Interview

Büroleiter Thomas Helm über Kasachstan's Umgang mit der Pandemie

"Wir müssen lernen mit dem Coronavirus zu leben und geschäftliche Aktivitäten wieder aufnehmen."

Die Redaktion Toppress.kz präsentiert ein exklusives Interview mit Thomas Helm, Büroleiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in der Republik Kasachstan. Er äußerte seine Meinung zu den ergriffenen Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus COVID-19.

Thomas, wie verläuft Ihr Alltag in der Selbstisolation?

- Vor allem kann ich die aktuelle Situation nicht eine Selbstisolation nennen. Die Selbstisolation setzt voraus, dass der Mensch gezwungen ist, zu Hause zu sein. Derzeit ist die gesamte Stadt unter Quarantäne gestellt. Selbstverständlich ist es natürlich relativ langweilig, weil ich es gewohnt bin, viel zu reisen. Allein in Kasachstan fliege ich mindestens 60-70 Mal pro Jahr. Wenn internationale Flüge dazugezählt werden, sind es jährlich ca. 110 Flüge. Ich habe mich daran gewöhnt, dass ich mit Menschen arbeite und Seminare in verschiedenen Regionen des Landes organisiere. Derzeit befinde ich mich bereits seit vielen Tagen in Nur-Sultan. In fünf Jahres meines Aufenthaltes in Kasachstan habe ich noch nie so eine Situation erlebt. Trotz der Tatsache, dass ich etwas zu tun habe, es gibt einige Veröffentlichungen, an denen ich arbeite, befürchte ich, dass bald eine Krise eintreten wird, wenn die Quarantäne nicht am 11. Mai endet. Hauptsächlich, weil ich noch nie in meinem Leben so lange eingesperrt war.

 

- Was können Sie über die Diszipliniertheit der kasachischen Bürger sagen?

- Ehrlich gesagt glaube ich, dass es hier noch einiges gibt, woran man arbeiten könnte. Allerdings beschuldige ich die Menschen nicht. Der Frühling in Kasachstan ist in diesem Jahr der wunderschönste von den letzten fünf Jahren. Es war sehr warm und sonnig im April, was ich früher noch nie erlebt habe. Es ist sehr schwierig, Kinder bei so einem Wetter zu Hause zu halten. Kein Kind kann so lange zu Hause sein. Ich denke, dass die Selbstdisziplin der Menschen besser sein könnte, aber in Wirklichkeit scheint es schwierig zu sein. Das Konzept der Isolation ist an sich für die Natur eines Menschen, seine Gewohnheiten und Bedürfnisse nicht charakteristisch.

Der Mensch ist nach seiner Natur ein soziales Wesen. Die Selbstisolation ist eine große Herausforderung für alle.

 

- Wird die Rolle der Medizin weltweit und in Kasachstan nach dieser Pandemie zunehmen?

- Die Folgen der Pandemie und die Zukunftspläne werden, nachdem alles zu Ende ist, bestimmt neu überdacht. Allerdings ist es schwierig über die Dimensionen des Überdenkens zu sprechen. In erster Linie sollte man den sozialwirtschaftlichen Schaden sowie die Maßnahmen, die wir nach der Krise ergreifen können, ermitteln. Die Frage betrifft auch unseren Zustand zum Zeitpunkt, wenn die Krise endet. Es sollte betont werden, dass noch 2012 das größte Institut für Virologie in Deutschland das Parlament des Landes klar vorwarnte, dass das Land auf die Pandemie nicht vorbereitet ist. Seit damals wurde aber nichts unternommen, was heutzutage für viele Fragen gesorgt hat. Wir waren überrascht, dass die Pandemie uns und Kasachstan erreicht hat. Die Gesundheitssysteme unserer Länder unterscheiden sich von einander, daher werden auch die Ergebnisse unterschiedlich sein. Immerhin war keiner auf diese Situation vorbereitet. Ich glaube, die Länder werden zukünftig auf solche Gefahren besser vorbereitet sein. Es betrifft aber weniger die Folgen der Pandemie, als vielmehr unsere Traditionen genauso wie unsere Fähigkeit, große Reformen umzusetzen.

 

- Wie ist Ihre Bewertung der Effizienz der Regierung unseres Landes hinsichtlich der Coronavirus-Bekämpfung?

- Insgesamt sind die im März ergriffenen Maßnahmen richtig. Ich habe es bereits vorher in einer Reihe meiner Vorträge gesagt. Ich unterstütze sie, glaube aber gleichzeitig, dass es unmöglich ist, die Quarantäne weiter zu verlängern. Schauen Sie nur auf das Wetter an, wie bereits von mir erwähnt, ist es unmöglich, im Raum zu bleiben. Ein weiterer wichtiger Aspekt betrifft das Lernen der Kinder. Es ist schwierig, sie selbständig zu Hause lernen zu lassen. Dies bringt neue Herausforderungen mit sich. Alle Familien sind unterschiedlich. Einige Eltern können es einfach nicht, andere Eltern wollen ihren Kindern nicht beim Hausunterricht helfen. Ich glaube, es wird nicht mehr möglich sein, die Kinder nicht in Schulen und Kindergärten gehen zu lassen. Zudem gibt es viele Menschen, die wegen einer erheblichen Verschlechterung ihres Wohlstandes verzweifelt sind. Die Menschen sollten zur Arbeit zurückkehren. Wir müssen lernen, mit diesem Virus zu leben. Ansonsten werden die Volkswirtschaft und die Gesellschaft mehr als durch das Coronavirus selbst leiden. Es ist zu betonen, dass alle bisher ergriffenen Maßnahmen richtig waren. Allerdings ist es jetzt notwendig, ein neues Kapitel in der Strategie für die Coronavirus-Bekämpfung aufzuschlagen.

 

- Wie schätzen Sie die Krisenbekämpfungsmaßnahmen zur Unterstützung der Bevölkerung und der Wirtschaft ein?

- Natürlich war die Gewährung der Finanzhilfe und die Bereitstellung von 42.500 Tenge eine völlig richtige Entscheidung. Ich freue mich sehr, dass die Hilfeleistung um einen weiteren Monat verlängert und automatisch verteilt wurde. Die Menschen mussten nicht erneut das ganze Beantragungsverfahren durchlaufen. Gleichzeitig bilden 42.500 Tenge keinen wesentlichen Betrag, der alle Kosten der Menschen abdecken kann. Steuerliche Anreize für kleine und mittlere Unternehmen waren auch eine richtige Maßnahme, die verlängert wurde. Die Menschen, die ihre Arbeit verloren haben, sowie die KMU, die ohne Einkommen geblieben sind, werden keine Steuern bezahlen. Es sind gute Unterstützungsmaßnahmen für eine bestimmte Zeit. Sie schaffen aber nicht die Notwendigkeit ab, dass die Menschen ihre geschäftlichen Aktivitäten wieder aufnehmen.

 

- Welche Maßnahmen sind Ihrer Meinung nach heutzutage zur Unterstützung der Wirtschaft erforderlich? Nur staatliche Zuschüsse? 

- Unsere Tätigkeit wird zu 100 % von der deutschen Bundesregierung finanziert. Ich meine, die Menschen sollten realistisch verstehen, wie die Rückkehr zum üblichen Lebensalltag erfolgen wird, da sie dementsprechend ihre Tätigkeit planen können, wenn sie den zeitlichen Rahmen kennen. Ein wichtiger Schritt ist die Gewährleistung der Sicherheit und der Gesundheit der Bevölkerung. Immerhin ist es bei weitem nicht die einzige Frage. Es bestehen noch zahlreiche soziale und wirtschaftliche Probleme. Ich würde empfehlen, etwas Ähnliches, was in Deutschland unternommen wird, zu machen. Dort wurde eine Beratungsgruppe unter dem Namen „Ethikrat“ gegründet. Diesem Rat gehören Ärzte, Ökonomen, Juristen, Sozialwissenschaftler und sogar Vertreter aus dem Religionsbereich an. Sie sollten eine Strategie erarbeiten und den zeitlichen Rahmen für die Rückkehr des Landes zur Normalität vorschreiben. Die Menschen können sich dann auf diese Strategie stützen. Man wird verzweifelt, wenn man keine Vorstellung über weitere Schritte hat und dazu noch einen solchen Schaden durch das Coronavirus erleidet. Die Menschen müssen eine klare Vorstellung über die Zukunft haben, um jegliche Verzweiflung zu vermeiden.

 

- Haben sich Ihre Pläne auf Grund dieser Lage geändert? 

- In unserer Tätigkeit hat es bis heute keine Änderungen gegeben. Wir haben bestimmte Arbeitsmethoden und wir werden nach dem vorherigen Verfahren weiterarbeiten. Schauen wir, was unsere Regierung unternimmt und welche Unterstützung geleistet wird. Deutschland wurde ein sehr großer Schaden zugefügt. Vielleicht wird es Meschen geben, die die Mittelzuweisung für ausländische Organisationen vor dem Hintergrund der aktuellen Situation im Land in Frage stellen werden. Ich könnte es mir jetzt vorstellen, es wird in nächster Zukunft keine großen Änderungen geben. Allerdings können sich einige Dinge langfristig gesehen Änderungen erfahren.

 

-  Worauf werden Sie in der Zukunft Akzente setzen?

- Derzeit ist die Wirtschaftstransformation im Kontext der Folgenbeseitigung des Coronavirus eine neue Fragestellung. Da dieses Thema immer mehr an der Aktualität gewinnt, werden wir unbedingt eine Konferenz darüber ausrichten, wie sich diese Folgen überwinden lassen und wie man zur Normalität zurückkehren kann. Gleichzeitig werden wir unsere Arbeit zu Bildungsfragen, u.a. zur beruflichen und akademischen Bildung fortsetzen. Wir werden uns auf die Bereiche Energie, Politik, Selbstverwaltung und andere Fragen, mit denen wir uns früher beschäftigt haben, konzentrieren. Allerdings glaube ich, dass die Wirtschaftskrise natürlich im Vordergrund stehen wird.

 

-  Werden Sie das Unterstützungsvolumen für Kasachstan aufstocken?

- Unsere Projekte konzentrieren sich zu 100 % auf Kasachstan. Es ist einfach unmöglich, diese Zahl zu vergrößern. Wir haben keinen einzigen Euro für irgendwelche anderen Projekte ausgegeben.

 

- Es ist bekannt, dass ein Deutsch-Kasachisches Zentrum gegründet wird. Wurden seine Gründungsfristen verschoben? 

- Mir sind keine Verzögerungen der Fristen bekannt. Ich habe nur die Verschiebung der Einweihungsfrist mitbekommen. Selbstverständlich verfolgt unser Bundesinnenministerium dieses Projekt aufmerksam, da es ins Projekt miteinbezogen wurde und die Geldmittel ins Ausland erteilt. Es bestehen bestimmte Organisationen, die auf die Fristen aufpassen. Daher glaube ich, dass alles mit dem Projekt in Ordnung sein wird.

 

- Experten äußern sich zur steigenden sozialen und politischen Spannung in den Ländern mit einer strengen Selbstisolation. Wie kann man Ihrer Meinung nach das Niveau der Spannung in Kasachstan einschätzen?

- Vor allem sollte es einen klaren strategischen Plan, der weitere Schritte beinhaltet, geben. Die Menschen müssen wissen, was in der Zukunft geschieht. Es ist sehr wichtig in dieser Hinsicht transparent zu sein. Ich würde sagen, es ist äußerst wichtig, einen Dialog zu führen, über seine Pläne nicht nur wenn bestimmte Ereignisse passieren, zu informieren. Es ist notwendig, regelmäßig Pressekonferenzen und andere Veranstaltungen, u.a. in sozialen Netzwerken, die erläutern, was und warum unternommen wird, durchzuführen. Die Transparenz ermöglicht es dem Volk die Bedeutung der einen oder der anderen Handlung zu verstehen. Dann werden sie die Menschen nachvollziehen, akzeptieren und eine klare Vorstellung haben. Das Volk kann sagen: „Ich vertraue meiner Regierung“. Dies setzt die Transparenz und einen ständigen Dialog mit Menschen voraus. Wenn man die Wege aus der Krise und die Rückkehr zur Normalität versteht, dann bewahrt man Ruhe.

 

-  Viele haben Ihre Expertenmeinung während des Interviews mit Rakhim Oshakbayev positiv empfunden. Möchten Sie zum bereits Gesagten auf Grund des vergangenen Monats etwas hinzufügen?

- Erstens bestätige ich alles Gesagte. Ich glaube, es war ein gutes Interview. Allerdings fand es vor mehr als einem Monat statt. Da wir täglich etwas Neues erfahren, sollte ich in der Tat ein Paar Worte hinzufügen. Natürlich besteht derzeit eine Vielzahl an Meinungen. Allerding lässt sich eins genau verfolgen, dass die Menschheit bestimmt keine Impfung gegen das Coronavirus bis zum nächsten Jahr haben wird. Die in den USA erklärte optimistischste Prognose setzt das Erscheinen einer Impfung bereits im Januar voraus. Deutsche Experten sind sich einig, dass sie frühestens im Frühling des nächsten Jahres entwickelt wird. Ich begreife klar, dass es dringend erforderlich ist, die Strategie zu ändern. Es ist unmöglich die Menschen ein ganzes Jahr hinter Schloss und Riegel zu halten. Als ich mit Rakhim gesprochen habe, wurde vorausgesetzt, dass eine Impfung zum Herbst des laufenden Jahres entwickelt wird. Jetzt ist es offensichtlich, dass sie frühestens im Jahr 2021 zugänglich sein wird. Wir müssen es lernen, mit dem Coronavirus zu leben, geschäftliche Aktivitäten, u.a. auf dem internationalen Niveau aufzunehmen und wieder zu reisen. Andernfalls werden wir einen noch größeren Schaden uns selbst hinzufügen und in Verzweiflung geraten.

 

- Fake News und Desinformationen wurden während der Pandemie weltweit stark verbreitet. Was meinen Sie, wie sollte man es bekämpfen?

- Wenn große Krisen in der Welt eintreten, dann entstehen immer Gerüchte und Verschwörungstheorien. Sie können sich an den 11. September 2001 oder den Tod von John Kennedy erinnern. Neben offiziellen Berichten und Ermittlungen gab es viele Gerüchte und konspirologische Theorien. Selbst im Mittelalter entstanden während der Hunderttausende Menschenleben geforderten Pest Verschwörungstheorien über die Herkunft der Erkrankung. Natürlich verbreiten viele umso mehr während der Pandemien Gerüchte. Am gefährlichsten sind die Vermutungen über die künstliche Herkunft des Virus. Das bedeutet, dass es als strategische Waffe gedacht war. Wenn es die Wahrheit gewesen wäre, dann hätte es viele Folgen gegeben. Daher müssen wir in dieser Hinsicht sehr vorsichtig sein. Ich würde der Regierung empfehlen, ständig einen Dialog zu führen sowie den Menschen und den Kritikern die Möglichkeit zu geben, Diskussionen zu führen. Die Regierung kann mit den Kritikern diskutieren, indem sie das Publikum von Verschwörungstheorien ablöst und eine offizielle Stellungnahme äußert. Es ist notwendig, immer offizielle Websites und andere Quellen, auf denen man glaubwürdige Informationen finden kann, anzugeben, damit sich die Menschen vor Fake News schützen. Man sollte offen zur Diskussion über Regierungsstrategien und weitere Handlungen sein.

 

- Ist die Radikalisierung unserer Gesellschaft unter den Bedingungen der Coronavirus-Bekämpfung und seiner Folgen möglich? Es gibt Gerüchte über den Anstieg der Kriminalität und Fälle der häuslichen Gewalt. Kann es globale Konflikte heraufbeschwören?

- Eigentlich kann man alles Beliebige provozieren. Wenn Menschen verzweifelt sind und nicht wissen, was geschieht, dann kommt die Zeit für die Suche nach leichten Antworten. Und sie werden von Populisten sowie Anhängern der Verschwörungstheorien gegeben. Die Kriminalitätsrate steigt, wenn Menschen auf die Armut stoßen. Es ist unmöglich, sich um alle gleichzeitig zu kümmern. Die Regierung kann sich damit eine bestimmte Zeit lang beschäftigen. Gerade deshalb ist es wichtig, zu geschäftlichen Aktivitäten zurückzukehren. Wenn die Menschen ihre Arbeit, die Einkommensquelle und Zukunftschancen verlieren, dann geraten sie in Hoffnungslosigkeit. Wenn sie sich ständig in ihren kleinen Wohnungen aufhalten, dann kann es zur häuslichen Gewalt führen. Deutschland hat z.B. eine andere Strategie. Dort waren die Menschen nie gezwungen, sich zu Hause zu verschließen. Deutschland setzt sich für die soziale Distanzierung ein. Wir haben 160.000 Infizierte, von denen 130.000 Personen genesen und 30.000 faktisch angesteckt sind. Unser Gesundheitssystem ermöglicht von 30.000 bis zu 40.000 Patienten zur stationären Behandlung in der Intensivtherapie aufzunehmen. Bei uns lassen sich Menschen aus anderen Ländern behandeln. Sie können überall, wo sie wollen, spazieren gehen. Das Einzige ist, dass sie einen Abstand von 1,5 Metern einhalten müssen. Wir halten uns an die Strategie der sozialen Distanzierung. Selbstverständlich kann die Pandemie auf Grund der fehlenden Solidarität, des Verantwortungsgefühls für die Krise und der Hilfe in den Fällen von extremen Krisenfolgen globale Konflikte heraufbeschwören.

 

- Wie schätzen Sie die Hilfeleistung verschiedener Länder an Kasachstan ein? Die humanitäre Hilfe kam aus den VAE, der Türkei, China, den USA (NGOs). Was bedeutet z.B. die Hilfe der Nichtregierungsorganisationen? Ist es Ihrer Auffassung nach gut? Oder ist es ein Instrument von besonderer Aufmerksamkeit? Werden dabei bestimmte Ziele verfolgt?

- Insgesamt ist es sehr gut, dass andere Länder zusammenarbeiten und Hilfe leisten. Wie ich bereits erwähnt habe, nimmt Deutschland Patienten aus Frankreich, Spanien und Großbritannien zur Behandlung auf, da unser Gesundheitssystem gut entwickelt ist. Die Hilfe der USA, der EU, internationaler Organisationen ist natürlich gut. Die Frage entsteht in Bezug auf China, das die Politik will. China ist sehr gut über seine Verantwortung informiert. Wenn man sich darauf stützt, was uns bekannt ist, brach die Pandemie in Wuhan aus. Sie haben aber zu lange gewartet und das Virus verbreitete sich in der ganzen Welt. Viele Chinesen reisten in andere Länder, als das Virus noch in Kraft war. Derzeit versuchen sie der Welt zu sagen, dass sie keine Verantwortung übernehmen. Und wenn man die Verantwortung Chinas zur Sprache bringt, dann wird es Sanktionen verhängen, wie es mit Australien der Fall ist. China versucht die Menschen auf seine Seite zu ziehen, indem es humanitäre Hilfe leistet und sagt, dass es am besten die Bekämpfung der Pandemie gemeistert hat. Es ist keine Frage, dass es sehr gut ist, dass China jetzt hilft. Es muss aber offen für eine Ermittlung sein, da es der Welt hilft eine Lehre zu ziehen und zu verstehen, wie sich solche Situationen in der Zukunft vermeiden lassen.

Zudem möchte ich betonen, dass ich von den Handlungen Kasachstans begeistert bin. Kasachstan leistet Ernährungshilfe, z.B. an Tadschikistan, was absolut begrüßt wird.

 

-  Wie verhalten sich Ihre Verwandten zur Pandemie und zur Selbstisolation insgesamt?

-  In Deutschland können sich die Menschen dort, wo sie wollen, aufhalten. Das Problem ist, dass sie den Abstand einhalten müssen. Es werden keine Geburtstagsfeiern gefeiert und keine ähnlichen Veranstaltungen durchgeführt. Mein Bruder hatte vor kurzem Geburtstag und die Feier war sehr bescheiden. Natürlich freut sich keiner darüber. Viele sind gezwungen im Homeoffice zu arbeiten, selbst wenn es ihnen nicht gefällt. Meine Mutter musste auf die Dienstleistungen ihrer Haushelferin wegen der bestehenden Risiken verzichten. Alle warten auf die Rückkehr zum normalen Lebensalltag. 

 

- Warum glauben viele immer noch nicht an die Pandemie und bauen Verschwörungstheorien auf?

- Die Situation ist gar nicht einfach. Vieles ist den Wissenschaftlern noch nicht bekannt. Das bedeutet, dass es davon keine volle Vorstellung gibt, was geschieht und worin der Grund des Geschehenen besteht. Dies sorgt seinerseits dafür, dass in den Köpfen der Menschen die Gestalten der Feinde erzeugt werden. Die Menschen neigen sich dazu, in ihrer Einbildung Vorurteile zu haben. Keiner hat ein klares Bild über die aktuellen Ereignisse. Daher fängt man an, Gerüchte zu verallgemeinern. Dies führt zum Entstehen der Verschwörungstheorien. Das alles ist sehr gefährlich, denn diese Gerüchte sind mit einander gar nicht verbunden. Die Menschen, die Verschwörungstheorien schaffen, mischen aber verschiedene Informationen und es hat eine vergiftende Wirkung.   

 

Gespräch geführt von Alina Aliyeva und Zhanara Abdulova.

Quelle: https://toppress.kz/

Bereitgestellt von

Auslandsbüro Kasachstan

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