Zum 25. Berliner Gespräch zur Kulturpolitik begrüßte Prof. Dr. Norbert Lammert, Bundestagspräsident a. D. und Ehrenvorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung, die Teilnehmenden und erinnerte an den grundlegenden Anspruch der langjährig etablierten Veranstaltungsreihe: Politik und Kunst miteinander ins Gespräch zu bringen und jene Schnittstellen in den Blick zu nehmen, die beide Bereiche verbinden, zugleich aber auch voneinander unterscheiden. Gerade in einem Staat, der sich als Kulturstaat verstehe, seien die Rahmenbedingungen für Kunst und Kultur in erheblichem Maße auch Ergebnis politischer Entscheidungen. Das Berliner Gespräch zur Kulturpolitik verfolge daher seit 25 Jahren das Ziel, den regelmäßigen Austausch zwischen Künstlerinnen und Künstlern, Kulturschaffenden, Verantwortlichen kultureller Institutionen sowie kulturpolitischen Akteuren auf kommunaler, Landes- und Bundesebene zu fördern.
Das Jubiläumsjahr markierte zugleich einen Generationenwechsel: Nach vielen Jahren engagierter Verantwortung für die Reihe übergab Norbert Lammert die Leitung des Formats an Prof. Monika Grütters und Prof. Dr. Markus Hilgert. Beide verfügen über herausragende Erfahrungen und Expertise in Kulturpolitik, Wissenschaft, Kulturmanagement und Verbandswesen und werden das Berliner Gespräch zur Kulturpolitik künftig gemeinsam fortführen. Monika Grütters und Markus Hilgert dankten Norbert Lammert für sein langjähriges Engagement sowie für die prägende und kontinuierliche Gestaltung eines Gesprächsformats, das sich als wichtiger Ort des kulturpolitischen Austauschs in Deutschland etabliert hat.
Der Kunsthistoriker Prof. Dr. Dr. h. c. Horst Bredekamp, Humboldt-Universität zu Berlin, eröffnete das Berliner Gespräch zur Kulturpolitik mit einem Vortrag unter dem Titel „Vom Bildersturm zum Denkmalschutz – Zeitgeist und Erinnerungskultur“. Ausgehend von historischen Beispielen beleuchtete er, wie der Bildersturm bis in die jüngste Gegenwart in moralisierender Geste einem identitätspolitisch aufgeladenen Geltungsanspruch verhaftet ist, und fragte, welche Gegenkräfte in einer Situation von schneller Etikettierung und shit storms mobilisiert werden könnten.
Am Abend las die Literaturpreisträgerin der Konrad-Adenauer-Stiftung, Daniela Danz, Auszüge aus ihrem Essayband „Nichts ersetzt den Blick ins Gelände“ (Wallstein, 2023) sowie aus ihren Gedichtbänden „Wildnis“ (Wallstein 2020) „Portolan“ (Wallstein, 2025). Im Gespräch mit Prof. Dr. Michael Braun, dem Literaturreferenten der Konrad-Adenauer-Stiftung, sprach sie über den poetischen Mehrwert der Lyrik, ihren freien Blick ins ‚Prosa-Gelände‘, über wildes Denken in polykritisch geprägten Zeiten, über deutsche Orte und osteuropäische Landschaften sowie über die Resonanz Jugendlicher auf den von ihr kuratierten Bundeswettbewerb „Demokratisch Handeln“.
In einem Podiumsgespräch unter dem Titel „Zwischen Säkularisierung und Fundamentalismus – Zum Verhältnis von Religion, Kultur und Politik“ diskutierten Dr. Petra Bahr, Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Ahmad Mansour, Gründer und Geschäftsführer der Mansour-Initiative für Demokratieförderung und Extremismusprävention, Klaus Mertes SJ, Redakteur und Herausgeber der Jesuitenzeitschrift „Stimmen der Zeit“ und Vorsitzender des Kuratoriums der Konrad-Adenauer-Stiftung, sowie Prof. Dr. Mirjam Wenzel, Direktorin des Jüdischen Museums Frankfurt. Im Mittelpunkt des Gesprächs standen die gesellschaftliche Bedeutung von Religion, die Herausforderungen durch religiösen Extremismus sowie die Frage, welchen Beitrag religiöse und kulturelle Traditionen zum gesellschaftlichen Zusammenhalt in pluralistischen Demokratien leisten können. Die Diskussion verdeutlichte, dass religiöse, kulturelle und politische Bildung zentrale Voraussetzungen dafür ist, Vorurteile abzubauen, gesellschaftliche und kulturelle Teilhabe zu stärken und Orientierung in einer zunehmend pluralen Gesellschaft zu ermöglichen.
In einer anschließenden Aussprache zu aktuellen kulturpolitischen Entwicklungen diskutierten Dr. Ottilie Klein MdB, Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Kultur und Medien, Rainer Robra, Chef der Staatskanzlei und Minister für Kultur, Europa und Medien des Landes Sachsen-Anhalt a. D., sowie Dr. Konrad Schmidt-Wethern, Amtschef beim Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, über aktuelle Herausforderungen und Perspektiven der Kulturpolitik auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene. Thematisiert wurden unter anderem am Beispiel von Sachsen-Anhalt, wie Kulturpolitik die Resilienz kultureller Einrichtungen stärken könne und ob Kriterien der Kulturförderung in der Aufteilung zwischen Bund und Ländern genauer gefasst werden sollten.
Zum Abschluss der Tagung betonten Monika Grütters und Markus Hilgert die besondere Bedeutung des kontinuierlichen Austauschs zwischen Politik, Kultur, Wissenschaft und Verbänden. Das Berliner Gespräch zur Kulturpolitik der Konrad-Adenauer-Stiftung wolle hierzu auch in Zukunft seinen Beitrag leisten.
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