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Veranstaltungsberichte

Widerstand kommt immer zu spät

Klaus von Dohnanyi wünscht sich mehr Zivilcourage

22. Juni 2016


Klaus von Dohnanyi, Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg a.D., wünscht sich mehr Zivilcourage in Deutschland und Europa. Diese sei vor allem angesichts des Streits um die richtige Flüchtlingspolitik und wachsender sozialer Ungleichheit dringend notwendig.

Wegen der vielzitierten „German Angst“ würden diese Probleme nicht ausdiskutiert. Dabei brauche es mehr denn je eine freie, mutige und offene Debatte über kompromissfähige Lösungen. „Wir dürfen uns nicht davor fürchten, auch mal missverstanden zu werden. Am Ende werden wir feststellen, dass die Demokratie von der Freiheit des Wortes lebt“, so Dohnanyi.

„Lebenserhaltender Stoffwechsel einer Demokratie“

Die furchtlose aber zivilisierte politische Debatte über die unterschiedlichen Wege der weiteren Entwicklung sei der „lebenserhaltende Stoffwechsel einer Demokratie“, so Dohnanyi weiter. Anders als früher müsse man dabei heute keine körperlichen Gefahren fürchten. Um diese Debatte aufrecht zu erhalten brauche es, wenn es sich um eine wirklich wichtige Sache handele, aber den Mut, etwas an der Karriere oder am Einkommen zu riskieren. „Wir müssen lernen, zur eigenen Meinung zu stehen. Wir müssen für die eigene Überzeugung einstehen, wo auch immer: im Betrieb, in der Partei in der Kirche.“

Gefährliche Parallelitäten

Der Sohn des Widerstandskämpfers Hans von Dohnanyi sorgt sich angesichts historischer Parallelitäten vor einer Zuspitzung der Situation. Der Aufstieg der Nationalsozialisten sei durch eine ähnliche Existenzängste hervorbringende wirtschaftliche Schieflage gefördert worden wie heute. Viele fürchteten sich um ihren Wohlstand und vor einem Abstieg. Das erinnere ihn sehr an die Sozialanalyse der Wähler von Trump, der AfD oder der vielen anderen, wie etwa den Wahren Finnen oder der Fünf-Sterne-Bewegung in Italien.

Breiter deutscher Widerstand

Für den gleich 88-jährigen ist es daher auch zu wenig – ja fast fahrlässig - einzig der prominenten Namen des deutschen Widerstandes zu erinnern. „Es ist zu einfach, sich heute an den mutigen Taten der Stauffenbergs und seiner Kameraden zu wärmen, als sei das Vermächtnis für uns heute darin, das alleine in Erinnerung zu behalten. Wir müssen erinnern, wie es dazu gekommen ist“, so Dohnanyi.

“Viele sehr anständige Menschen“

Dohnanyi, der in der Reihe „Forum 20. Juli 1944“ sprach, erinnerte auch daran, dass es vielfältige Formen des Widerstandes gegeben habe. Das werde leider nicht richtig anerkannt, an Nicht-Prominente zu wenig erinnert. Dabei gehörten auch diejenigen mit in die Betrachtung, die nachher nicht in das Licht der Öffentlichkeit gelangt seien. Es habe auch „viele sehr anständige Menschen“ gegeben, die nicht in den Widerstand gegangen seien, etwa Konrad Adenauer.

Grundsätzlich komme Widerstand immer zu spät, so Dohnanyi. Entscheidend sei, dass Zivilcourage und Ordnung vorher gewahrt werden. „Wenn Widerstand nötig ist, zeigt das, dass jemand an der Spitze ist, der bereit ist, auf jede Regung mit Gewalt zu antworten.“

Über diese Reihe

Die Konrad-Adenauer-Stiftung, ihre Bildungsforen und Auslandsbüros bieten jährlich mehrere tausend Veranstaltungen zu wechselnden Themen an. Über ausgewählte Konferenzen, Events, Symposien etc. berichten wir aktuell und exklusiv für Sie unter www.kas.de. Hier finden Sie neben einer inhaltlichen Zusammenfassung auch Zusatzmaterialien wie Bilder, Redemanuskripte, Videos oder Audiomitschnitte.

Herausgeber
Konrad-Adenauer-Stiftung e.V.


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