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Ungewisse Zukunft für Griechenland

Susanna Vogt im Interview mit dem RBB-Inforadio

30. Dez. 2015


Vor Beginn der Flüchtlingskrise beherrschte in diesem Jahr ein Thema die Schlagzeilen: die Schuldenkrise Griechenlands. Im Juli stimmten in einem Referendum mehr als 60 Prozent der griechischen Wähler gegen das mit strengen Auflagen verbundene Sparprogramm aus Brüssel. Der Grexit, der Ausstieg Griechenlands aus der Euro-Zone lag in der Luft und konnte erst in letzter Sekunde bei einem EU-Gipfel abgewendet werden. Griechenland ist aus den Schlagzeilen verschwunden, doch sind auch die finanziellen Probleme verschwunden? Wo steht das immer noch hochverschuldete Griechenland jetzt?

Im Interview mit dem RBB Inforadio wagt Susanna Vogt, Leiterin des Auslandsbüros der Konrad-Adenauer-Stiftung in Griechenland, einen gemischten Ausblick auf das Jahr 2016. Die Herausforderungen der letzten Jahre habe Griechenland noch immer nicht bewältigen können. Auch wenn es insgesamt etwas ruhiger um das Land geworden ist, liegen in vielen Bereichen „noch sehr schwierige Reformen vor Griechenland“.

Der einstige Hoffnungsträger Alexis Tsipras, der das griechische Volk vom strengen Spardiktat befreien wollte, geht nach Einschätzung von Susanna Vogt aus politischer Sicht gestärkt aus dem Jahr 2015 hervor. Durch zwei gewonnene Parlamentswahlen und ein erfolgreiches Referendum habe er sich eine starke Legitimation erarbeitet. Dennoch erweist sich die griechische Regierung, eine Koalition von Tsipras Partei SYRIZA und den Unabhängigen Griechen (ANEL) als höchst instabil. „Die Bevölkerung merkt, dass sie mit der Regierung immer weniger zufrieden ist.“, so Vogt. Darunter leiden auch die Umfragewerte von Alexis Tsipras, die in den letzten Monaten gesunken sind.

Den größten Reformbedarf sieht Susanna Vogt auf dem Gebiet der Renten und Pensionen. Strukturreformen auf diesem Gebiet sind seit Jahren Thema bei den Verhandlungen mit den Geldgebern. Veränderungen auf diesem Gebiet gingen aufgrund des maroden Rentensystems jedoch nur „schwierig und zäh“ voran. Bisher konnten nur Kürzungen der Rentenzahlungen durchgesetzt werden. Eine strukturelle Reform des Rentensystems steht dagegen noch aus.

Trotz des immensen Schuldenbergs sieht Susanna Vogt in Griechenland großes Potenzial in vielen Bereichen. Es müssen neue Strategien entwickelt und Schwerpunkte in den Bereichen Bildung, Innovation, Startups gesetzt werden, um das Land wirtschaftlich wieder voran zu bringen. Die Schulden des Landes seien dabei nur ein Teil Problems: „Ein Schuldenschnitt verhilft der griechischen Wirtschaft nicht zu mehr Wachstum“, so Vogt. Für Alexis Tsipras wächst im Jahr 2016 der Druck, sich an die Vereinbarungen mit den Kreditgebern zu halten. Für Susanna Vogt ist jedoch sicher:„Nach wie vor sind alle gewillt, einen Grexit zu verhindern“.

Das vollständige Interview können Sie sich hier anhören.


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