Die Aufmerksamkeit der türkischen Medien richtete sich deshalb auch stärker auf die Treffen und Gespräche der türkischen Delegation mit wichtigen Staats- und Regierungschefs am Rande der Konferenz denn auf den eigentlichen Verlauf und die Ergebnisse des Gipfels. Als bedeutender Erfolg wurde die in Seoul beschlossene Reform des Internationalen Währungsfonds gefeiert, in deren Folge den Schwellenländern mehr Quotenanteile und somit mehr Einfluss auf die Entscheidungen der wichtigsten internationalen Finanzinstitution zugeteilt werden. Die Türkei rückt demnächst unter die 20 größten Anteilseigner des IWF auf. Die schärferen Risiko-Vorschriften für Banken betreffen die Türkei nur wenig, da sie bereits 2001 als Reaktion auf die eigene schwere Finanzkrise ihr Bankensystem radikal reformiert hat.
Die Erwartungen der Türkei an den Gipfel in Seoul unterschieden sich nicht wesentlich von denen Deutschlands. Als das Land mit einem hohen Leistungsbilanzdefizit sprach sich die Türkei klar gegen die von den USA geforderten verbindlichen Leistungsbilanzziele aus. Die türkische Regierung äußerte ebenfalls Kritik am Beschluss der US-Notenbank, bis Mitte 2011 laufende Staatsanleihen im Gesamtwert von 600 Milliarden Dollar aufzukaufen. Diese Maßnahme, die der lahmenden US-Konjunktur neuen Schwung bringen soll, würde zu Lasten der Entwicklungs- und Schwellenländer gehen, sagte der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdoğan vor seiner Abreise nach Seoul. „Dies ist nicht fair und die Türkei kann eine solche Vorgehensweise nicht billigen“ so Erdoğan . In ähnlicher Weise äußerte sich eine Woche zuvor Wirtschaftsminister Ali Babacan. Auf der anderen Seite wird der künstlich niedrig gehaltene Währungskurs Chinas ebenfalls als Gefahr für das globale Gleichgewicht gesehen. Der Wirtschaftskolumnist der auflagenstärksten türkischen Zeitung Zaman, Asım Erdilek, stellte in diesem Zusammenhang die Frage, ob der Welt ein Krieg der Währungen bevorstehe.
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