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Der Karriereorientierte – Aufstieg als Karriere und Erfolg (Maschinenbauer)

Reportage zur Publikation "Gesundheit und Familie vor Arbeit und Einkommen - Studie zum sozialen Aufstieg in Deutschland"

Mustergültig für die Typologie der Karriereorientierten steht ein 36-jähriger Maschinenbauingenieur aus Hamburg aus einem eher wohlhabenden Elternhaus. In der Schule fiel er vor allem durch schlechte Noten und fehlende Begeisterung auf. Bereits zu Schulzeiten wollte er Mechaniker werden. Die Ausbildung absolvierte er – im Wissen, nicht wie in der Schule „pauken“ zu müssen, sondern spezifisches technisches Handwerk erlernen zu können – mit sehr guten Noten und der zentralen Erkenntnis, mehr aus sich machen zu wollen. Er holte sein Fachabitur nach, studierte zuerst Fahrzeugtechnik an einer Fachhochschule, dann Maschinenbau an einer Universität und promovierte sogar. Sein anschließender Berufsweg führte ihn zunächst zu Siemens und – mit Zwischenstationen – zu seiner jetzigen Tätigkeit in leitender Funktion in einem Metallverarbeitungsbetrieb.

Im Vergleich zu seinen Eltern sieht er sich auf gleicher Stufe, da sein Vater Universitätsprofessor war. Ein Berufsaufstieg ist für ihn faktisch nicht möglich. Aufstieg versteht er vor allem als Entwicklung im eigenen Lebensverlauf und der erreichten Position in einem Unternehmen. Nach dieser Definition nimmt er sich als Aufsteiger wahr.

Eine zentrale Triebfeder seines Fortkommens war die Leidenschaft für das technische Handwerk. Die Entdeckung dieser Leidenschaft war sein „Erweckungserlebnis“, in dessen Folge er sich das Ziel gesetzt hatte, mehr aus sich zu machen: „[I]ch habe sehr schnell während dieser Lehre zum Maschinenschlosser oder Industriemechaniker gemerkt, wow, ich habe meinen Bereich gefunden und ich kann ja viel mehr als das, was hier von mir verlangt wird. Ich wusste nach drei Monaten Berufsausbildung schon, ich werde danach ganz sicher eine Weiterbildung machen, Techniker, Meister, vielleicht Studium.“

Seinen beruflichen Werdegang erlebt er als „roten Faden“, was durchaus als Karriere zu verstehen ist. Dennoch betreibt er derzeit keine weitere Planung: „Kein festes Karriereziel über das hinaus, was ich heute habe.“ Denn trotz seines karriereorientierten Lebensweges will er weiteren Aufstieg nicht um jeden Preis. Wichtig ist ihm, dass ihm seine Tätigkeit auch gefällt: „Würde man mir heute den Job meines Chefs anbieten, was die eines Bereichsleiters wäre mit mehr Führungsverantwortung, Führungsspanne usw., dann würde ich es mir durch den Kopf gehen lassen, ich würde sie aber nicht nehmen wegen der Prestigebedeutung dieser Stelle. Sondern ich würde mir wirklich überlegen, was mache ich dann den ganzen Tag und ist es das, worin ich gut bin und was mir Befriedigung verschafft.“

Der starke Fokus auf beruflichen Erfolg führt bei ihm allerdings auch zu einer Vernachlässigung des Privaten: So beklagt er sich zum einen über fehlende Freizeit für Hobbys und soziale Kontakte. Da er viele Hobbys hat, würde gerne mehr Zeit dafür haben: „Mit dem beruflichen Aspekt meines Lebens bin ich sehr zufrieden. Aber tatsächlich merke ich von Jahr zu Jahr mehr und mehr, dass mir etwas fehlt. Wahrscheinlich auch geschuldet dem, dass ich […] das berufliche Vorwärtskommen sehr stark in den Vordergrund gestellt habe.“ Weniger zu arbeiten, ist für ihn derzeit aber keine Option. Zum anderen möchte seine Partnerin – nach 14 Jahren – eine Familie gründen. Diesem Schritt steht er allerdings eher skeptisch gegenüber. Denn in seinen Gedankenspielen bedeutet eine Familiengründung derzeit erst einmal nur zusätzlichen Stress.