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IMAGO / Emmanuele Contini
Monitor Wahl- und Sozialforschung

Wahlanalyse der Abgeordnetenhauswahl in Berlin am 20. September 2026

Analyse auf Basis des vorläufigen Ergebnisses, zu den wesentlichen Bestimmungsgründen sowie zur Wählerwanderung und Sozialstruktur

Nach den Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern geht das Wahljahr 2026 mit einer heterogenen Bilanz zu Ende, die keine Rückschlüsse auf die Wahlen 2027 zulässt. Unsere Wahlanalyse geht auf die Wählerwanderungen und die wesentlichen Bestimmungsgründe des Wahlergebnisses ein. Ausgehend von den Wahltagsbefragungen und Umfragen im Vorfeld wird u.a. die Bedeutung der Einschätzungen von Spitzenpersonal, Parteikompetenzen sowie politischen Themen erläutert.

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Die Wahlergebnisse in Berlin gleichen stärker dem Abschneiden der Parteien bei der Bundestagswahl 2025 als dem der letzten Landtagswahl 2023. In Berlin war bereits 2025 Linke stärkste Kraft mit erheblichen Gewinnen (2026: 25,7 Prozent). Mit 18,3 Prozent liegt das Ergebnis der CDU bei der Bundestagswahl in Berlin fast bei dem Wert der Abgeordnetenhauswahl (18,8 Prozent). Die SPD lag bei der Bundestagswahl mit 15,1 Prozent leicht über ihrem Abschneiden bei der Abgeordnetenhauswahl (12,1 Prozent). Das gilt auch für die Grünen, die 16,8 Prozent bei der Bundestagswahl und 14,3 Prozent bei der Abgeordnetenhauswahl erreichten. Das BSW hat gegenüber der Bundestagswahl geringe Verluste zu verzeichnen (von 6,7 auf 4,7 Prozent). Die AfD kann nur geringfügig hinzugewinnen (Bundestagwahl 15,2 Prozent; Abgeordnetenhauswahl 16,3 Prozent). Die AfD hat insgesamt zwar bei allen Wahlen in 2026 hinzugewonnen, doch sind – außer in Sachsen-Anhalt – die Wahlergebnisse in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin etwa auf dem Niveau der Bundestagswahl geblieben.

Insgesamt ist das Wahlergebnis weniger von Polarisierung, denn von Fragmentierung gekennzeichnet. In keinem Bundesland ist das Parteiensystem so fragmentiert und sind die Unterschiede im Abschneiden der Parteien so gering.

Keiner der Kandidaten und der Kandidatinnen verfügt über einen Amtsbonus. Entsprechend niedrig ist die Zufriedenheit mit den Kandidierendenr A. Mit 27 Prozent Zufriedenheit schneidet Elif Eralp von der Linken relativ am besten ab, gefolgt von Stefan Evers von der CDU, mit dem 21 Prozent zufrieden sind. Mit Steffen Krach, Spitzenkandidat der SPD, sind 20 Prozent zufrieden und mit Werner Graf von den Grünen 11 Prozent. Mit Kristin Brinker von der AfD sind 11 Prozent zufrieden. Die Zufriedenheit mit Evers, der erst im Juli 2026 (nach dem Rückzug von Kai Wegner) Spitzenkandidat wurde, bewegt sich etwa auf dem Niveau von Kai Wegner bei den Wahlen 2021 und 2023 (2021: 19 Prozent und 2023: 23 Prozent).

Die Fragmentierung des Parteiensystems und die geringe Bekanntheit der Kandidaten und Kandidatinnen zeigte sich im Vorfeld der Wahl an diffusen Präferenzen für das Amt des Regierenden Bürgermeisters oder der Regierenden Bürgermeisterin. Die Anhängerschaft der SPD präferiert Evers, die Grünen-Anhängerschaft bevorzugt Graf (39 Prozent) etwas stärker als Eralp (34 Prozent). In den Anhängerschaften von CDU und Linke präferieren knapp zwei Drittel den eigenen Kandidaten bzw. die eigene Kandidatin (Infratest dimap).

Bei den wichtigsten politischen Themen gibt es eine klare Hierarchie. 53 Prozent nennen das Thema Wohnungsmarkt und Mieten (Forschungsgruppe Wahlen). Hiervon kann die Linke profitieren, der im Bereich „Wohnen“ mit 34 Prozent am ehesten zugetraut wird, das Problem zu lösen. 2023 nannten 14 Prozent die Linke. Beim Thema „Wohnen“ liegt die CDU mit 27 Prozent knapp hinter der Linken, kann hier aber gegenüber 2023 ihre Kompetenz um 10 Punkte ausbauen, während SPD (9 Prozent) und Grüne (4 Prozent) hier nicht punkten können. Bei dem Thema „Verkehr“, das 23 Prozent der Berlinerinnen und Berliner als wichtigstes Thema nennen, liegen die Grünen mit 30 Prozent Nennungen bei der Problemlösungskompetenz vorn, gefolgt von 16 Prozent, die das Thema am besten bei der CDU aufgehoben sehen. 2023 nannten noch 28 Prozent die CDU und 22 Prozent die Grünen. Die Bekämpfung der Kriminalität trauen 27 Prozent der CDU zu (2023: 31 Prozent). Hier liegt die AfD mit 19 Prozent der Nennungen auf Platz 2 (Forschungsgruppe Wahlen).

CDU und SPD leiden besonders stark unter der nach wie vor weit verbreiteten Unzufriedenheit, insbesondere mit der wirtschaftlichen Situation und der Vorbereitung auf die Zukunft. Allerdings werden in Berlin sowohl der Senat als auch die Opposition kritisch bewertet und 45 Prozent sind der Ansicht, dass keine Partei geeignet sei, die Probleme zu lösen. Bundespolitische Themen stehen so auch in Berlin nicht im Fokus. 27 Prozent der Befragten sagen, dass bundespolitische Themen den Ausschlag für die Wahlentscheidung gegeben hätten (Forschungsgruppe Wahlen).

 

Alle Grafiken und Tabellen, auf denen die Wahlanalyse beruht, finden Sie im Anhang des Dokuments.

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Stellvertretende Leiterin Analyse und Beratung,
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À propos de cette collection

Die Publikationen des Monitors Wahl- und Sozialforschung sind Teil unserer Monitor-Publikationsreihe. Die Reihe Monitor behandelt übersichtlich jeweils ein Schwerpunktthema aus der Perspektive der KAS-Expertinnen und -Experten und ordnet es anhand weniger „Punkte zum Mitnehmen“ in den politischen und gesellschaftlichen Kontext ein.