Auf dem Gebiet des ehemaligen Grenzabschnitts 44 zwischen dem thüringischen Behrungen und dem bayrischen Rappershausen gelegen, umfasst das Deutsch-deutsche Freilandmuseum drei Denkmalorte mit zahlreichen historischen Überresten der ehemaligen innerdeutschen Grenze.Zentraler Bestandteil sind die original erhaltenen Grenzanlagen der Mahn- und Gedenkstätte bei Behrungen. Vom Grenzsignalzaun vorbei am begehbaren Wachturm, den Panzersperren und einem weiteren, durch einen Graben gesicherten Zaun bis hin zur eigentlichen Grenzlinie ist die gesamte Staffelung der ehemaligen DDR-Grenzanlage begehbar. Am Waldesrand angelangt markieren historische Informations- und Warntafeln des Bundesgrenzschutzes sowie ein blau-weißer Schlagbaum die bayerische Landesgrenze. Die friedliche Stille der Landschaft lässt mitunter vergessen, dass hier über Jahrzehnte hinweg die Konfrontationslinie zwischen NATO und Warschauer Pakt verlief. Doch es genügt der Blick auf ein Hinweisschild, das an den Fund einer intakten Mine durch einen zehnjährigen Jungen im Jahre 2001 erinnert, um die Geschichtsstunde beklemmend real werden zu lassen. Weitere Stationen des Freiluftmuseums sind die Grenzkaserne Behrungen, ein zweiter Beobachtungsturm bei Berkach sowie die heute als Ausstellungs- und Seminarort genutzte Grenzinformationsstelle im bayrischen Rappershausen.
Einem anderen Abschnitt der innerdeutschen Grenze gewidmet ist das Grenzmuseum Schifflersgrund. Oberhalb des hessischen Kurortes Bad Sooden-Allendorf direkt in der ehemaligen Todeszone gelegen, sind auch hier zahlreiche Überreste der Grenzanlage zu besichtigen. Die markantesten Exponate auf dem Museumsgelände sind jedoch die historischen Militär- und Polizeifahrzeuge sowie die Helikopter verschiedenster Herkunft. Deplatziert zwischen dem Kriegsgerät wirkt ein großes Frontlader – doch nur auf den ersten Blick, handelt es sich doch um eben jenes Fahrzeug, mit dessen Hilfe der 34-jährige Heinz-Josef Große am 29. März 1982 im Schifflersgrund versuchte, nach Westdeutschland zu fliehen und dabei durch gezieltes Gewehrfeuer der DDR-Grenztruppen getötet wurde. Auch von diesem tragischen Ereignis berichtet die umfangreiche und hochinteressante Dokumentation des Grenzmuseums.
Beiden Grenzgedenkstätten gemein ist das Engagement der Initiatoren und Mitarbeiter, die sich das Ziel gesetzt haben, die Erinnerung an diesen Abschnitt der deutschen Geschichte und die Schicksale der Opfer am Leben zu erhalten. Und angesichts des schwindenden Wissens vor allem der jüngeren Generation über die Geschichte der DDR sowie der um sich greifenden Verharmlosung der SED-Diktatur scheint diese Aufgabe fast zwei Jahrzehnte nach dem Fall der innerdeutschen Grenze wichtiger denn je.