsten der Demokraten die politische Debatte geprägt. Auch in weiteren Bundesstaaten sind veränderte Wahlkreisgrenzen für die Zusammensetzung des nächsten Repräsentantenhauses relevant.
Die Auswirkungen reichen über einzelne Wahlbezirke hinaus. Neue Wahlkarten können die Zahl der tatsächlich umkämpften Sitze verändern und damit beeinflussen, wie sich landesweite Veränderungen der Wählerpräferenzen in der Sitzverteilung niederschlagen. Ob sich die Neuzuschnitte tatsächlich auszahlen, ist jedoch offen. Die Wahlkreisgeometrie beeinflusst die Ausgangslage, kann den Einfluss der politischen Stimmung aber nicht aufheben. Nationale Umfragen allein reichen deshalb für eine Einordnung der Midterms nicht aus. Dies ist auch mit Blick auf die geringere Wahlbeteiligung bei den Zwischenwahlen relevant: Bei den Midterms liegt die Wahlbeteiligung im Durchschnitt bei etwa 49%[13]. Entscheidend ist deshalb, in welchen Wahlkreisen sich Mehrheiten verändern können, und wie stark die Wähler vor Ort mobilisiert werden. Eine unterschiedliche Wahlbeteiligung in einzelnen Counties kann das Ergebnis knapper Wahlkreise beeinflussen, selbst wenn die landesweite Stimmung weitgehend gleichbleibt.
Unterschiedliche Ausgangslagen im House und Senat
Auch zwischen den Wahlen zum Repräsentantenhaus und zum Senat bestehen erhebliche Unterschiede. Während im Housesämtliche 435 Sitze neu vergeben werden, stehen im Senat 35 der insgesamt 100 Sitze zur Wahl. Im Repräsentantenhaus verfügen die Republikaner über eine knappe Mehrheit. Bereits wenige Sitzverschiebungen können deshalb die Mehrheitsverhältnisse verändern. Gleichzeitig beeinflussen die neu zugeschnittenen Wahlkreise, welche Sitze tatsächlich umkämpft sind[14].
Im Senat stellt sich die Ausgangslage anders dar. Viele der republikanischen Sitze, die 2026 zur Wahl stehen, liegen in Bundesstaaten mit einer traditionell republikanischen Wählerschaft. Der Wettbewerb konzentriert sich daher auf eine begrenzte Zahl von Staaten, darunter Maine, North Carolina und Texas. Gleichzeitig müssen die Demokraten eigene Sitze verteidigen, etwa in Georgia und Michigan.
Die Unterscheidung zwischen beiden Kammern ist auch für die politische Handlungsfähigkeit der Regierung von Bedeutung. Veränderte Mehrheiten im Repräsentantenhaus hätten andere Auswirkungen auf Gesetzgebung und parlamentarische Kontrolle als ein Mehrheitswechsel im Senat, der zusätzlich eine zentrale Rolle bei der Bestätigung von Regierungsmitgliedern und Bundesrichtern spielt.
Die entscheidende Phase des Wahlkampfs
Knapp sieben Wochen vor der Wahl sind die zentralen Konfliktlinien des Wahlkampfs bereits erkennbar. Die wirtschaftliche Lage und insbesondere die Lebenshaltungskosten bestimmen die öffentliche Debatte. Gleichzeitig steht Präsident Trump im Mittelpunkt der politischen Auseinandersetzung, obwohl er selbst nicht auf dem Stimmzettel steht. Eine Reuters/Ipsos-Erhebung von Mitte September weist 44 Prozent Unterstützung für demokratische und 37 Prozent für republikanische Kandidaten aus[15]. Diese Werte beschreiben jedoch die landesweite Wählerpräferenz und lassen sich nicht unmittelbar auf die Sitzverteilung übertragen.
Die neu zugeschnittenen Wahlkreise, die unterschiedlichen Ausgangslagen in House und Senat sowie die Mobilisierung der jeweiligen Wählerschaft bleiben deshalb wichtige Faktoren für den weiteren Wahlkampf. Die Rückkehr aus der politischen Sommerpause markierte somit weniger den Beginn einer neuen politischen Auseinandersetzung als die Intensivierung bereits bestehender Konflikte. In den kommenden Wochen wird sich zeigen, wie sich die wirtschaftliche Unzufriedenheit, die Bewertung der Trump-Regierung und die unterschiedlichen Wahlkampfstrategien in den einzelnen Staaten und Wahlbezirken niederschlagen.
Der Blick nach vorne
Die Midterms 2026 werden nicht allein durch die nationale Stimmung entschieden. Zwar geben wirtschaftliche Belastungen, die Bewertung der Regierungspolitik und die Rolle des Präsidenten dem Wahlkampf seinen übergeordneten Rahmen. Über die Mehrheiten im Kongress entscheiden jedoch auch die Mobilisierung der Wählerschaft, die Dynamik in einzelnen Bundesstaaten und Wahlkreisen sowie die jeweiligen strukturellen Ausgangsbedingungen. Die kommenden Wochen werden daher weniger eine einheitliche nationale Entscheidung als eine Vielzahl regionaler und lokaler Wahlkämpfe sichtbar machen.
[4] Pew Research Center, „As the 2026 Midterms Approach, Economy Is Front and Center“, 23. Juli 2026.
[13] Kyle Kondik, „Three Things That Usually Happen in Midterms“, Sabato’s Crystall Ball, 12. März 2025.
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