Veranstaltungsberichte

„Boomtown“ bleiben und „Knowledge-valley“ werden

In Berlin-Adlershof entstehen aus Wissen Arbeitsplätze

Keine Frage: Der Standort Adlershof im Berliner Südosten boomt. Hier ist auf einer Fläche von 4,2 Quadratkilometern seit 1991 einer der erfolgreichsten Hochtechnologiestandorte Deutschlands entstanden. Kern ist ein Wissenschafts- und Technologiepark mit 400 Unternehmen, zwölf außeruniversitären wissenschaftlichen und sechs naturwissenschaftlichen Instituten der Humboldt-Universität zu Berlin.

Was ist das Erfolgsrezept? Wie kann es gelingen, mit dem Rohstoff Wissen Arbeitsplätze zu schaffen? Antworten auf diese Fragen gaben auf einer Diskussion der Reihe „Zukunftsblicke “ vor Ort Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft.

Die exzellente Forschungsarbeit sei das Schlüsselkriterium, so Prof. Dr. Heinz Riesenhuber, Bundesminister a.D. Er sagte: „Wenn die Forschung gut ist, sind alle anderen Dinge weniger dringlich.“

Dass auch die Infrastruktur einen entscheidenden Standortvorteil darstellt, machten die anderen Podiumsteilnehmer deutlich. Die Firma Telematic Solutions, siedelte sich deswegen in Adlershof an, weil „hier alle Dienstleister versammelt sind“, so ihr Geschäftsführer Günter Baumgarten. Zudem hätten die Gründerzentren zu einer schnellen und reibungslosen Integration beigetragen. Jürgen Schoefeld, Vorstandsvorsitzender der LensWista AG: „Die Anbindung von Zulieferfirmen, der Universität, von Industrie und Handwerk garantiere eine sichere Versorgung mit Arbeitskräften, Materialien und Dienstleistungen.“ Ein großes Plus sei auch die mit drei Flughäfen sehr gute Verkehrsinfrastruktur. „Wissenschaft schafft Industrie, Industrie braucht Infrastruktur“, so Schofelds Erfolgsformel.

Bei aller Euphorie würde sich Riesenhuber allerdings wünschen, dass die Vertreter der Wissenschaft sich noch offener für eine Kooperation mit der Wirtschaft zeigten. Leider stehe man sich hier mit der selbstauferlegten Devise der „Reinheit der Wissenschaft“ oft selber im Weg. Auf der anderen Seite gebe es Unternehmen, die nur die Förderung und die Infrastruktur nutzten und die ansässige Wissenschaft in ihre Arbeit nicht einbeziehen würden.

Die Teilnehmer waren sich einig, dass für einen langfristigen Erfolg des Standortes es zum einen wichtig sei, Forscher und Ingenieure voneinander noch abhängiger zu machen und stärker miteinander zu vernetzen. Heute geschehe dies z.B. schon „auf dem kleinen Dienstweg“, wie Prof. Dr. Ingolf V. Hertel, Direktor am Max-Born-Institut und Prof. Dr. Beate Meffert von der Humboldt-Universität Berlin berichteten. Unternehmen würden gerne kleinere Forschungsprojekte an Studenten abgeben, die so Praxisnähe erfahren könnten und gleichzeitig zu potenziellen zukünftigen Arbeitskräften heranwachsen würden.

Zum anderen muss sich auch der Standort Adlershof den Herausforderungen der Globalisierung stellen. Damit der Südosten Berlin „Boomtown“ bleibe und „Knowledge-valley“ werde, so Schofeld, bedarf es der Hilfe der Politik: „Die Unternehmen müssen alleine überlebensfähig sein und dürfen nicht von Investoren aufgekauft werden.“ Hardy Rudolf Schmitz, Geschäftsführer der WISTA-Management GmbH, betonte, dass es langfristig gelingen muss, auch große internationale Firmen nach Berlin zu locken. Vergangener und zukünftiger Arbeitsplatzabbau könne sonst nicht kompensiert werden. „Was nützt es der Stadt, wenn in Adlershof 900 Arbeitsplätze entstehen, wenn an anderer Stelle die gleiche Zahl verloren geht?“

Über diese Reihe

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Berlin Deutschland