Présentations & compte-rendus

„Meine Befreiung war meine zweite Geburt“

de Julia Rieger

Lesung und Konzert mit Esther Bejarano und der Microphone Mafia anlässlich des Gedenktags der Opfer des Nationalsozialismus

Mit Musik für ein gleichberechtigtes Leben eintreten: Die Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano gestaltet gemeinsam mit der Rap-Gruppe Microphone Mafia seit 2009 ihre Konzerte und Lesungen, auf denen sie gegen jede Art von Rassismus, Antisemitismus, Ausgrenzung und Neonazismus eintritt.

Zu Beginn begrüßt die Leiterin des Regionalbüros Rheinland, Simone Habig, die Gäste: „Es ist wichtig, die Erinnerung zu bewahren, um zu verhindern, dass sich die Geschichte wiederholt.“ Die Feindlichkeit, die den politischen Diskurs immer häufiger prägen würde, beeinflusse den Wertekompass – „ob wir es wollen oder nicht.“ Deswegen sei Erinnerungskultur so wichtig. Sie freue sich über 150 Menschen, die in die Jazzschmiede nach Düsseldorf gekommen sind.

„Wir waren nur noch Nummern“

Zu Beginn liest Esther Bejarano aus ihrem Buch „Erinnerungen: Vom Mädchenorchester in Auschwitz zur Rap-Band gegen rechts“. Sie berichtet von der Deportation in überfüllten Zügen, der Ankunft in Auschwitz-Birkenau und dem Ton, der dort vorherrschte. Die „SS-Schergen“ hätten gesagt: „So ihr Saujuden, jetzt zeigen wir euch, was Arbeit heißt.“ Von den Blockältesten wurde sie für das Mädchenorchester vorgeschlagen. Da es kein Klavier gab, wurde ihr ein Akkordeon gegeben, welches sie noch nie gespielt hatte. Trotzdem gelang es ihr, den Schlager „Bel Ami“ zu spielen – „wie ein Wunder.“ Sie erzählt, wie sie im Orchester spielen musste, wenn die Arbeitskolonnen ausrückten und auch, wenn Züge an der Rampe ankamen: „Aus ganz Europa kamen die Menschen und fuhren direkt ins Gas.“ Die Belastung sei sehr hoch gewesen: „Die Menschen in den Zügen haben vielleicht gedacht, da wo Musik spielt, kann es nicht so schlimm sein.“

Flucht auf dem Todesmarsch

Nachdem in Auschwitz Juden mit „arischem Blut“ gesucht wurden, meldete sich Bejarano nach einigem Zögern. Doch mit ihren Freundinnen beschloss sie, dass sie die „Verpflichtung habe, zu versuchen, aus Auschwitz rauszukommen und den Menschen zu berichten, was sie uns angetan haben.“ Später konnte sie auf einem sogenannten Todesmarsch gemeinsam mit sechs Freundinnen fliehen: „Es war nicht nur meine Befreiung, es war meine zweite Geburt.“

„Wenn wir nur wegschauen, wird das Schweigen selber uns erschlagen“

Während Bejarano liest, gibt das Publikum keinen Laut von sich. Nach langem Applaus beginnt das Konzert mit der Microphone Mafia: Kutlu Yurtseven und Joram Bejarano singen gemeinsam mit Esther Bejarano politische Lieder auf Hebräisch, Jiddisch, Türkisch und Deutsch. Zu Beginn leitet Yurtseven einen Stimmungsumschwung ein: „Ab jetzt ist Lachen erlaubt, denn das war die Vergangenheit.“ Die Stimmung im Publikum verändert sich im Laufe des Konzertes immer mehr: Es wird mitgeklatscht, gesungen und mit den Füßen gewippt. Trotz der guten Stimmung ist es der Band wichtig, ein Zeichen zu setzen: „Widerstand braucht nicht den erhobenen Zeigefinger, sondern ein Lächeln. Wir müssen es alle gemeinsam machen.“

„Wahres Leben ist da, wo Freiheit ist“

Über eine Stunde lang spielen Microphone Mafia und Esther Bejarano Lieder, um ihre Botschaft weiterzutragen. Die Mischung aus Rap und Gesang kommt bei allen Generationen im Publikum gut an. Zwischendurch erzählt Yurtseven die Geschichte der Zusammenarbeit und ruft die Menschen auf, aufzustehen gegen Menschenfeindlichkeit: „Neonazis sind die Feinde von allen, die frei leben möchten.“ Immer wieder blickt Bejarano ins Publikum, wo viele junge Menschen sitzen: Die Botschaft ist ihr wichtig. Am Ende gibt es minutenlangen Applaus und Standing Ovations für die 95-Jährige und die Band, die am Ende ein Banner ausrollen: „Nie wieder Krieg“ steht über ihren Köpfen.

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Simone Habig

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Frauke Kracht

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