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„Es ist unsere Pflicht, dass sich eine Diktatur wie unter Marcos niemals wiederholen kann“

Iris Gonzales über das Bloggen auf den Philippinen

Iris Gonzales
Iris Gonzales
Iris Cecilia Gonzales ist Alumni des Konrad Adenauer Center for Journalism an der Ateneo Universität. Sie arbeitet in Manila für eine der führenden Tageszeitungen des Landes, den „Philippine Star“. In ihrem nach sich selber benannten Blog, den sie seit 2006 betreibt, schreibt sie über Entwicklungen in den Bereichen Bildung, Familienpolitik und Bürgergesellschaft. Besonders am Herzen liegen ihr aber die Menschenrechte und wirtschaftspolitische Themen. Gonzales war nominiert für den Jaime V. Ongpin Preis für Journalismus, mit dem u.a. die Pressefreiheit in den Philippinen gestärkt werden soll.

Warum bloggst Du?
Bereits vor sechs Jahren fing ich an zu bloggen. Grund damals wie heute ist, dass ich außerhalb meines Arbeitsfeldes so viele Geschichten entdecke, die ich erzählen möchte, weil sie mich entweder zu Tränen rühren, mich zum Lachen bringen oder mein Herz schneller schlagen lassen.

In Deinem Blog schreibst Du, Du würdest „in einem Paralleluniversum“ leben. Was meinst Du damit?
Als Journalistin zu arbeiten empfinde ich als Ehre. Nicht jeder hat die Chance, sich als Chronist der Zeitgeschichte zu betätigen, große Augenblicke live zu erleben und interessante Menschen zu treffen. Das meine ich, wenn ich von einem „Paralleluniversum“ spreche. Es ist eine andere Realität als die, in der ich aufgewachsen bin. Ich stamme aus der Mittelschicht und wuchs in einer relativ behüteten Umgebung auf. Nur der Journalismus und das Bloggen ermöglichten mir, andere Menschen und Lebenswelten kennenzulernen. Sie haben die oft harten Wahrheiten dieser Welt für mich erfahrbar und begreifbar gemacht.

Blogs auf den Philippinen
Blogs haben im philippinischen Internetalltag einen festen Platz. Es gibt eine lebendige Blogger-Community. Jedes Jahr werden die Blog Awards verliehen - eine Auszeichnung für die besten und beliebtesten Angebote, u.a. auch im Bereich Politik. Neben Blogs boomen die sozialen Medien, wie Twitter und Facebook. Auf den Philippinen zählten nach einer comScore Statistik vom Februar 2010 fast 85 Prozent aller Internetnutzer zu den Mitgliedern eines der Netzwerke.

Warum schreibst Du über Menschenrechte?
Ich schreibe über Menschenrechte, weil ich denke, dass es unerlässlich ist, sich für jedermanns Rechte einzusetzen. Ohne Menschenrechte gibt es keine Demokratie. Ich wurde 1977 geboren, also nach der Diktatur Marcos´. Die Menschenrechtsverletzungen habe ich nicht mehr erlebt. Erst als Journalistin habe ich davon gehört und mehr erfahren. Seitdem empfinde ich es als meine Pflicht, meinen Teil dazu beizutragen, dass sich so etwas wie unter Marcos niemals wiederholen kann. Und das ist dringend notwendig. Denn auch heute werden immer noch Journalisten auf den Philippinen ermordet.

Willst Du mit Deinem Blog die Politik in Deinem Land beeinflussen?
Ich schreibe, um die Menschen zu informieren, damit sich eine öffentliche Meinung herausbilden kann und, ja, um politisch Einfluss zu nehmen.

Welche Rolle spielen Blogs für die politische Kommunikation?
Blogs und soziale Medien sind mittlerweile sehr wichtig. Bei den letzten Wahlen nutzten die Kandidaten diese Kommunikationskanäle, um ihre Person und ihre Programme vorzustellen. Während der Abstimmung und an den folgenden Tagen war das Internet sehr nützlich, um schnell aktuelle Informationen zu verbreiten.

Internetnutzung in den Philippinen
Die Internetversorgung hat sich in der letzten Zeit verbessert. Viele Restaurants oder Einkaufszentren bieten ihren Kunden, von denen immer mehr auch zu Hause einen Internetzugang haben, freien Zugang. Laut internetworldstats.com gibt es auf den Philippinen 29 Millionen Internetnutzer (Stand Juni 2010). Das entspricht einem Anteil an der Bevölkerung von etwa einem Drittel. Über eine Million Nutzer nutzen dabei eine Breitbandverbindung. Eine Stunde Internet kostet in einem Internetcafe rund 50 Cent.

Kennst Du Deine Leserschaft?
Meine Leserschaft ist sehr gemischt. Das schließe ich zumindest aus den Kommentaren auf meine Beiträge. Es sind Journalisten, Studenten, Regierungsangestellte, Aktivisten und andere Blogger. Beiträge über Armut lösen in der Regel ein enormes Feedback aus. Ich achte aber nicht so sehr darauf, was meiner Leserschaft gefallen könnte und was nicht. Ich schreibe all das auf, was mich bewegt.

Kann Bloggen die Gesellschaft verändern und den Demokratisierungsprozess auf den Philippinen fördern?
Ich ermutige alle Journalisten und Autoren selber einen Blog zu starten. So kann es gelingen die Gesellschaft besser zu informieren und sie dafür zu sensibilisieren, was die Geschichte hinter den Geschichten ist. Außerdem ist es eine gute Übung. Man lernt sich auszudrücken und seine Gedanken zu sortieren. Durch das Feedback der Leser lernt man andere Meinungen kennen.

Internetzensur auf den Philippinen
Laut Iris Gonzales gibt es keine staatliche Zensur des Internets auf den Philippinen. Auch der Vereinigung „Reporter ohne Grenzen“ oder die OpenNet Initiative sind keine rechtlichen Gängelungen des Netzes in dem südasiatischen Land bekannt. Allerdings hat der Geheimdienst im Jahr 2009 eine Bloggerin, Ella Ganda, wegen Verleumdung angeklagt. Grund ist ihr Post, in dem sie über angeblich nicht verteilte Hilfsgüter für die Opfer eines Tropensturms im September 2009 berichtet.