Die Ambitionierte – Aufstieg als berufliche Ambition im Einklang mit dem Umfeld (Kaufmännische Angestellte)

Reportage zur Publikation "Gesundheit und Familie vor Arbeit und Einkommen - Studie zum sozialen Aufstieg in Deutschland"

Diese Mentalität veranschaulicht gut eine 30-jährige Kauffrau aus Erlangen. Sie absolvierte nach dem Abitur eine kaufmännische Ausbildung in einem großen Betrieb im Bereich Erneuerbare Energien. Dieser hatte sie übernommen und sie ist bis heute in der Firma tätig. Aus Rücksicht auf ihren Partner hat sie allerdings den Standort gewechselt. Maßgeblich für den Beruf waren ihre Eltern:

„Das Interesse kam, also ich wollte im kaufmännischen Bereich was lernen, das war klar und das war halt irgendwie Industriekauffrau, Kauffrau für Bürokommunikation, so diese Schiene. Es kam dadurch, dass meine beiden, also meine Eltern sind einfach auch in der kaufmännischen Schiene und das habe ich dann einfach, man bekommt das dann so mit und das hat halt eben bei der Firma einfach geklappt.“

Sie zeigt einen starken Willen, sich im Beruf sukzessive zu verbessern. Sie möchte einerseits im Betrieb die Dinge voranbringen und „etwas bewegen“, andererseits hat sie proaktiv ein BWL-Studium absolviert – neben der Arbeit. Sie sieht sich selbst als fleißige, strebsame Angestellte, die keineswegs nur Dienst nach Vorschrift leistet, sondern auch über den „Tellerrand“ hinaus schaut.

Mit ihrem Leben ist sie sehr zufrieden, was sie einerseits einem gewissen Glück, aber vor allem ihrem eigenen Fleiß zuschreibt: „Ich bin sehr zufrieden mit meinem Leben, so wie es gelaufen ist. Ich glaube auch, dass ich ab und zu mal Glück hatte, einfach wie es sich so ergeben hat, wie es dann beruflich auch läuft. Ich glaube, da gehört einfach auch immer ein bisschen Glück dazu. Ich habe aber auch so weit beigetragen, dass ich immer viel Fleiß erbracht habe. ich habe viel Fleiß gezeigt und bin auch, also erstmal so dieses mit der beruflichen Entwicklung bin ich sehr zufrieden, glaube aber auch, dass ich das einfach selber ein Stück weit auch steuern konnte oder kann. Da denke ich immer so ein bisschen, jeder ist seines Glückes Schmied.“

Allerdings steht sie auch exemplarisch für diejenigen Befragten, deren klares Aufstiegsziel einer beruflichen Karriere durch die Verschiebung des eigenen Fokus auf andere Prioritäten im Laufe der Zeit klar relativiert wurde: So zeigt sie mittlerweile die Tendenz, ihre beruflichen Ambitionen nur bis zu einem gewissen Grad zu verfolgen und zwar solange, wie ihre privaten Pläne dadurch nicht berührt werden: Gegen eine Versetzung nach Hamburg hat sie sich gewehrt, da sie sich kurz zuvor erst in ihrem Umfeld eingelebt hatte.

Zudem hat sie den starken Wunsch nach Gründung einer Familie – so wie ihr Partner. Ihre persönliche Zukunftserwartung entspricht dem bürgerlichen Idealbild von Ehe, Haus und Kindern. Ihre berufliche Karriere will sie dann nicht außer Acht lassen, aber mit deutlich weniger Kraft verfolgen. Obwohl sie befürchtet, dass eine Familiengründung ihre Karriere abbremsen könnte, will sie sich davon aber nicht in ihrer persönlichen Lebensplanung beeinflussen lassen: „Aber ich sage mal selber immer wieder, das ist für mich, es ist für meine Partnerschaft, das ist mein Leben und ich kann mich nicht fremdbestimmen lassen von einem Chef, der nicht gerne hätte, dass eine Mitarbeiterin schwanger ist, dann tut es mir einfach Leid für ihn, da hat er einfach Pech gehabt.“