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IMAGO / Westend61
Monitor Wahl- und Sozialforschung

Parteibindung und Parteiaffinität im Vergleich

Ergebnisse aus repräsentativen Umfragen

Mit der klassischen Parteibindung wird die Bindung an eine einzige Partei gemessen. Die Welt ist jedoch komplexer. Daher hat die Konrad-Adenauer-Stiftung mit der Parteiaffinität eine neue Messung eingeführt, die auch Mehfachsympathien erfasst. Die Studie untersucht die klassische Parteibindung, die neue Parteiaffinität sowie das Verhältnis beider Messungen zueinander. Außerdem werden Parteiaffinitätstypen gebildet, die sich durch die gleichzeitige Nähe zu bestimmten Parteien und der gleichzeitigen Ablehnung anderer Parteien voneinander unterscheiden.

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Eine langfristige, emotionale Bindung an eine Partei hat immer noch einen bedeutenden Einfluss auf die Wahlentscheidung. Zwar besitzt rund ein Drittel der Wahlberechtigten keine klassische Parteibindung mehr, zwei Drittel fühlen sich aber sehr wohl an eine Partei gebunden, was die Wahrscheinlichkeit, für diese Partei bei einer Wahl zu stimmen, deutlich erhöht. Zugleich zeigt die Messung der Parteiaffinität, dass es nur sehr wenige Menschen gibt, denen alle Parteien gleichgültig sind. Ungebundene haben also durchaus Sympathien und Antipathien für bestimmte Parteien. Außerdem haben Menschen mit Parteibindung auch Sympathien für andere Parteien. Daraus ergibt sich, dass ein großer Teil der Wahlberechtigten potenziell für verschiedene Parteien erreichbar ist. Welche Sympathien und Antipathien Hand-in-Hand gehen, wird durch die Parteiaffinitätstypen sichtbar. Hieraus ergeben sich Wählerpotenziale, aber auch Hinweise auf die Akzeptanz möglicher Koalitionsmodelle.

Einer der Parteiaffinitätstypen kann als „zufriedene Konsensbürgerinnen und -bürger“ beschrieben werden. Dieser Typ hat Sympathien für CDU, SPD und Grüne und lehnt die AfD entschieden ab. Entsprechend wählten die zufriedenen Konsensbürgerinnen und -bürger bei der Bundestagswahl 2025 auch überwiegend CDU, SPD und Grüne. Die zufriedenen Konsensbürgerinnen und -bürger sind überdurchschnittlich zufrieden mit ihrem Leben und mit der Demokratie. Sie sind durchschnittlich an Politik interessiert und vertreten in Fragen von Sozialstaat, Zuwanderung und Klimaschutz eher ausgeglichene Haltungen.

Der Typus „Mitte-links“ dagegen weist Sympathien für Grüne, SPD und Linke auf und lehnt die AfD sogar noch entschiedener ab als die zufriedenen Konsensbürgerinnen und -bürger. Bei der Bundestagswahl 2025 wählte „Mitte-links“ überwiegend Grüne, SPD und Linke. Die linke Mitte ist leicht überdurchschnittlich mit ihrem Leben und mit der Demokratie zufrieden, aber weniger zufrieden als die zufriedenen Konsensbürgerinnen und -bürger. Sie ist stärker an Politik interessiert als alle anderen Typen. Bezüglich Sozialstaat, Zuwanderung und Klimaschutz vertritt sie politisch linke Positionen.

Auch der „konservativ-liberale“ Typ lehnt die AfD deutlich ab, wenn auch weniger entschieden als die beiden anderen Typen. Die Sympathien der Konservativ-Liberalen liegen dagegen bei CDU, CSU und FDP. Über die Hälfte der Konservativ-Liberalen wählte die Union bei der Bundestagswahl und auch die FDP wurde überdurchschnittlich häufig gewählt. Konservativ-Liberale sind leicht überdurchschnittlich mit ihrem Leben zufrieden. Ihre Demokratiezufriedenheit und ihr politisches Interesse liegen im Durchschnitt. Bei den Themen Sozialstaat, Zuwanderung und Klimaschutz sind sie politisch leicht rechts der Mitte anzusiedeln.

Zusätzlich gibt es einen Typus, der am besten mit „linke Gleichgültige“ beschrieben werden kann. Die linken Gleichgültigen haben eine eher schwache Sympathie für Linke, SPD und BSW, stehen Grünen und CDU eher gleichgültig gegenüber und lehnen die AfD eher ab. Bei der Bundestagswahl 2025 finden sich bei den linken Gleichgültigen die höchsten Anteile an Personen, die nicht gewählt haben oder keine Angabe machen. Die linken Gleichgültigen haben bei der Bundestagswahl überdurchschnittlich für die Linke und das BSW gestimmt. Aber auch SPD, CDU und Grüne wurden gewählt. Die linken Gleichgültigen sind etwa durchschnittlich mit ihrem Leben und mit der Demokratie zufrieden, sind aber unterdurchschnittlich – und damit weniger als alle anderen Typen – an Politik interessiert. Bei den Dimensionen Sozialstaat, Zuwanderung und Klimaschutz liegen sie so nah am Skalenmittelpunkt, dass sie eher als indifferent und weniger als mittig beschrieben werden können.

Neben diesen vier Typen, die alle die AfD mehr oder weniger stark ablehnen, gibt es nur einen Typ mit Sympathien für die AfD: die „AfD-Affinen“. Sie mögen die AfD und nur die AfD. Grüne, SPD, Linke und CDU lehnen sie stärker, FDP und CSU etwas schwächer ab. Wenig überraschend wählten 60 Prozent der AfD-Affinen die AfD, andere Parteien spielten keine Rolle. AfD-Affine sind mit Abstand am wenigsten zufrieden mit ihrem Leben und mit der Demokratie, sind aber etwa durchschnittlich politisch interessiert. Inhaltlich positionieren sie sich bei den Themen Sozialstaat, Zuwanderung und Klimaschutz politisch weiter rechts als alle anderen Typen.

Diese und weitere detaillierte Befunde lesen in der gesamten Studie „Parteibindung und Parteiaffinität im Vergleich – Ergebnisse aus repräsentativen Umfragen“ hier als PDF.

 

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Contact Dr. Sabine Pokorny
Dr. Sabine Pokorny
Referentin Wahl- und Sozialforschung
sabine.pokorny@kas.de +49 30 26996-3544

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À propos de cette collection

Die Publikationen des Monitors Wahl- und Sozialforschung sind Teil unserer Monitor-Publikationsreihe. Die Reihe Monitor behandelt übersichtlich jeweils ein Schwerpunktthema aus der Perspektive der KAS-Expertinnen und -Experten und ordnet es anhand weniger „Punkte zum Mitnehmen“ in den politischen und gesellschaftlichen Kontext ein.