Der 26. China Talk fand zu einem besonders kritischen Zeitpunkt statt, da die Erwartungen zum geplanten Gipfeltreffen zwischen den Staatschefs der Vereinigten Staaten und Chinas wichtige Fragen hinsichtlich der künftigen Ausrichtung der bilateralen Beziehungen zwischen den beiden Weltmächten aufwarfen. Die Veranstaltung brachte politische Entscheidungsträger, Diplomaten, Experts und Wissenschaftler aus Botschaften, Thinktanks, Universitäten und politischen Institutionen zusammen und spiegelte das große Interesse daran wider, zu verstehen, wie sich Veränderungen in der Beziehungen zwischen den USA und China auf die internationale Ordnung und Südostasien auswirken können.
Die Eröffnungsreden hielten Dr. Nguyen Hung Son, Präsident der Diplomatischen Akademie Vietnams, und Herr Lewe Paul, Leiter der KAS Vietnam. In ihren Reden betonten sie die Bedeutung eines offenen, fundierten und differenzierten Dialogs in Zeiten wachsender geopolitischer Unsicherheit. Aus deutscher und europäischer Perspektive hob Herr Lewe Paul das Bekenntnis Europas zu Multilateralismus, einer regelbasierten internationalen Ordnung und strategischer Resilienz hervor und wies gleichzeitig darauf hin, dass jede Neukalibrierung zwischen Washington und Peking unweigerlich Auswirkungen auf Regionen, Volkswirtschaften und Institutionen weltweit haben werde.
Das Highlight der Veranstaltung war der Hauptvortrag von Professor Joseph Liow Chin Yong, Dekan und Professor für Ostasienwissenschaften an der National University of Singapore. In seinem umfassenden und zum Nachdenken anregenden Vortrag analysierte Professor Liow den aktuellen Stand der Beziehungen zwischen den USA und China aus nationaler, systemischer und globaler Perspektive. Er untersuchte die sich wandelnden innenpolitischen Imperative, die die Außenpolitik der USA und Chinas prägen, und wies dabei auf Veränderungen im globalen Engagement der USA sowie auf Chinas zunehmende Betonung von Selbstständigkeit, technologischen Ambitionen und strategischer Diversifizierung hin. In seinem Vortrag ging er zudem auf den strategischen Wettbewerb zwischen den beiden Großmächten, die Rolle der Gipfel-Diplomatie sowie die potenziellen Ziele und Einschränkungen ein, mit denen beide Seiten im Vorfeld eines Treffens zwischen Trump und Xi konfrontiert sind.
Im Anschluss an die Präsentation fand eine lebhafte Diskussionsrunde statt, in der Dr. Choi Jin Baek von der Korea National Diplomatic Academy und David Merkle, Leiter des KAS-Büros in Shanghai, aufschlussreiche Kommentare abgaben. Die Diskussionsteilnehmer brachten zusätzliche regionale und vergleichende Perspektiven ein und gingen dabei auf den wirtschaftlichen Wettbewerb, die strategischen Dynamiken zwischen den USA und China sowie die Rolle der politischen Führung ein. Chinas rasante Fortschritte in Technologiebereichen wie KI, Robotik, Raumfahrt und Automobilindustrie wurden hervorgehoben und die Auswirkungen auf globale wirtschaftliche Herausforderungen dargelegt. Es wurde darauf hingewiesen, dass die Beziehungen zwischen den beiden Ländern von den Persönlichkeiten und Strategien der jeweiligen Staatschefs abhängen. Während die US-Politik durch strategischen Druck gekennzeichnet ist, konzentriert sich China auf die Stärkung seiner Fähigkeiten und präsentiert sich als Verteidiger des globalen Handels.
Eine anregende Fragerunde ermöglichte es den Teilnehmern, Fragen zu stellen und Perspektiven zu regionaler Sicherheit, der strategischen Positionierung der ASEAN sowie den weiterreichenden Auswirkungen des Wettbewerbs zwischen den USA und China auf den indopazifischen Raum auszutauschen. Die Diskussionen bestätigten die Bedeutung offener Kommunikationsräume und der Stärkung regionaler Resilienz angesichts zunehmender globaler Unsicherheit.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der 26. China Talk erneut den Wert dialogorientierter Plattformen für ein tieferes Verständnis der Rolle Chinas im globalen Kontext und der sich wandelnden Dynamik der Beziehungen zwischen den USA und China unter Beweis gestellt hat. Die KAS Vietnam setzt sich weiterhin gemeinsam mit seinen Partnern dafür ein, eine fundierte Debatte, gegenseitiges Verständnis und einen konstruktiven Austausch über zentrale geopolitische Herausforderungen zu fördern, die die Zukunft der Region und darüber hinaus prägen.
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À propos de cette collection
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