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Die Rolle der NROs bei der Entwicklung der Frau

Zusammenfassender Bericht der Konferenz vom 18. bis 19. September 2002 in Kairo

Von Michael A. Lange17. März 2003

Ziel dieser zweitägigen Konferenz war es, verschiedene NROs aus dem Bereich der Frauenarbeit zu einem Meinungsaustausch zusammenzubringen, um kritisch ihre Möglichkeiten und Chancen im Bereich der Frauenarbeit in Ägypten zu analysieren, bereits erreichte Ziele festzuhalten und die Aufgaben für die Zukunft zu konkretisieren.
In der Einführung sagte Herr Negad el-Borai, dass sich die Lage der Frau in Ägypten in vielen Bereichen qualitativ nicht verbessert habe, so insbesondere nicht im politischen Bereich und auch im öffentlichen Leben kaum. Als Hälfte der Bevölkerung müsse die Frau ein größeres Mitspracherecht in allen Bereichen erhalten.
In der ersten Sitzung stellte Tahani El-Gabali das CEDAW-Abkommen (Convention for the Elimination of all forms of discrimination against women) vor, das auch von der ägyptischen Regierung mit einigen Einschränkungen ratifiziert wurde. Sie wies nachdrücklich darauf hin, dass bei der Erarbeitung dieses Abkommens auch die islamischen und arabischen Staaten eingebunden waren und es damit kein Abkommen sei, dass den arabisch / islamischen Staaten vom „Westen“ aufgedrängt wurde, wie Kritiker behaupten. Danach ging sie auf die verschiedenen Einschränkungen der ägyptischen Regierung ein, die mit Verweis auf die islamische Rechtsprechung eingebracht worden waren, die sie aber für nicht stichhaltig erachtete. Erwähnt wurde dabei auch, das der „National Council for Women“ (NCW) die Regierung bereits aufgefordert hat, diese Einschränkungen wieder zurückzunehmen. Frau El-Gabali kritisierte darüber hinaus, dass die Islamische Rechtsprechung (Sharia) bei Diskussionen über die Frauenrechte oft nur als Vorwand eingebracht werde.
Mit Blick auf die Situation der Kinder in Ägypten stellte Essam Ali in seinem Referat die internationalen Abkommen über den Schutz der Rechte der Kinder vor, die auch von der ägyptischen Regierung ratifiziert worden sind. Allerdings gibt es bei der Umsetzung dieser Abkommen im Land noch große Mängel, insbesondere im Bereich der Schulausbildung und der Gesundheitsfürsorge. Die Mädchen sind auf Grund von traditionellen Wertanschauungen besonders benachteiligt und müssten deshalb vom Staat besonders gefördert werden. Kritisiert wurde auch die noch immer weit verbreitete Kinderarbeit, insbesondere im Sommer bei der Landarbeit, die zwar offiziell verboten ist, was jedoch nicht genügend kontrolliert werde.
In der zweiten Sitzung wurden Gesundheits- und Bildungssituation der Frauen behandelt. Dr. Rema el-Khafsh wies in ihrem Beitrag darauf hin, dass sich die Gesundheitsfürsorge in Ägypten in den letzten 20 Jahren verbessert habe und deshalb auch die Lebenserwartung gestiegen ist. Hier gibt es allerdings starke regionale Unterschiede (in Oberägypten ist die Lebenserwartung der Frauen im Gegensatz zu den landesweiten Statistiken geringer als die der Männer), was auch auf die dort noch stärker verankerten Traditionen zurückzuführen ist (60% der Frauen dürfen nur mit Einwilligung des Mannes zum Arzt gehen, die durchschnittliche Kinderanzahl pro Frau in Oberägypten liegt bei 5,13 im Gegensatz zu 3,5 landesweit).
% Nach einem kurzen historischen Überblick über die Entwicklung des Bildungs- und Schulwesens in Ägypten kritisierte Seham Negm in ihrem Referat die Regierung für ihr Versagen bei der Alphabetisierung der ägyptischen Bevölkerung. In Ägypten gibt es noch immer 17 Mio. Analphabeten, bei den Frauen liegt ihr Anteil in manchen Gegenden bei bis zu 80%, 600.000 Kinder haben keinen Zugang zur Grundschulausbildung. Die Regierung müsse erkennen, dass die Ausbildung der Bevölkerung eine Grundvoraussetzung für die Entwicklung der gesamten Gesellschaft sei.
Der Vortrag von Dr. Howeida Mustafa über das Bild der Frau in den Medien wurde wegen ihrer Abwesenheit nur kurz zusammengefasst. In der Werbung wird die Frau oft auf die Rolle der konsumierenden Hausfrau und Mutter reduziert, die Frau aus Oberägypten wird zusätzlich noch als ungebildet dargestellt. In den in Ägypten beliebten Fernsehdramen gibt es meist nur Rollen für junge Frauen, gute Frauenrollen für das Alter von 35 – 60 Jahre fehlen weitgehend. Auch in den Schulbüchern und im Lehrinhalt spiegelt sich dieser Trend wieder, wie Dr. Ilham Abdel Hamed darstellte. Hier findet sich eine typische Rollenverteilung für Mädchen/Frauen und Jungen/Männer.
Frauen stehen für „Gefühl und Herz“, Männer für den „Verstand“. Die Rolle der Frau wird beschränkt auf ihre Stellung als Tochter, Ehefrau und Mutter, sie bekommt keine eigenständige Rolle zugewiesen. Damit spiegeln die Lehrbücher auch die unterschiedliche Erziehung von Mädchen und Jungen innerhalb der Familien wieder, die in Ägypten traditionell noch weit verbreitet ist. Kritisiert wurde auch die „Unantastbarkeit“ der Lehrpläne, wobei der bürokratische Apparat jeden Versuch der Reform abblockt. Dr. Ali El-Sawi stellte anschließend seine statistische Auswertung der Redebeiträge der Frauen in Parlament und Shura-Rat zur Diskussion.
Azza Soliman stellte mit Blick auf die rechtliche Stellung der Frau in Ägypten eine Kluft zwischen Theorie und Praxis fest. Sie kritisierte den fehlenden politischen Willen zur Umsetzung der existierenden „theoretischen“ Rechte der Frauen, die ihre Gleichberechtigung garantieren. Sie wies darauf hin, dass selbst Staaten, wie der Sudan und Jemen, in der Frage der Besetzung von Richterämtern durch Frauen fortschrittlicher seien als Ägypten, wo das Richteramt den Frauen noch immer verwehrt ist. Weiterhin müsse die Gesellschaft stärker über die Rechte und die bestehenden Gesetze (z.B. das Verbot der Beschneidung von Mädchen) aufgeklärt werden und Verstöße gegen Gesetze sollten vom Staat schärfer geahndet werden. Auch bei der Umsetzung von Urteilen (z.B. im Bereich von Scheidungen und Unterhalt) ist der Staat stärker gefragt. Eingewandt wurde vom Sitzungsleiter, dass auch im Westen der Prozess der Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung der Frau einen langen Zeitraum in Anspruch genommen habe und Ägypten hier erst am Anfang der Entwicklung stehe, die Frauen sich also gedulden sollten.
Ghada Abdel Tawab stellte dann das Programm der CIDA (Canadian International Development Agency) im Bereich von Frauenförderung in Ägypten vor, die auf der Grundlage des Konzeptes: „Women in Development (WID)“ und Gender Equality erfolgt. Neuerdings sollen die Projekte übergreifend beide Punkte umfassen.
Negad El-Borai kritisierte die ausländische Entwicklungshilfe, da sie zum größten Teil nur den ägyptischen Staat bei der Durchführung von regierungsnahen Großprojekten unterstützt. Für die Stärkung der Zivilgesellschaft, Förderung des Bildungswesens und der Demokratisierung der Gesellschaft gebe es kaum Gelder. Weiterhin kritisierte er, dass die meisten ausländischen Geberorganisationen nur noch mit den unter dem neuen NGO-Gesetz registrierten Organisationen arbeiten würden, wodurch das Sozialministerium Kontrolle ausüben kann.
In der anschließenden hitzigen Diskussion kam es seitens mehrerer Diskutanten zu scharfen, und ausfallenden Redebeiträgen Die Konferenz war besonders am ersten Tag sehr gut besucht und die Teilnehmer zeigten großes Interesse an den Vorträgen und diskutierten eifrig. Schwachstellen zeigte die Planung der Konferenz, die zu viele Redebeiträge enthielt und die einzelnen Tage damit zu lang machten, weswegen auch die Konzentration der Teilnehmer nachließ. Kritisch ist zu vermerken, dass sich der Berater der Konferenz zu sehr in den Vordergrund gedrängt hat, was besonders in der letzten Sitzung sehr bedauerlich war, da er sich hier nicht an das Thema seines eigenen Vortrages hielt und so erst eine unsachliche und polemische Diskussion über die Rolle ausländischer Geberorganisationen, insbesondere der amerikanischen Organisationen, die im Zusammenhang mit der gegenwärtigen politischen Situation in der Region zu sehen sind, ermöglichte. Als besonders positiv wurde dagegen die Möglichkeit zum Gedankenaustausch zwischen den Teilnehmern zahlreicher unterschiedlicher NROs bewertet.

Maha Khairallah (Leiterin von DPWC)
Mushira Khattab (Vertreterin des Council for Motherhood and children)
Dr. Michael Lange(Landesbeauftragter KAS, Kairo)
Negad El-Borai (Berater der Konferenz)

Session 1
International Agreements to strengthen the position of women and children
Tahani El-Gebali (Arab Lawyers Union): Analysis of the actions by the Government to implement the “CEDAW”
Essam Ali (UNICEF): The development of the children’s position in Egypt

Session 2
General Policies in Health and Education
Dr. Rema El-Khafsh (Center of New Women Studies): Women’s Health between the Past and the Future
Seham Negm (Arab Net to Eradicate Illiteracy): Women’s Education and the Achievements in the 20th Century

Session 3
The political and social culture and its role in changing the view of society towards women
Dr. Howeida Mustafa (Cairo University): Women’s image in TV and broadcast programs
Dr. Elham Abdel Hamed (Center for Educational Research): How do the fundamental education methods look at women and girls?

Session 4
The participation of Women in Building the Future
Amal Mahmoud (Association of Women Organisationa) Marginating the political roe for women and excluding her from the political development process
Nihad Abu El-Komsan (Egyptian Center for Women’s Rights): The role of civil society organizations in supporting the political participation for women

Session 5
Do women support women’s demands in parliament and Shura Council?
Dr. Ali Elsawi (Cairo University): A look on the effective performance of women in parliament

Session 6
A look on the legal and constitutional positions which effect the situation of women in Egypt
Azza Soliman (Egyptian Center for Women and Legal Rights): The gap between the legislative and constitutional rights for women and their implementation

Session 7
The foreign funding of projects in the field of empowerment of women
Ghada Abdel Tawab (CIDA): Financial support of women’s projects by CIDA
Negad El-Borai: Can we dispense with foreign funding of projects?


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