Wilna - Wilno - Vilnius. Das jiddische Vilne

Eine Topografie zwischen Moderne und Mythos

Oktober27Sonntag

Datum/Uhrzeit

27. – 29. Oktober 2013

Ort

Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum; Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung

mit

Šarūnas Birutis, Beate Neuss, Deividas Matulionis u.a.

Typ

Fachkonferenz

Anlässlich des 70. Jahrestages der Liquidierung des Wilnaer Ghettos am 23. September 1943 befasst sich die internationale wissenschaftliche Tagung mit der Geschichte der Juden in Wilna.

Im Zusammenhang mit einer historischen Rückschau der wechselvollen Geschichte zwischen der Etablierung eines Zentrums rabbinischer Gelehrsamkeit und der Ghettoisierung und Ermordung der Wilnaer Juden durch Hitler-Deutschland, soll der Forschungsfokus auf die wechselseitigen Einflüsse der Ost- und Westjuden gelegt werden. Dabei liegt ein besonderes Augenmerk auf den Wechselbeziehungen zwischen Wilna und Berlin. Waren es im Zuge der jüdischen Aufklärung (hebr. Haskala) die sogenannten "Berliner", Maskilim (Anhänger der Haskala; hebr. Unterweiser, Verständiger), die die Wilnaer Juden für die Haskala begeistern wollten, so war es unter anderem das Wilnaer Verlagswesen, das die Literatur aus Berlin ins Jiddische übersetzte und der Wilnaer Leserschaft präsentierte. Umgekehrt wirkten sowohl die rabbinische Gelehrsamkeit, Einflüsse der Kabbala aber auch moderne politische Strömungen von Wilna aus auf Berlin. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Litauen, Deutschland und Polen werden ihre Forschungsprojekte vorstellen und gemeinsam Fragen zu den bisher kaum ins Blickfeld gesetzten Wechselwirkungen der verschiedenen jüdischen, insbesondere jiddischen Kulturen in Berlin und Wilna zwischen Haskala und Holocaust diskutieren.

Sonntag, 27. Oktober 2013

Veranstaltungsort:
Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum
Geschwister-Scholl-Str. 3
10117 Berlin

AUSSTELLUNGS- UND TAGUNGSEROEFFNUNG MIT LESUNG

18.00 Uhr
Begrüßung

  • Andreas Degkwitz
    Direktor der Universitätsbibliothek der ­Humboldt-Universität zu Berlin
    Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum
  • Šarūnas Birutis
    Minister für Kultur der Republik Litauen
  • Julius H. Schoeps
    Direktor des Moses Mendelssohn Zentrums für ­europäisch-jüdische Studien

Musik
Davidas Geringas (Violoncello)
Anatolijus Šenderovas. Cantus II, 9'

Eröffnungsvortrag
Vilnius. The Identity of the Lithuanian Capital
Artūras Zuokas
Oberbürgermeister von Vilnius

Schlusswort
Beate Neuss
Stellvertretende Vorsitzende der Konrad-­Adenauer‑Stiftung

Musik
Davidas Geringas (Violoncello)

Emi Hariyama (Choreographie)
Casals / Geringas. Song of the Birds, 4'

Die Veranstaltung wird simultan in Deutsch/Englisch übersetzt.

Anschließend kleiner Empfang
Möglichkeit zum Gang durch die Ausstellung mit Lesung aus den Grimmschen Märchen auf Jiddisch
Uri Faber

Begleitend zur Tagung werden Werke deutschsprachiger Autoren, die in Wilnaer Verlagen in jiddischer Sprache publiziert wurden, präsentiert. Die Ausstellung ist bis 17. November 2013 im Foyer des Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrums der Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin zugänglich und widmet sich in erster Linie den Verlagen und Übersetzern dieser Werke. Bei den präsentierten Publikationen handelt es sich überwiegend um Erstausgaben, die von der litauischen Nationalbibliothek in Vilnius eigens für diese Ausstellung zur Verfügung gestellt werden.

Montag, 28. Oktober 2013

Veranstaltungsort:
Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung
Tiergartenstr. 35
10785 Berlin


WISSENSCHAFTLICHE TAGUNG

09.30 Uhr
Begrüßung

  • Frank Priess
    Stv. Leiter Europäische und Internationale Zusammenarbeit
    Konrad-Adenauer-Stiftung
  • Deividas Matulionis
    Botschafter der Republik Litauen
  • Julius H. Schoeps
    Direktor des Moses Mendelssohn Zentrums
  • Emanuelis Zingeris
    Mitglied des Litauischen Parlaments

10.00 Uhr
Eröffnungsvortrag
Persönliche Erinnerungen an die Zeit der ­deutschen ­Besatzung
Irena Veisaitė
Vilnius

Kaffeepause

Jiddische Kultur und Politik im Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert

11.00 Uhr
"Jiddischland". Das Land der osteuropäischen Juden
Ewa Geller
Warschau

11.30 Uhr
Translating Jewish culture and into Jewish culture: the role of translations in forming Vilnius Jewish ­cultural identity in 19th–20th centuries
Lara Lempert
Vilnius

12.00 Uhr
State within a State? Jewish Autonomy in ­Lithuania 1918–1925
Šarūnas Liekis
Kaunas/Vilnius

Anschließend Diskussion

Mittagspause

Berlin in Wilna – Wilna in Berlin

14.30 Uhr
Gaon contra Maskil. Die jüdischen Strömungen seit der Haskala
Hermann Simon
Berlin

15.00 Uhr
Arnold Zweigs Blick auf Wilna
Margret Heitmann
Duisburg

Anschließend Diskussion

Kaffeepause



ABENDVORTRAG MIT JIDDISCHEN LIEDERN

18.00 Uhr
Von Wilna nach Berlin. Jiddischkeit in der ­deutschen Hauptstadt 1918–1933
Gertrud Pickhan
Berlin

Anschließend Gesang mit jiddischen Liedern aus Wilna und Berlin
Karsten Troyke
Berlin

Das Weimarer Berlin bildete eines der größten Migrationszentren in Europa. Für Jüdinnen und Juden aus dem östlichen Europa war die deutsche Metropole seit den Pogromen der 1880er Jahre im Russländischen Reich und vermehrt seit dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Russischen Revolution ein Zufluchtsort. Durch die jüdischen Migrantinnen und Migranten wurde Berlin zu einem Teil des imaginären Jiddischlands. In der osteuropäisch-jüdischen Lebenswelt des Scheunenviertels erfolgte eine kreative Adaption all dessen, wofür das jiddische Vilne als Topos steht.

Die Konferenzsprachen sind Deutsch und Englisch.

Dienstag, 29. Oktober 2013

Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung
Tiergartenstr. 35
10785 Berlin

WISSENSCHAFTLICHE TAGUNG


Der Zweite Weltkrieg …

10.00 Uhr
Formen des jüdischen Widerstands
Gudrun Schroeter
Gießen

10.30 Uhr
The Witness of Poetry: Abraham Sutzkever
Mindaugas Kvietkauskas
Vilnius

11.00 Uhr
Die Zerstörung des Vilnaer Ghettos im ­September 1943
Christoph Dieckmann
Frankfurt

Anschließend Diskussion

Mittagspause

… und die Folgen

13.00 Uhr
Vilner Lebenswelten im Spiegel der Erinnerung
Sandra Studer
13.30 Uhr
Transnational verbunden. Zur Geschichte der Vilner Juden nach dem Holocaust
Anna Lipphardt
Freiburg

Anschließend Diskussion

Kaffeepause

15.00 Uhr
Rekonstruktion von Identität und Imagination. Puzzlesteine des jüdischen Wilna
Ruth Leiserowitz
Warschau

15.30 Uhr
Reclaiming the Jewish Narrative in ­Lithuania Today
Markas Zingeris
Vilnius

Anschließend Diskussion
Ende der Tagung

Die Konferenzsprachen sind Deutsch und Englisch.

Bitte melden Sie sich für die einzelnen Veranstaltungen über die Online-Anmeldung oben rechts an.

Foto: KAS

Ansprechpartner

Tim B. Peters

Referent Osteuropa

Tim B. Peters
Tel. +49 30 26996-3370
Fax +49 30 26996-53370
Sprachen: Deutsch,‎ English,‎ русский

Partner

Moses Mendelssohn ZentrumBotschaft der Republik Litauen in Deutschland