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Veranstaltungsberichte

Horn of Africa - Sicherheitsdialog 2026

Regionale Resilienz und Sicherheit in Zeiten abnehmender Entwicklungshilfe

Das Regionalprogramm Sicherheitspolitischer Dialog Ostafrika (RP SIPODI Ostafrika) der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) veranstaltete in Zusammenarbeit mit dem HORN International Institute for Strategic Studies am 12. und 13. März 2026 eine Konferenz im Radisson Blu Hotel in Nairobi

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Im Zentrum der Konferenz stand die Gewissheit, dass internationale Entwicklungshilfe, die seit Jahrzehnten Friedensoperationen, humanitäre Hilfsangebote und Wiederaufbaubemühungen nach Konflikten im Horn von Afrika unterstützt hat, von anhaltenden strukturellen Kürzungen betroffen und nicht nur vorübergehend rückläufig ist. Dr. Hassan Khannenje, Direktor des HORN International Institute for Strategic Studies, eröffnete die Veranstaltung und betonte, dass Krisen als Katalysatoren für die Entstehung von „transformativer Führungskompetenz“ dienen könnten. Er forderte die Teilnehmenden zum Nachdenken über das Potenzial eines solchen Moments auf und mahnte an, das dieser genutzt werden sollte. In seinen weiteren Ausführungen bemerkte Edgar Mwine, Projektmanager der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS), dass tief verwurzelte, strukturelle Abhängigkeiten nur schwer zu überwinden seien, da zahlreiche Institutionen durch externe Finanzierung aufgebaut wurden. Dennoch hob er die Resilienz Afrikas hervor und zeichnete den gegenwärtigen Moment als Gelegenheit, regionale Rahmenwerke zu gestalten und eine erneuerte, eigene Vision auf Basis der Eigenständigkeit zu entwickeln.

In seiner Eröffnungsrede hob Dr. Mustafa Ali, Chairman des HORN International Institute for Strategic Studies, die Aktualität der Diskussion hervor und merkte an, dass Phasen struktureller Transformation nicht nur einen Wechsel ankündigten, sondern auch Chancen bieten könnten. Dr. Abraham Korir Sing'Oei, kenianischer Staatssekretär für auswärtige Angelegenheiten, stellte in seiner Keynote die Annahme in Frage, dass Entwicklungshilfe jemals die Lösung gewesen sei und argumentierte, dass die Hornregion keine genaue Kenntnis darüber habe, wie viel externe Hilfen sie in den letzten vier Jahrzehnten erhalten habe, da das System zu fragmentiert und undurchsichtig gewesen sei..

Die Konferenz umfasste drei Panels. Das erste Panel konzentrierte sich auf Friedensoperationen im Angesicht von Zuwendungskürzungen internationaler Geldgeber. Die Teilnehmenden betonten, dass die Normen der Afrikanischen Union unvermindert Einfluss hätten. Insbesondere ihre Gründungsurkunde, die Interventionen ohne Zustimmung des betroffenen Staates erlaubt und damit die Charta der Vereinten Nationen übertrifft, bleibe eine wichtige Referenz. Allerdings sei der begrenzte politische Wille der Mitgliedsstaaten ein kritischer Engpass. Die Erfahrung der EAC-Truppe in der Demokratischen Republik Kongo illustriere die Risiken der Truppeneinsätze ohne zentralisierte Steuerung und Kontrolle. Die Teilnehmenden hoben auch die zunehmende Abhängigkeit von privaten Sicherheitsunternehmen hervor, die für Entscheidungsträger aufgrund geringer Rechenschaftspflichten im Vergleich zu UN-Missionen an Attraktivität gewinnen könnten. Die Botschaft war deutlich: Friedensoperationen müssten sich schnell an eine zunehmend umkämpfte und ressourcenbeschränkte Landschaft anpassen, um effektiv zu bleiben.

Das zweite Panel diskutierte Konflikte, Vertreibung und fehlende Achtung humanitärer Rechte. Die Diskutanten zeichneten ein düsteres Bild der menschlichen und sicherheitsbezogenen Folgen abnehmender Hilfsleistungen. Mitarbeitende von Hilfsorganisationen beschrieben die „grausame Rechnung" der Kürzungen, bei der nur ein Bruchteil der Bedürftigen unterstützt werden könne. Diese Lücken vertieften nicht nur Vertreibung und Leid, sondern verschärften auch die Unsicherheit, da betroffene Gemeinschaften zu Bewältigungsmechanismen greifen, die Instabilität und die Entstehung bewaffneter Gruppen anheizen können. Die Panelteilnehmer erkannten nachhaltige Investitionen in die Entwicklung, wie im Falle Jubalands, als bewährten Weg zur Stärkung der Resilienz und zur Verringerung des Gefahrenpotentials solcher Bedrohungen.

Das dritte Panel analysierte das Umdenken von Friedens- und Sicherheitsfinanzierung in Afrika. Die Runde nahm  eine detaillierte Bewertung des AU-Friedensfonds vor und beschrieb ihn als bedeutsamen Schritt zu einer afrikanisch finanzierten Friedensoperation. Gleichzeitig wiesen die Teilnehmenden darauf hin, dass der Fond strukturell unzureichend bleibe. Die Diskussionen wandten sich möglichen institutionellen Reformen, insbesondere den Lücken im kontinentalen Frühwarnsystem der AU, zu. Obwohl das System erfolgreich Konfliktrisiken in Mosambik identifiziert habe, erfolgte keine Folgemaßnahme, was eine kritische Diskrepanz zwischen Frühwarnung und Reaktion offenbare. Die Diskutanten beobachteten außerdem, dass Diplomaten, die mit der Konfliktprävention beauftragt sind, häufig ohne die notwendige institutionelle Übersicht eingesetzt werden.

Die Konferenz endete mit Anmerkungen von Dr. Hassan Khannenje, der allen Teilnehmenden, Panelmitgliedern, Moderatoren und dem KAS-Team für ihre Beiträge zu einem hochaktuellen und zukunftsorientierten Dialog herzlich dankte.

 

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Kontakt Nils Wörmer
Nils Wörmer
Leiter Regionalprogramm Sicherheitspolitischer Dialog Ostafrika
nils.woermer@kas.de +256 786 751 439

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Über diese Reihe

Die Konrad-Adenauer-Stiftung, ihre Bildungsforen und Auslandsbüros bieten jährlich mehrere tausend Veranstaltungen zu wechselnden Themen an. Über ausgewählte Konferenzen, Events, Symposien etc. berichten wir aktuell und exklusiv für Sie unter www.kas.de. Hier finden Sie neben einer inhaltlichen Zusammenfassung auch Zusatzmaterialien wie Bilder, Redemanuskripte, Videos oder Audiomitschnitte.

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