Der Erfüllte – Aufstieg als Erfüllung im Beruf (Promovierter Verlagsredakteur)

Reportage zur Publikation "Gesundheit und Familie vor Arbeit und Einkommen - Studie zum sozialen Aufstieg in Deutschland"

Ein Vertreter des Aufstiegstypus der „Erfüllten“ ist ein 36-jähriger promovierter Verlagsredakteur. Er hat Deutsch als Fremdsprache studiert, weil ihn das Fach interessierte, war während seines Studiums mehrfach im Ausland und hat einige Zeit an einer Universität gearbeitet. Die Tätigkeit an der Universität hat ihm großen Spaß gemacht und er hätte sich vorstellen können, weiter dort zu arbeiten. Doch die schwierige Beschäftigungssituation an der Uni mit lediglich befristeten Stellen jenseits von Professuren hat ihn dazu bewogen, sich eine Tätigkeit außerhalb des akademischen Betriebes bei einem Verlag zu suchen:

„Ich hätte das auch noch weiter gemacht, das ist einfach nur, dass die Arbeitssituation an der Uni immer recht prekär ist, wenn man da im Mittelbau verweilen möchte. Und ich hatte nie Ambitionen irgendwie noch mal einen PostDoc dranzuhängen und später mal Professor zu werden. Und wenn man im Mittelbau bleibt, dann ist man immer auf Projekte angewiesen, die allermeist auch befristet sind und nicht über eine halbe Stelle hinausgehen.“

Aufstieg in dem Sinne, eine möglichst hohe Position zu erreichen, bedeutet ihm nichts. Sein Fokus liegt darauf, eine Arbeit zu haben, die ihm Freude bereitet, ihn erfüllt, weshalb er auch mit seinem Leben insgesamt sehr zufrieden ist: „Ich habe jetzt nie irgendwie so für mich selbst gedacht, ich muss jetzt hier unbedingt vorwärtskommen und ich muss mich hier jetzt beweisen. Und ich muss auf die nächste Stufe mich emporarbeiten. Sondern mir war wichtig, dass es eine anspruchsvolle und interessante Tätigkeit ist. Und das kann durchaus eine Tätigkeit sein, die jetzt nicht so einen hohen Status hat, oder die nicht so gut bezahlt ist. Aber solange sie mir gut gefällt, und für mich spannend ist, dann bin ich damit auch zufrieden.“

Zusätzlich setzt er sich bewusst Ziele. Nach dem Abschluss seiner Promotion möchte er ein neues Projekt starten, dem er sich neben Arbeit und Familie mit Leidenschaft widmen kann: „Ja, ich glaube, wichtig ist, sich immer wieder neue Ziele zu stecken. Ich habe halt meine Dissertation dieses Jahr verteidigt und muss sie noch publizieren, und dann ist erst mal ein großes Projekt abgeschlossen. Und dann muss ich mir, glaube ich, ein neues großes Projekt suchen. Irgendwas, wo ich das Gefühl habe, dass ich mich da abarbeiten muss, und was noch so, tja, wo ich das Gefühl habe, das ich mich verwirklichen kann oder was mich interessiert. Was mich herausfordert.“

Im Bereich Aufstieg fällt ihm der Vergleich zu seinen Eltern schwer: „Ich glaube mit meinen Eltern würde ich mich nicht vergleichen. Oder es ist schwierig, mich mit meinen Eltern zu vergleichen. Weil die einfach in einer ganz anderen Zeit in die Arbeitswelt eingestiegen sind.“ Denn Aufstieg versteht er als individuelle Entwicklung im Berufsleben. Im Vergleich zu seinen Eltern sieht er sich allerdings nicht als Aufsteiger, sondern als ‚Statuserhalter‘, da beide Eltern selber Akademiker sind und auch sein Vater promoviert ist. Ein wirklicher Bildungsaufstieg ist ihm im direkten Vergleich zum Vater daher gar nicht möglich.

Wohlstand definiert der Befragte nicht nur materiell, sondern auch als Glück und Zufriedenheit: „Es ist sehr nahe mit glücklich und zufrieden sein für mich.“ Nach dieser Definition sieht er sich selbst als wohlhabend an. Finanzielle Sicherheit ist ihm wichtig. Die befristeten Arbeitsverhältnisse an der Uni boten ihm nicht die gewünschte, langfristige finanzielle Perspektive, sodass er nun hofft, beim Verlag eine unbefristete Anstellung zu erlangen: „Weil mich das, glaube ich immer so ein bisschen belastet hat, an der Uni. Nicht so richtig zu wissen, ob der Vertrag nun am Ende des Jahres weitergeht, ob der verlängert wird. Oder nicht. Da war immer so eine grundlegende Unsicherheit drin. Und ich habe mich eigentlich immer nach etwas gesehnt, was ein bisschen stabiler ist und jetzt hab ich genau so einen Job, der doch den Anschein macht, als wäre er um einiges stabiler.“

Sein Beruf erfüllt ihn und auch mit seinem Familienleben ist er sehr zufrieden. Sowohl er als auch seine Frau arbeiten nicht in Vollzeit, sondern zeitlich reduziert auf 80 Prozent, um ausreichend Zeit für die beiden Kinder zu haben. Seinen Kindern möchte er vor allem Selbstvertrauen mitgeben sowie die Gewissheit vermitteln, jederzeit Unterstützung durch die Eltern zu erhalten, so wie er von seinen Eltern stets unterstützt wurde: „Ach, ich denke, meine Eltern haben da schon relativ viel richtig gemacht. Von daher versuche ich das auch so ein bisschen weiterzugeben. Zum einen halt so das Selbstvertrauen stärken und irgendwie versuchen hinter den Kinder zu stehen. Und zu zeigen, dass sie Zuhause immer einen Anlaufstelle haben, wo sie Energie tanken können und wo sie Selbstvertrauen schöpfen können.“