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Gerd Langguth - „Meister der politischen Analyse und akribischer Wissenschaftler“

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Am 18. Mai dieses Jahres wäre Gerd Langguth 70 Jahre alt geworden. Theorie und Praxis des politischen Betriebes hat der Politikwissenschaftler nicht nur mit scharfem Blick beobachtet, sondern aktiv mitgeprägt. Das Archiv für Christlich-Demokratische Politik hat jüngst das Findbuch zum Nachlass des am 12. Mai 2013 verstorbenen Langguth fertig gestellt.

Durch die frühe Auseinandersetzung mit der politischen Linken und die Erforschung der studentischen Protestbewegung wurde das Phänomen „1968 und die Folgen“ zum ersten Forschungsschwerpunkt des Nachwuchswissenschaftlers Langguth. Bereits als Student begann er mit der akribischen Sammlung von Materialien zur Protest- und Studentenbewegung an deutschen Universitäten. Diese Sammlung, darunter Flugblätter und diverse Jahrgänge von mehr als 300 von linken Hochschulgruppen herausgegebene Zeitschriften, dürfte als umfangreiche Quelle zur Erforschung der Jugend- und Studentenbewegung in dieser Zusammenstellung Seltenheitswert besitzen.

Aber Langguth beschränkte sich nicht auf Beobachtung und Analyse, er engagiert sich auch selbst: Seine Ämter als Bundesvorsitzender des Ringes Christlich-Demokratischer Studenten (1970 bis 1974) und Landesvorsitzender der Jungen Union in Baden-Württemberg (1975 bis 1981) sind im Nachlass genauso dokumentiert wie seine Jahre als Mitglied im Bundesvorstand der CDU, dem er schon in sehr jungen Jahren – von 1971 bis 1977 – angehörte. Als Mitglied der Grundsatzprogrammkommissionen in den 1970er und 1990er Jahren sowie als Mitglied mehrerer Bundesfachausschüsse nahm Langguth maßgeblichen Einfluss auf den programmatischen Kurs der Partei.

Mit 30 Jahren wurde Langguth 1976 für den Wahlkreis Esslingen in den Deutschen Bundestag gewählt. Unterlagen zu seiner Arbeit in Bundestagsausschüssen und zu Wahlkreisangelegenheiten zeigen die Mühen der politischen Ebene.

Die Spannbreite von Langguths Interessen, aber auch eine gewisse Rastlosigkeit, die es ihm und anderen nicht immer leicht machte, spiegelte sich in den folgenden biographischen Stationen wider: Als Direktor der Bundeszentrale für politische Bildung (1981 bis 1985), als Staatssekretär und Bevollmächtigter Berlins beim Bund (1986 bis 1987), als Leiter der Vertretung der EG-Kommission in Bonn (1988 bis 1993) sowie als geschäftsführender Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung (1993 bis 1997) war Langguth an der Nahtstelle von Politik und Wissenschaft aktiv. Umfangreiche Korrespondenzen, Vermerke oder Terminpläne dokumentieren diese beruflichen Herausforderungen. In den späteren Jahren wirkte Langguth, seit 1988 Lehrbeauftragter und später Honorarprofessor an der Bonner Universität, vor allem als Publizist. Dementsprechend nehmen seine Reden, Vorträge und Veröffentlichungen einen bedeutenden Teil des Nachlasses ein. Die immense Anzahl an Manuskripten zeigt, wie umtriebig und produktiv der bestens vernetzte Langguth über Jahrzehnte als zeitgeschichtlicher Experte und Kommentator war. Beiträge in nationalen und internationalen Leitmedien und fundiert recherchierte Buchprojekte – die wohl bekanntesten sind seine vielzitierten Werke zur Geschichte der Grünen (1984), zur Krise und Zukunft der CDU (2001) sowie die populären Biographien zu Angela Merkel (2005) und Horst Köhler (2007) – machten ihn zu einem der profiliertesten deutschen Politologen mit hoher Medienpräsenz.

Als Mitgründer des „Bürgerkonvents“ und als Gastgeber seines „Politischen Salons“ war bürgerschaftliches Engagement für Langguth selbstverständliche Pflicht. Weitere Unterlagen persönlicher Art, wie privater Schriftverkehr, Terminkalender, Urkunden oder Auszeichnungen sowie eine Pressesammlung zur Person ergänzen den Bestand um weitere Facetten.

Das ACDP hatte den Bestand Gerd Langguth in mehreren Lieferungen zwischen 1981 und 2013 übernommen. Zu den Akten und Materialien in Papierform kamen digitale Unterlagen auf Festplatten und anderen Datenträgern im Umfang von rund 2,7 Gigabyte hinzu. Sogenannte „hybride Bestände“, d.h. Mischüberlieferungen aus analogen (in der Regel papiernen) und digitalen Bestandteilen, stellen Archive vor neue Herausforderungen. Daher wird das ACDP die Übernahme, technische Sicherung und Erschließung des „hybriden Bestandes“ Gerd Langguth in einem gesonderten Projektbericht dokumentieren.

Nach Bewertung und abschließender wissenschaftlicher Bearbeitung hat der Bestand neben den digitalen Unterlagen aktuell einen Umfang von rund 37 laufenden Metern.

Der Nachlass Gerd Langguth zeichnet das Bild einer vielseitigen und meinungsstarken Persönlichkeit, die – gleichsam als Mittler zwischen Theorie und Praxis – in Wissenschaft und Politik wichtige Marken gesetzt hat. Die Konrad-Adenauer-Stiftung hatte Gerd Langguth bereits 2015 im Rahmen eines Symposions und einer kleinen Ausstellung gewürdigt. Nun steht im Rahmen der Benutzungsordnung sein schriftlicher Nachlass der interessierten Forschung zur Verfügung. Dabei setzt das ACDP selbstverständlich auch auf die Präsentation seiner Arbeitsergebnisse im Internet: Das Findbuch zum Bestand Gerd Langguth wird das Online-Angebot an Findmitteln des ACDP ergänzen.

Peter Crämer

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Kontakt Peter Crämer
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Sachbearbeiter Schriftgutarchiv
Peter.Craemer@kas.de +49 2241 246-2510 +49 2241 246-2669
Einzeltitel
18. Mai 2016
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