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"Verantwortungsbewusstsein auch über die Unternehmensgrenzen hinaus"

Brigitte Vöster-Alber im Interview über die Soziale Marktwirtschaft und das Nachhaltigkeitsprinzip ihres Unternehmens

11. Oktober 2016

"Mit unserem gesellschaftlichen Engagement möchten wir dazu beitragen, soziale Entwicklungen zu fördern und das kulturelle Leben zu bereichern", sagt Brigitte Vöster-Alber, Geschäftsführende Gesellschafterin der GEZE GmbH und diesjährige Trägerin des Preises Soziale Marktwirtschaft. Im kas.de-Interview erläutert sie, warum Unternehmen ihren Fokus auf langfristigen Erfolg richten sollten - und nicht auf kurzfristige Gewinnmaximierung.

Frau Vöster-Alber, was verbinden Sie mit der Sozialen Marktwirtschaft?

Ohne die Einführung der Sozialen Marktwirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg wäre die schnelle Regeneration der deutschen Wirtschaft – das sogenannte „Wirtschaftswunder“ – sicherlich nicht möglich gewesen. In meinen Augen profitieren wir bis heute von der Tatsache, dass die Soziale Marktwirtschaft die Vorteile einer freien Marktwirtschaft mit der sozialen Absicherung der Bürger verbindet. Zumal soziales Engagement, vor allem für Kinder, bei GEZE schon seit jeher eine sehr wichtige Rolle spielt. Wir unterstützen zahlreiche Projekte, die uns echte Herzensangelegenheiten sind. In wirtschaftlicher Hinsicht ist es wichtig, dass der Staat – wenn es notwendig für das allgemeine Interesse ist – mit korrigierenden sozialpolitischen oder arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen eingreifen kann. Natürlich stets mit der gebotenen Weitsicht.

Mit welchen Prinzipien führen Sie Ihr Familienunternehmen?

Weitsicht ist auch ein wichtiges Stichwort für meine Unternehmensführung. Bei GEZE steht das Wachstum aus eigener Kraft und damit einhergehend langfristiges Denken und Handeln im Fokus. Dieses Nachhaltigkeitsprinzip sichert schon seit 153 Jahren die Kontinuität des Unternehmens. Wir erhalten Arbeitsplätze und schaffen ständig neue – in Deutschland und international. Das Primat langfristiger Erträge anstelle kurzfristiger Gewinnmaximierung macht uns unabhängig von Dritten. GEZE ist und bleibt ausschließlich im Familienbesitz. Und als Familienunternehmen pflegen wir schon immer eine große Nähe und offene Kommunikation mit unseren Kunden, Partnern und unseren Mitarbeitern. Unser Verantwortungsbewusstsein reicht auch über die Unternehmensgrenzen hinaus: Mit unserem gesellschaftlichen Engagement möchten wir dazu beitragen, soziale Entwicklungen zu fördern und das kulturelle Leben zu bereichern.

Wie fördern Sie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der GEZE GmbH?

Bei GEZE gehört Familienfreundlichkeit schon seit Generationen zu einer offenen Unternehmenskultur. Wir fördern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie mit attraktiven Angeboten wie Teilzeit- und Home-Arbeitsplätzen. Auch unterstützen wir bei der Suche nach geeigneten Betreuungsangeboten für Kinder und pflegebedürftige Angehörige. In Kooperation mit dem Familienservice Stuttgart bieten wir unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein umfangreiches Dienstleistungsangebot zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie an.

Frauen sind in Deutschlands großen Unternehmen nach wie vor unterrepräsentiert. Wie bewerten Sie das Unternehmerinnenbild in Deutschland – und wie sieht erfolgreiche Frauenförderung aus?

Unternehmerinnen galten ja lange Zeit als Ausnahmeerscheinungen. Als ich 1968 mit nur 24 Jahren die Firma übernahm, musste ich mich auch erst einmal in einer Männerdomäne zurechtfinden und behaupten. Dabei hat es Frauen in Führungspositionen schon immer gegeben – man denke nur an Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts wie Melitta Bentz oder Margarete Steiff. Unternehmerinnen waren und sind bis heute nur eben weniger sichtbar, auch wenn sich die öffentliche Wahrnehmung mittlerweile gewandelt hat. Frauen in Führungspositionen sind heute sicherlich selbstverständlicher. Trotzdem spielen traditionelle Bilder und Klischees immer noch eine Rolle – zum Beispiel die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Wir unterstützen unsere Mitarbeiterinnen hier mit vielfältigen Angeboten wie oben beschrieben und gehen mit gutem Beispiel voran: Mit 29 Prozent ist bei GEZE der derzeitige Anteil an Frauen in Führungspositionen außergewöhnlich groß und hat sich in den vergangenen Jahren um rund die Hälfte erhöht. Auch beim unternehmensinternen Nachwuchs gibt es viele Frauen. Der Anteil der weiblichen Auszubildenden und Studierenden der Dualen Hochschule liegt bei 23 Prozent.

Ihr Unternehmen wurde bereits mehrfach für beispielhaftes Personalmanagement ausgezeichnet. Was machen Sie besser als die Konkurrenz?

Als Familienunternehmen legen wir großen Wert auf flache Hierarchien und den direkten Dialog mit unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Unsere Beschäftigten sind unser Kapital. Deshalb fördern wir gezielt nach den individuellen Stärken. Auch die gezielte Heranbildung von Fach- und Führungskräften aus den eigenen Reihen ist bei GEZE von großer Bedeutung. Viele von ihnen haben ihre Laufbahn als Auszubildende, DH-Studierende oder Trainees bei uns begonnen. Attraktive Entwicklungsperspektiven bieten wir auch Young Professionals und Berufserfahrenen – am Stammsitz in Leonberg oder in den weltweiten Tochtergesellschaften. Bei uns profitieren die Mitarbeiter von der Innovationskraft eines international orientierten Unternehmens in Kombination mit den Vorteilen eines mittelständischen Familienunternehmens. Dazu gehören auch eine überdurchschnittliche leistungsbezogene Vergütung und betriebliche Altersvorsorge, Arbeitsplatzsicherheit sowie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Auch Ihr Weitblick wird mit dem Preis Soziale Marktwirtschaft geehrt: Was meinen Sie, was begründet den Wohlstand von morgen?

Es heißt ja nicht zu Unrecht, Familienunternehmen seien das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Sie stellen einen Großteil der Arbeitsplätze und tragen durch ihre starke Innovationskraft zur Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Volkswirtschaft bei. Zugleich ist der oben beschriebene Weitblick meiner Meinung nach ein wichtiger Indikator für den Wohlstand von morgen. Wer den Fokus auf langfristige Erfolge und nicht kurzfristige Gewinnmaximierung richtet, kann aus eigener Kraft wachsen und agieren und auch morgen noch sichere Arbeitsplätze bieten. Nicht zuletzt aufgrund dieser Maxime konnte GEZE beispielsweise unbeschadet und ohne den Abbau von Arbeitsplätzen durch die Wirtschaftskrise 2008 gehen. Mehr noch: 2009 waren wir sogar in der Lage, aus eigener Kraft fast 30 Millionen Euro in Expansionsaktivitäten zu investieren. Aufgrund unserer großen Kundennähe wissen wir um die Bedürfnisse des Marktes und investieren weiterhin gezielt und eben mit Weitsicht. So bauen wir derzeit am Stammsitz Leonberg ein neues Entwicklungszentrum, im Sommer 2015 haben wir eine neue Produktionshalle in Betrieb genommen. Immer mit dem Ziel, unseren Kunden und Partner bestmögliche Qualität „made in Germany“ zu bieten.

Die Preisverleihung mit Festakt findet am 13. Oktober 2016 in der Frankfurter Paulskirche statt.
Brigitte Vöster-Alber, geschäftsführende Gesellschafterin der GEZE GmbH

Brigitte Vöster-Alber, geschäftsführende Gesellschafterin der GEZE GmbH und Trägerin des Preises Soziale Marktwirtschaft 2016

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Leiter des Teams Wirtschaftspolitik
Matthias Schäfer
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Matthias.Schaefer(akas.de