Europa steht vor wachsenden maritimen Herausforderungen. Russland stellt eine direkte Bedrohung in der Ostseeregion, im Hohen Norden, in der Arktis, im Nordatlantik sowie im Schwarzmeerraum dar, während die Vereinigten Staaten von den europäischen Verbündeten erwarten, dass sie eine größere Verantwortung für die Verteidigung des Kontinents übernehmen. Gleichzeitig haben Russlands andauernder Angriffskrieg gegen die Ukraine, seine hybride Kriegsführung gegen EU- und NATO-Mitglieder sowie der Krieg im Nahen Osten die europäischen Defizite bei den maritimen Kapazitäten, der Einsatzbereitschaft und der Resilienz offengelegt.
Nach einer Phase der Vernachlässigung reinvestieren die europäischen NATO- und EU-Mitglieder wieder in ihre Seestreitkräfte. Der Hauptantrieb für diese Rekapitalisierung – die im Kontext einer breiteren Neuausrichtung Europas auf Verteidigung und Sicherheit stattfindet – ist nicht nur das neue Bewusstsein für die Bedrohung durch Russland. Gleichzeitig müssen Schlussfolgerungen aus dem sich beschleunigenden technologischen Wandel auf dem ukrainischen Schlachtfeld berücksichtigt werden. Darüber hinaus wirft der Iran-Krieg mit seinen regionalen und globalen Auswirkungen weitere Fragen über Europas Bereitschaft für eine Kriegsführung mit hoher Intensität auf. Schließlich erwarten die Vereinigten Staaten eine neue Vereinbarung zur „Lastenverschiebung“, bei der die europäischen Verbündeten die Hauptverantwortung für die Sicherheit auf dem Kontinent übernehmen. Dies beinhaltet auch eine Reduzierung des US-Beitrags als traditioneller Bereitsteller von maritimen Schlüsselkompetenzen.
Vor diesem Hintergrund müssen die europäischen Verbündeten ihre Bemühungen zur Entwicklung und Umsetzung einer kohärenten und nachhaltigen maritimen Strategie beschleunigen. Die Nordflanke ist dabei zweifellos ein Schwerpunkt für die euro-atlantische Verteidigung. Dies erfordert eine Abstimmung von Prioritäten und Führungsrollen, die Maximierung kooperativer Fähigkeitsentwicklung sowie eine klare Arbeitsteilung unter den Verbündeten. Dazu gehört auch die Lastenteilung beim Engagement in weiter entfernten Regionen, einschließlich der Zusammenarbeit mit NATO-Mitgliedern an der Südflanke und über das traditionelle NATO-Gebiet hinaus.
Lesen Sie den gesamten Monitor: „Baltic and Northern Defence – Towards an Integrated Maritime Strategy“ hier als PDF. Die Publikation steht bisher nur in englischer Sprache zur Verfügung.
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