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Stimmungsbarometer zu den Deutsch-Polnischen Beziehungen

Von Gabriele Schöler14. Juni 2016


In den 25 Jahren seit Unterzeichnung des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrages hat sich das Verhältnis beider Länder gut entwickelt. Doch es gibt Störfaktoren: In EU-Fragen sind sich Deutsche und Polen uneins, vor allem in Deutschland schwindet das Vertrauen in den Nachbarn. Dies ergibt unsere aktuelle Umfrage, die in Zusammenarbeit mit der Bertelsmann-Stiftung und dem Warschauer Institut für Öffentliche Angelegenheiten entstanden ist.

Am 17. Juni 1991 wurde der deutsch-polnische Vertrag über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit unterschrieben. Seitdem blicken Deutsche und Polen auf eine insgesamt positive Entwicklung der nachbarschaftlichen Beziehungen zurück. Dennoch verbreiten sich Störfaktoren: In EU-Fragen sind Berlin und Warschau zunehmend uneins und das Image Polens hat bei den Deutschen nach dem polnischen Regierungswechsel 2015 stark gelitten.

Zumindest in einem Punkt sind sich Deutsche und Polen einig: Beide Länder sollten in den bilateralen Beziehungen eher auf Kooperation und das Erreichen von Kompromissen setzen, als auf das Verteidigen eigener Interessen (Deutsche: 53 Prozent; Polen: 58 Prozent). Doch gerade aus deutscher Sicht schwindet das Vertrauen in den Nachbarn: Die Mehrheit der Deutschen (56 Prozent) hält Polen unter der gegenwärtigen Regierung nicht für einen zuverlässigen Partner innerhalb der EU.

Nur Minderheit der Deutschen hält Verhältnis noch für gut

Das geht aus einer repräsentativen Umfrage hervor, für die im Auftrag der Bertelsmann Stiftung, der Konrad-Adenauer-Stiftung und des Warschauer Instituts für Öffentliche Angelegenheiten insgesamt über 2.000 Menschen in Polen und Deutschland befragt wurden. Die Studie wird heute im Vorfeld des 25-jährigen Jubiläums des Nachbarschaftsvertrages in Warschau veröffentlicht.

Während noch 2013 über zwei Drittel der Deutschen (70 Prozent) die deutsch-polnischen Beziehungen für gut oder sehr gut hielten, gilt dies heute nur noch für weniger als die Hälfte der Deutschen (43 Prozent). 45 Prozent der Deutschen halten die Beziehungen zum östlichen EU-Nachbarn sogar für schlecht oder sehr schlecht. Damit bescheinigen die Deutschen dem Verhältnis beider Länder die schlechtesten Noten seit Start der Umfrageserie im Jahr 2000. Damals schätzte immerhin noch mehr als jeder zweite Deutsche die Beziehung als mindestens gut ein (57 Prozent).

Auf polnischer Seite ist die Entwicklung nicht ganz so drastisch, zeigt aber die gleiche Tendenz: Über zwei Drittel der Polen bewerten die Beziehungen als gut oder sehr gut (67 Prozent). Im Jahr 2000 waren es aber noch deutlich mehr als drei Viertel der polnischen Bevölkerung (83 Prozent). Immerhin: Deutschland ist immer noch das Land, mit dem Polen nach Meinung seiner Bevölkerung am stärksten zusammen arbeiten sollte (45 Prozent).

Beziehungsstatus: es ist kompliziert

Als Hauptprobleme für die gegenseitigen Beziehungen benennen die Befragten aus beiden Ländern Themen der internationalen Politik. Dazu gehören der Umgang mit Russland, die Einstellung zur Nord-Stream-II-Pipeline, die permanente Stationierung von Nato-Soldaten in Polen oder auch die Verfolgung internationaler Klimaziele. Mit Abstand das größte Problem für die gegenseitigen Beziehungen sind aus Sicht der Deutschen die unterschiedlichen Einstellungen zum Umgang mit der Flüchtlingskrise (82 Prozent). Ebenso problematisch ist die wachsende anti-europäische Haltung der konservativen polnischen Regierung. 79 Prozent der Deutschen sehen dies als eine Belastung für die bilateralen Beziehungen.

Die polnische Sorgenliste setzt andere Prioritäten: Der Umgang mit Russland (65 Prozent) steht für die Polen an erster Stelle der nachbarschaftlichen Störfaktoren, gefolgt von der Flüchtlingsfrage (63 Prozent) und den Differenzen über die Nord-Stream-II-Pipeline (63 Prozent). Die wachsende anti-europäische Haltung der konservativen Regierungspartei PiS ist immerhin für gut die Hälfte der Polen (56 Prozent) eine Belastung für die deutsch-polnischen Beziehungen.

Bemerkenswert: 44 Prozent der Polen halten ihr Land unter der gegenwärtigen Regierung und trotz zunehmender Meinungsverschiedenheiten bei Themen wie Flüchtlingsaufnahme, Europas Zukunft sowie europäische Werte weiterhin für einen zuverlässigen Partner innerhalb der EU. Knapp ein Drittel (32 Prozent) hingegen sieht das Land nicht als verlässlichen Partner, während ein Viertel der Befragten (24 Prozent) diese Frage nicht beantworten konnte oder wollte.

Hintergrundinfo

Die repräsentative Umfrage wurde vom 1. bis 9. April 2016 in Deutschland vom Institut TNS EMNID und vom 8. bis 13. April 2016 in Polen von GfK Polska unter jeweils 1.000 Personen über 14 Jahren in Form von Face-to-face-Interviews durchgeführt. Auftraggeber waren die deutsche Bertelsmann Stiftung sowie das Warschauer Institut für Öffentliche Angelegenheiten und die Konrad-Adenauer-Stiftung Warschau. Die Umfrageergebnisse werden von den drei Institutionen gemeinsam am 14. Juni in Warschau und am 15. Juni in Berlin bei der Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung vorgestellt.

Mit freundlicher Genehmigung der Bertelsmann-Stiftung


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