Veranstaltungsberichte

Eine Buchseite ist wie eine Theaterbühne

von Christian Schleicher

Lesung mit Reinhard Jirgl

Reinhard Jirgl, der große Chronist deutscher Vergangenheit und Gegenwart, hat im Rahmen der Reihe „Akademielesung“ aus seinem Buch „Die Unvollendeten“ gelesen.
Jirgl
Christian Schleicher (stellv. Leiter der Akademie) und Reinhard Jirgl (r.)

Darin beschreibt er die Vertreibungen aus dem Sudetenland und das Berlin der Gegenwart. Jirgl erzählt die Geschichte von vier Frauen aus der Kleinstadt Komotau im Nordwesten Böhmens, die den Zweiten Weltkrieg überlebten: die siebzigjährige Johanna, deren Töchter Hanna und Maria und die siebzehnjährige Enkelin Anna. Es ist eine Familiensaga von Heimatlosen, die der Verlust bis heute nicht los lässt. Das Buch beschreibt die Auswirkungen des Heimatverlustes sowohl auf die direkt betroffenen Personen als auch auf die nachfolgenden Generationen.

In der Diskussion wurde die Frage erörtert, woher die unkonventionellen, teilweise „lautmalerische“ Rechtschreibung und eigene Zeichen-Nomenklatur, die den Text als Körper sichtbar modelliert, herrührt. Jirgl betonte, dass er seine Bücher dadurch dreidimensional gestalten möchte und Buchseiten wie eine Theaterbühne betrachtet. Deshalb hat er sich eine Art Geheimschrift mit einer ganz eigenen Orthographie geschaffen. So ist er in der Lage, lautmalerisch Bilder und Landschaften zu entwerfen.

Über diese Reihe

Die Konrad-Adenauer-Stiftung, ihre Bildungsforen und Auslandsbüros bieten jährlich mehrere tausend Veranstaltungen zu wechselnden Themen an. Über ausgewählte Konferenzen, Events, Symposien etc. berichten wir aktuell und exklusiv für Sie unter www.kas.de. Hier finden Sie neben einer inhaltlichen Zusammenfassung auch Zusatzmaterialien wie Bilder, Redemanuskripte, Videos oder Audiomitschnitte.

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erscheinungsort

Berlin Deutschland