Am 27. Januar 2026 veranstaltete das Regionalprogramm Politikdialog Asien der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) in Zusammenarbeit mit TUM Asia und dem TUM Think Tank ein Seminar mit dem Titel „Agentic AI in an Emerging New World Order: What’s at Stake for Middle Powers and Small States? “. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen die sozio-politischen, rechtlichen und technischen Dimensionen agentischer KI (agentic AI) sowie Chancen und Risiken für Mittelmächte und kleinere Staaten.
Nach der Eröffnung durch Andreas Klein, Direktor des Regionalprogramms Politikdialog Asien, hielt Dalia Yousif Ali, Doktorandin, Dozentin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der TUM School of Social Sciences and Technology, den ersten Vortrag. In diesem beleuchtete sie die Auswirkungen agentischer KI auf Länder des Globalen Südens. Zu Beginn erklärte sie den Unterschied zwischen generativen KI-Modellen wie ChatGPT und agentischen KI-Systemen, die eigenständig handeln und Entscheidungen treffen können. Ihrer Ansicht nach besteht die zentrale Herausforderung für Länder des Globalen Südens nicht im Zugang zu KI-Systemen oder Infrastruktur, sondern in den begrenzten Möglichkeiten zur Überwachung, Kontrolle und Regulierung.
Der zweite Vortrag mit dem Titel „Agentic AI in the Philippines: Opportunities, Risks, and Pathways Forward” wurde von Kris R. Villanueva-Libunao gehalten, der ehemaligen stellvertretenden Ministerin des Nationalen Sicherheitsrates der Republik der Philippinen und geschäftsführenden Direktorin von SmartCT. Sie erläuterte agentische KI aus Sicht der Philippinen und stellte die verschiedenen Anwendungsfelder sowie Chancen auf den Philippinen und in der ASEAN-Region heraus. Außerdem ging sie auf die geopolitischen Risiken ein, die sich aus der Positionierung zwischen China und den Vereinigten Staaten ergeben, sowie auf die Herausforderungen bei der Umsetzung wirksamer Regulierungen ein. Abschließend zeigte sie drei mögliche Handlungsoptionen auf und betonte, dass die Philippinen und andere Mittelmächte realistische Perspektiven zur Erlangung von KI-Souveränität haben.
Den abschließenden Vortrag mit dem Titel „Agentic AI and Digital Colonialism: Can International Law Protect Middle Powers and Small States?” hielt Dr. Elena Pribytkova, Senior Research Fellow am NUS Centre for International Law. Aus völkerrechtlicher Perspektive analysierte sie den digitalen Kolonialismus als eine Form von Dominanz und Diskriminierung, der durch Kontrolle über Software, Hardware und digitale Netzwerke ausgeübt wird. Sie betonte dabei, dass die Kontrolle im Bereich der agentischen KI nicht nur bei den Staaten, sondern insbesondere bei transnationalen Unternehmen und anderen nichtstaatlichen Akteuren liegt. Sie unterstrich, dass KI-Governance im Rahmen des internationalen Rechts sowohl digitale Unabhängigkeit als auch die Digitalisierung völkerrechtlicher Strukturen benötigen, wobei Menschenrechtsstandards bereits ein „digitales Minimum“ an Schutz bieten können.
Im Anschluss moderierte Anish Mishra, Projektmanager und Research Fellow für Außen- und Sicherheitspolitik bei der KAS Singapur, eine Diskussionsrunde mit den drei Referentinnen. Dabei wurden mögliche Regulierungsansätze – unter anderem nach dem Vorbild der Europäischen Union – sowie die geopolitischen Dynamiken, insbesondere im Verhältnis zu den Vereinigten Staaten und China, erörtert. Zudem diskutierte das Panel die Regulierung staatlicher und nichtstaatlicher Akteure bei der Entwicklung und dem Einsatz agentischer KI-Systeme. Auch die Digitalpartnerschaft der EU mit Staaten der Indopazifik-Region wurde thematisiert, wobei Einigkeit darüber bestand, dass sie auf weitere südostasiatische Länder wie die Philippinen, Vietnam und Malaysia ausgeweitet werden sollte.
Die Veranstaltung endete mit einer Fragerunde aus dem Publikum und abschließenden Worten von Dr. Markus Wächter, Vizepräsident und Geschäftsführer von TUM Asia. Das Seminar verdeutlichte, dass agentische KI nicht nur eine technologische Innovation darstellt, sondern auch erhebliche geopolitische und rechtliche Herausforderungen mit sich bringt. Insbesondere für Mittelmächte und kleinere Staaten eröffnet agentische KI neue Chancen, ist jedoch zugleich mit beträchtlichen Risiken verbunden. Die Diskussion um KI-Souveränität prägte die Veranstaltung und unterstrich die aktuelle Bedeutung für Mittelmächte und kleinere Staaten in einer sich wandelnden Weltordnung.
Über diese Reihe
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