KAS Kroatien

Veranstaltungsberichte

Aufklärung über die entstehenden Herausforderungen der Kriegsführung

von Marko Prusina

4. Zagreber Sicherheitsforum 2019

Die Konrad-Adenauer-Stiftung veranstaltete in Zusammenarbeit mit dem Institut für die Forschung der hybriden Kriegsführung vom 15. bis 16. März 2019 in Zagreb eine Sicherheitskonferenz über die hybriden Sicherheitsherausforderungen und –risiken. Unter Beteiligung zahlreicher kroatischer Politiker, NATO-Experten und Sicherheitsexperten unterschiedlicher Universitäten aus Südosteuropa, debattierte man über die aktuellen und zukünftigen Formen von hybriden Sicherheitsherausforderungen in Europa, wie Terrorismus, Cybersicherheit, Seeverkehrssicherheit, Umweltsicherheit, CBRN und die Sicherstellung von gefährdeter oder beschädigter kritischer Infrastruktur.

In Anwesenheit des Prof. Dr. Shlomo Shpiro von der Bar Ilan Universität und seiner Kollegen von unterschiedlichen Universitäten Südosteuropas, der Vertreter des NATO Strategic Communications Centre of Excellence, Heap, Bay und Svetoka, der kroatischen Professoren, Dr. Kasum, Dr. Mladineo, Dr. Vedriš, Dr. Belamarić und Dr. Mikac, der ret. Generale und Admirale, Col. Pinko, Dr. Lapid und Stošić, der Vertreter der europäischen Institutionen aus dem Sicherheitsbereich, u.a. der EU-Kommission, des European Corporate Security Association, EUROCLEAR, und anderer hochrangiger Referenten aus dem Sicherheitssektor wurden während des Sicherheitsforums drei Ansätze für den Umgang mit hybriden Bedrohungen angesprochen. Der erste wissenschafts-technologische Ansatz basiere auf einer Stellungnahme zur Wirksamkeit der Technologie und der Voraussetzung, dass bessere Technologien Bedrohungen wirksam begegnen können. Obwohl Technologien in den meisten Fällen Entwicklungstechnologien seien, sei ihr Hauptproblem das auch die besten Technologielösungen von Menschen, die sie erstellen, verwenden und interpretieren, abhängen würden. Dabei sei der menschliche Faktor entscheidend, der von Fehlern anfällig sei und nicht in der Lage die Unvollkommenheit des Systems zu erkennen und genaue Entscheidungen zu treffen. Der zweite theoretische Ansatz entwickele sich zwischen dem strategischen und dem taktischen Konzept, indem eine bessere Planung eine bessere und effektivere Verteidigung biete.

 

Anschließend erläuterten die Sicherheitsexperten drei Schlüsselelemente des theoretischen Konzepts: Prävention, Ernennung und Reaktion. Unter Prävention verstehe man klassische Formen präventiver Maßnahmen, die sich auf den Fähigkeiten und der Bereitschaft basieren, konventionelle militärische Verteidigungsgeräte nach Bedarf einzusetzen. Allerdings seien heutzutage klassische Verteidigungsmodelle irrelevant für moderne Konflikte. Ihre Anwendung stelle keine Lösung dar. In der heutigen digitalen Welt müsse man sich die Frage stellen, wie ein präventiver Schutz organisiert werden kann. Bei der Ernennung sei es notwendig sich auf zuverlässige und eindeutige Ernennung der Bedrohungsquelle von Hybridangriffen zu konzentrieren. Bisher sei es leicht gewesen, Quellen der Aggression sowie ihre Initiatoren zu bestimmen. Bei Cyber-Angriffen sei dies nicht der Fall. Sie seien gut verdeckt und der Angegriffenen sei des Angriffs in vielen Fällen gar nicht bewusst. Selbst wenn er des Angriffs bewusst wäre, könne häufig nicht ermittelt werden, wer wirklich hinter dem Angriff stehe bzw. wird der Angreifer/Planer sei. Deshalb sei es erfordernd intensiv zu arbeiten und die Fähigkeiten des Staates, des öffentlichen, privaten und akademischen Sektors zu integrieren, um Wege zu finden Hybridangriffe benennen zu können. Im Kontext der Reaktion verstehe man die Antwort auf einen Angriff. In Zeiten als das Ernennen des Angreifers eindeutig gewesen sei, konnte die Antwort auf den identifizierten Angreifer angepasst werden. Bei Hybridangriffen und Angreifern sei es in der Tat sehr anspruchsvoll und sogar mit üblichen Methoden fast unmöglich festzustellen, wer hinter dem Angriff stehe und auf welche Weise man reagieren solle. Doch, in gewisser Weise müsse ein Angriff beantwortet werden. Eine neue Realität bei der Verteidigung von Hybridangriffen erfordere eine Diskussion zu neuen ethnischen Fragen sowie die Notwendigkeit, Hybridregeln zu definieren, insbesondere des Cyberkriegs. Beim dritten praktischen Ansatz sei die Notwendigkeit betont, ein zuverlässiges System für ein wirksames Krisenmanagement, die Entwicklung anpassungsfähiger Strukturen und Krisenmanagementverfahren aufzubauen. Selbst die am wenigsten erwartete Krise könne eine qualitative Reaktion hervorbringen.

 

Während des zweitägigen Sicherheitsforums und im Rahmen von fünf Podiumsdiskussionen seien die zahlreichen kroatischen Politiker, NATO-Experten und Sicherheitsexperten unterschiedlicher Universitäten aus Südosteuropa zum Beschluss gekommen, dass hybride Bedrohungen gegenwärtige Bedrohungen seien und Reaktionen erfordern, die nicht nur auf technischen und technologischen Fähigkeiten beruhen, sondern auch Krisenmanagementsysteme einbeziehen. Weiterhin müsse das Krisenmanagement unter möglichst realistischen Bedingungen geplant, geschult und regelmäßig geübt werden. Dabei sei die internationale Zusammenarbeit kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Dies sei ein untrennbarer Bestandteil der Reaktion, da es sich bei hybriden Bedrohungen auch um globale Bedrohungen handelt. In diesem Kontext würden Selbsthilfelösungen die internationale Zusammenarbeit erschweren, genauso wie die Fragmentierung und Eindeutigkeit von Institutionen innerhalb einzelner Staaten.

 

In den Diskussionen kamen die Referenten nicht nur zu Beschlüssen, sondern boten auch Beschreibungen, Empfehlungen und Lösungen. In diesem Zusammenhang müsse man sich bei der technologischen Entwicklung auf Kernkompetenzen konzentrieren: Interoperabilität, Schulung und Zertifizierung. Die Referenten betonten dabei den erhöhten Bedarf an Standardisierung und das allgemeine Akzeptierten von Sicherheitsverfahren, Protokollen und Zertifikaten. Da sich 80% des Sektors für kritische Infrastruktur in den Industrieländern in den Händen privater Eigentümer und Sicherheitsunternehmen befinde, sollte der Privatsektor als gleichberechtigter Partner bei der Entwicklung und Umsetzung von Strategien und Taktiken für den Umgang mit hybriden Bedrohungen angenommen werden. Dabei solle man in dem Tätigkeitsbereich auch die akademische Gemeinschaft einbeziehen. Gerade das Ausbildungssystem sollte nicht innerhalb nationaler Rahmenbedingungen eingeschränkt werden, sondern auf ähnliche Weise wie entstehendes Katastrophenmanagementsystem entwickelt werden. Aus einer anderen Perspektive müsse man hybride Bedrohungen in Form von Operationen betrachten, die demokratische Gesellschaften betreffen, insbesondere im Bereich böswilliger Einflüsse auf Wahlen. Solche Einflüsse müssten eine Entwicklung des sozialen Widerstands, basierend auf einem gemeinsamen Ansatz des akademischen, staatlichen, öffentlichen und privaten Sektors, mit sich bringen. Desinformationsaktivitäten würden wiederum eine gewisse Vorbereitungszeit, um wirksam zu sein, erfordern. Der positive Effekt der Zusammenarbeit zwischen dem akademischen, staatlichen, öffentlichen und privaten Sektor solle in der Entwicklung einer wirksamen und zuverlässigen künstlichen Intelligenz für die Bedürfnisse von Aktivitäten im Bereich der sozialen Netzwerke sichtbar werden. Das Ziel sei hybride Bedrohungen und Angriffe zu identifizieren und Angreifer in einem frühen Stadium der Planung zu ernennen. Das gemeinsame Handeln der Sektoren im Bereich der Information und der digitalen Kompetenz und des kritischen Denkens, sei eine notwendige Voraussetzung der digitalen Souveränität auf nationaler und internationaler Ebene. Somit würde man die Demokratie sowie die Weiterentwicklung der Rechte und Freiheiten des Einzelnen und der Gesellschaft wahren. Am Ende der Diskussion stimmten die Referenten überein, dass es notwendig sei, ein System von international anerkannten und akzeptierten Regeln oder Konventionen des digitalen Konfliktes zu entwickeln. Hybride Konflikte sollten als Mittel zur Massenvernichtung behandelt werden.

Ansprechpartner

Holger Haibach

Holger Haibach

Leiter des Auslandsbüros Kroatien

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