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Veranstaltungsbeiträge

"In unserer Gesellschaft gibt es viel Unwissen über Palliativmedizin"

Experten diskutierten über unterschiedliche Aspekte der Sterbehilfe


Berlin, 28. Aug. 2014

 
 

Im Herbst steht eine erste Anhörung im Bundestag an, wo über verschiedene Anträge einer gesetzlichen Regelung gegen gewerbs- und geschäftsmäßige Sterbehilfe debattiert wird. 2015 soll dann ein Gesetz verabschiedet werden. Mit dem Sterbewunsch würden auch viele Ärzte in ihrem Berufsalltag konfrontiert, erläuterte Dr. Jürn von Stüzner-Karbe, Facharzt für Innere Medizin in Briesen. „Es bleibt unsere Aufgabe den Suizid zu verhindern und Auswege aufzuzeigen“, sagte der Facharzt bei der Podiumsdiskussion „Sterbe(bei)hilfe – Tod auf Bestellung?“.

 
  • Prof. Dr. Notger Slenczka, Lehrstuhl für Systematische Theologie, Humboldt-Universität zu Berlin

    Prof. Dr. Notger Slenczka, Lehrstuhl für Systematische Theologie, Humboldt-Universität zu Berlin (l.) erläuterte den philosophischen Ansatz, dass ein jeder Mensch ein Recht auf Verfügung über das eigene Leben habe, dieses aber an moralische Gegebenheiten geknüpft sei.

  • Dr. Norbert Arnold, Leiter des Teams Gesellschaftspolitik der Konrad-Adenauer-Stiftung

    Dr. Norbert Arnold, Leiter des Teams Gesellschaftspolitik der Konrad-Adenauer-Stiftung, begrüßte die Gäste zusammen mit...

  • Hans-Georg von der Marwitz MdB

    Hans-Georg von der Marwitz, MdB und Vorsitzender des Evangelischen Arbeitskreis der CDU Berlin-Brandenburg (EAK). Er betonte, dass es eine klare rechtliche Regelung gegen die geschäftsmäßige Suizidbeihilfe geben müsse.

  • Dr. Jürn von Stüzner-Karbe, Facharzt für Innere Medizin, Briesen

    Dr. Jürn von Stüzner-Karbe, Facharzt für Innere Medizin, Briesen: "Seit 2007 wird die Palliativmedizin von den Krankenkassen getragen, doch es gibt noch große Wissenslücken bei Ärzten. Es sind nicht genug Ärzte auf diesem Gebiet ausgebildet, daher muss es mehr Weiterbildungsmöglichkeiten geben."

  • (v.l.): Dr. Jürn von Stüzner-Karbe, Angelika Behm, Dr. Matthias Kamann, Prof. Dr. Notger Slenczka und Prof. Dr. Gerhard Seher.

    (v.l.): Dr. Jürn von Stüzner-Karbe, Angelika Behm, Dr. Matthias Kamann, Prof. Dr. Notger Slenczka und Prof. Dr. Gerhard Seher.

  • Prof. Dr. Gerhard Seher, Lehrstuhl für Strafrecht und Strafverfahrensrecht, Freie Universität Berlin

    Prof. Dr. Gerhard Seher, Lehrstuhl für Strafrecht und Strafverfahrensrecht, Freie Universität Berlin, erläuterte die Auslegungsmöglichkeiten des Strafrechts bei Suizid und Suizidassistenz.

  • Angelika Behm, Geschäftsführerin des Diakonie-Hospizes Wannsee

    Angelika Behm, Geschäftsführerin des Diakonie-Hospizes Wannsee, berichtete aus ihrem Alltag. Sie sagt: "Menschen können nur dann eine fundierte Entscheidung treffen, wenn sie umfassend informiert sind."

  • Die Podiumsdiskussion moderierte Dr. Matthias Kamann, Redakteur bei WELT

    Die Podiumsdiskussion moderierte Dr. Matthias Kamann, Redakteur bei WELT.

  • (v.l.): Dr. Jürn von Stünzner-Karbe, Prof. Dr. Notger Slenczka, Dr. Matthias Kamann, Prof. Dr. Gerhard Seher, Angelika Behm, Hans-Georg von der Marwitz MdB, Dr. Ulirch Pohlmann und Dr. Norbert Arnold.

    (v.l.): Dr. Jürn von Stünzner-Karbe, Prof. Dr. Notger Slenczka, Dr. Matthias Kamann, Prof. Dr. Gerhard Seher, Angelika Behm, Hans-Georg von der Marwitz MdB, Dr. Ulirch Pohlmann und Dr. Norbert Arnold.

  • Viele Gäste kamen zur Veranstaltung "Sterbe(bei)hilfe - Tod auf Bestellung?"

    Viele Gäste kamen zur Veranstaltung "Sterbe(bei)hilfe - Tod auf Bestellung?"

  • Veranstaltung "Sterbe(bei)hilfe - Tod auf Bestellung?"

  • Rückfrage aus dem Publikum

    Im Anschluss der Podiumsdiskussion gab es Rückfragen aus dem Publikum an die Referenten.

Bei der Kooperationsveranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung und dem Evangelischen Arbeitskreis der CDU Berlin-Brandenburg (EAK) diskutierten Experten aus den Bereichen Medizin, Rechtswissenschaften, Theologie und Diakonie über unterschiedliche Aspekte der Sterbehilfe.

Der praktizierende Mediziner sprach sich gegen eine ärztliche Suizidbeihilfe aus, denn sie wiederspreche dem Berufsethos. Vielmehr müsse die Palliativmedizin in den Vordergrund gerückt werden, so von Stünzner-Karbe. „Nicht der Tod macht Angst, sondern der Weg dahin“, erläuterte er. Diese Erfahrung hat auch Angelika Behm, Geschäftsführerin des Diakonie-Hospizes Wannsee gemacht. Der Wunsch nach einer tödlichen Spritze sei bei vielen Schwerstkranken immer ein Thema, aber mit einem spirituellen, psychosozialen und palliativen Angebot schwinde auch der Tötungswunsch, berichtete die Hospizmitarbeiterin. Sie macht die Entwicklungen von Sterbehilfeorganisationen wie Dignitas oder Exit an mangelndem Wissen über Alternativen fest. „In unserer Gesellschaft gibt es viel Unwissen über Palliativmedizin“, sagte Behm. Sie forderte mehr Aufklärungsarbeit und Investitionen in die Hospizarbeit, in Krankenhäuser und Geriatrie Stationen, um mehr Patienten ein menschenwürdiges Sterben zu ermöglichen.

„Gesetze können auch Aufklärung schaffen, wenn man Wege eröffnet, die in die Palliativmedizin führen und nicht in den Suizid“, sagte Prof. Dr. Gerhard Seher vom Lehrstuhl für Strafrecht und Strafverfahrensrecht der Freien Universität Berlin. Seher erläuterte, dass es aus strafrechtlicher Sicht schwierig sei, gesetzliche Regelungen für eine organisierte Suizidbeihilfe festzulegen, da es in dem ethisch-moralischen Bereich große gesetzgeberische Freiheiten gebe. Denn der Suizid sei laut Gesetz keine Straftat, so der Strafrechtsprofessor. Demnach müsse geklärt werden, ob die helfende Person bei einem Selbstmord daher überhaupt bestraft werden könne. Seher äußerte zudem den Verdacht, dass mit der geplanten gesetzlichen Neuregelung moralische Vorstellungen gesetzlich festgehalten würden.

Der Professor für systematische Theologie an der Humboldt-Universität zu Berlin, Notger Slenczka, wiedersprach dieser These und betonte, dass mit dem Gesetzentwurf keineswegs eine moralische oder religiöse Willensvorgabe in ein Gesetz gegossen werde. Vielmehr bezeichnete er die gesetzliche Regelung als Schutzmechanismus vor einer Fehlentscheidung und als einen wichtigen Schritt. Denn die erwerbsmäßige und geschäftsmäßige Suizidbeihilfe solle nicht zu einer Beliebigkeit führen, so der Theologe. Er forderte zudem ein größeres Engagement der Kirchen in Deutschland. „Es braucht vielleicht auch neue kirchliche Angebote, wie der Prozess des Sterbens als selbstbestimmter, aber nicht selbst in die Hand genommener Prozess wahrgenommen werden kann“, so Slenczka.

In Kürze wird eine Publikation der Konrad-Adenauer-Stiftung zum Thema Sterbehilfe veröffentlicht.

 

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