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"Auf lange Sicht rechnen"

Bill English, Vizepremierminister Neuseelands, darüber, wie die öffentliche Verwaltung effizienter wird

Die Effizienz einer öffentlichen Verwaltung hängt von mehreren Faktoren ab, sagt Bill English, stellvertretender Premierminister von Neuseeland: Sich um die Belange der Menschen kümmern, die Mitarbeiter motivieren und die Leistung des öffentlichen Sektors messen können. Vernetzte Datenbanken und integrierte Datensysteme spielen für die Arbeit der neuseeländischen Verwaltung eine immens wichtige Rolle.

Vor einem Fehler warnte English eindringlich: einfach nur mehr Geld auszugeben. Denn, "die Regierung macht keinen besseren Job, nur weil sie mehr Geld ausgibt." Der Fokus müsse drauf liegen, die Nachfrage nach staatlichen Dienstleistungen zu reduzieren - beispielsweise durch ein gutes Bildungsangebot oder eine Reduzierung der Kriminalitätsraten.

Ein wichtiges Element erfolgreicher öffentlicher Verwaltung sei die Motivation der eigenen Mitarbeiter, so English. Sie müsse hoch gehalten werden. Das schaffe man, indem den Kolleginnen und Kollegen bewusst wird, was genau sich ändert bei den Menschen, die von den Diensten der öffentlichen Verwaltung abhängig sind, also bei den Kunden. Die Motivation spiele noch eine weitere Rolle. Mitarbeiter des Öffentlichen Dienstes seien es schließlich, die Reformen in ihren Behörden und Ministerien umsetzten. Und der gewünschte Wandel müsse von innen kommen: "Die Mitarbeiter des Öffentlichen Dienstes müssen die Wahl zum Wandel treffen.", sagte English.

Effiziente Arbeit habe auch etwas mit Kundenorientierung zu tun, die Verwaltung müsse mit der Bevölkerung interagieren. Das könne zum Beispiel Transparenz gewähren: So veröffentlicht die neuseeländische Regierung alle sechs Monate regelmäßig erhobene Daten über die Arbeit des öffentlichen Sektors. Dadurch könne jeder sehen, wo Verbesserungsbedarf besteht - und wo Erfolge erzielt wurden. Grundlage dafür sei ein voll integriertes Datensystem, mit dem sich langfristige Strategien umsetzen ließen, denn man müsse "verlässlich auf lange Sicht rechnen können."

Das Stichwort Digitalisierung griff Beate Lohmann vom Bundesministerium des Innern auf. Die Digitalisierung der Asylverfahren in Deutschland habe gezeigt, wie wichtig es ist, verschiedene Datenbanken zu zentralisieren und Behörden miteinander zu vernetzen: "Es reduziert die Bearbeitungszeit, wenn man Vorgänge nur einmal durchführen muss", sagte Lohmann. Standardisierung spare schließlich Kosten. Die öffentliche Verwaltung in Deutschland zu digitalisieren sei allerdings nicht trivial. E-Government müsse einfach, sicher, kompetent und schnell sein - was bei den vielen spezialisierten Behörden mit unterschiedlichen Aufgabenverteilungen auf Bundes- und Länderebene keine einfache Aufgabe sei, so Lohmann.

Open Data stelle einen der Schlüssel für Fortschritt und Vernetzung dar: Mit Daten, auf die alle zugreifen dürfen, könnten leichter Anwendungen entwickelt werden, um den Menschen das Leben zu vereinfachen. Zudem wären Daten universell einsetzbar. Ein weiteres Beispiel für eine deutsche Umsetzung von Kundenorientierung sei die Behördenrufnummer 115. Statt unzähliger Telefonnummern einzelner Verwaltungseinheiten könne jeder Bürger damit eine Menge Behördenvorgänge schnell und einfach telefonisch durchführen. Ein kleiner Ausblick auf die derzeitige Arbeit des BMI machte zudem deutlich, dass bei aller Digitalisierung auch auf die Daten-Sicherheit geachtet werde. Deswegen arbeite das Ministerium derzeit an einer neuen Cyber-Security-Strategy.

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Berlin Deutschland