zur Navigation springen
Konrad-Adenauer-Stiftung (Logo)

Veranstaltungsbeiträge

Orden für „Kampf gegen Zionismus“

Feindbild Israel: Die DDR und der Judenstaat


Berlin, 10. Okt. 2008

 
 

Einwilligung in Reparationszahlungen, Annäherung unter Adenauer, Aufnahme diplomatischer Kontakte unter Erhard – so lässt sich die Geschichte der deutsch-israelischen Beziehung nach dem Zweiten Weltkrieg zusammenfassen. Zumindest der eine Teil dieser Geschichte. Denn auch im zweiten deutschen Staat, der DDR, machte man sich Gedanken über den Umgang mit Israel. Wie sich die Beziehungen zwischen dem SED-Staat und Israel entwickelt haben, darüber hat der Journalist und Historiker Dr. Stefan Meining bei einer Gemeinschaftsveranstaltung mit der Deutsch-Israelischen Gesellschaft in der Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung informiert.

 

Dr. Stefan Meining
Dr. Stefan Meining

Anders als Westdeutschland berücksichtigte die DDR kaum ihre historische Verantwortung gegenüber Israel. Die Anfrage nach Reparationszahlungen wurde zunächst zurückhaltend beantwortet und schließlich abgelehnt, während sich gleichzeitig auch das Verhältnis zwischen der UdSSR und Israel immer weiter verschlechterte. In ihrem Streben nach internationaler Anerkennung und Handelskontakten wand sich die DDR ab Mitte der 50er Jahre dann zunehmend den arabischen Staaten zu, wie Stefan Meining ausführte.

Gleichzeitig sollte aber ein Keil zwischen die BRD und Israel getrieben werden, um eine Wiederaufnahme von diplomatischen Beziehungen zu verhindern. Meining veranschaulichte dies mit Film-Dokumenten zur Aktion „Vergissmeinnicht“, die die Stasi in Westdeutschland 1961 während des Eichmann-Prozesses durchführte. Dabei wurden jüdische Gemeinden in der BRD ausspioniert und schließlich Hetzbriefe mit fingierten westdeutschen Absendern an die Gemeindemitglieder versandt. Vor den Augen der Weltöffentlichkeit sollte so das Wiederaufkeimen des Faschismus in der BRD dargestellt werden. Gleichzeitig waren in der DDR zu dieser Zeit noch an die 40 ehemaligen NSDAP-Mitglieder in großen Medienbetrieben tätig. Sie verglichen in Kommentaren beispielsweise Israel mit dem Dritten Reich und verharmlosten stets die Aggressionen der arabischen Länder gegen Israel.

Abbildung

In der Außenpolitik wurde dies durch eine zunehmende Unterstützung für die arabischen Nachbarn Israels begleitet, wie Meining deutlich machte. Mit Hilfe von Filmdokumenten und Interviews wies er nach, dass die DDR Syrien beim Jom Kippur-Krieg mit 12 MiG-21-Kampfflugzeugen versorgte. 1978 verlieh Honecker dem syrischen Präsidenten Hafiz al-Assad den großen Stern der Völkerfreundschaft, unter anderem für seinen „Einsatz gegen den Zionismus“, wie Meining ebenfalls mit Filmaufnahmen nachweisen konnte. Schon längst empfiehlt Jerusalem zu dieser Zeit „äußerste Vorsicht“ im Austausch mit der DDR.

Erst mit der zweiten Hälfte der 80er-Jahre konnte Meining von einer versuchten Annäherung der DDR an Israel berichten. „Hierbei handelte es sich aber vor allem um den Versuch, aus wirtschaftlicher Not heraus neue Handelskontakte zu erschließen“, so der Journalist. Die Argumentation, die DDR habe während des Kalten Kriegs keine andere Wahl gehabt, als sich von Israel zu distanzieren, nannte Meining eine „große historische Lüge“. Während Adenauer entgegen der Bitte der USA die Reparationszahlungen an Israel auch während der Suez-Krise fortgeführt habe, hätte die DDR niemals ihren zunehmenden Spielraum ausgenutzt, um sich Israel anzunähern. Dazu kommt es erst zwischen Mauerfall und Wiedervereinigung. So erklären die Abgeordneten der frei gewählten Volkskammer am 12. April 1990 einstimmig: "Wir bitten die Juden in aller Welt um Verzeihung. Wir bitten das Volk in Israel um Verzeihung für Heuchelei und Feindseligkeit der offiziellen DDR-Politik gegenüber dem Staat Israel und für die Verfolgung und Entwürdigung jüdischer Mitbürger auch nach 1945 in unserem Land. (...) Wir erklären, uns um die Herstellung diplomatischer Beziehungen und um vielfältige Kontakte zum Staat Israel bemühen zu wollen."

 

Themen

 
 

zum Anfang springen