KAS – Rainer Unkel

Veranstaltungsberichte

Helmut Kohl - Erster gesamtdeutscher Bundeskanzler

Veranstaltungsbericht unseres Webinars auf Zoom

Zu Beginn des Webinars begrüßte Tillmann Bauer die Teilnehmer und stellte die Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. vor. Teilnehmer aus ganz Deutschland hatten sich für diese Veranstaltung angemeldet, um verschiedene Einblicke über Helmut Kohl als ersten gesamtdeutschen Kanzler zu bekommen. Hierzu wurde er von zwei Perspektiven betrachtet, nämlich einmal Kohls Rolle innerhalb des Prozesses der Wiedervereinigung Deutschlands und die Einflüsse auf seine Politik durch dessen Persönlichkeit. 

Nachdem Herr Bauer die Referenten vorgestellt hatte, übergab er das Wort and Prof. Dr. Mario Voigt, den Vorsitzenden der CDU-Fraktion im Thüringer Landtag. Er äußerte, dass Helmut Kohl für ihn die Ursache darstellte, später selbst politisch aktiv zu sein. Auch betonte er, dass ohne die nachhaltige Initiative Kohls eine Wiedervereinigung wohl nicht oder zumindest nicht so schnell zustande gekommen wäre. Kohl hat verstanden, dass die Rufe der DDR-Bevölkerung „Wir sind das Volk“, welche die Forderung nach Demokratie beinhielten, gleichzeitig auch bedeuteten „Wir sind ein Volk“, und somit die Wiedervereinigung ein notwendiger und von weiten Teilen der Bevölkerung auch erstrebenswerter Schritt nach dem Fall der Mauer darstellte. 

Des Weiteren sprach nun Herr Prof. Dr. Werner J. Patzelt, Politikwissenschaftler und ehemaliger Dozent an der TU Dresden. In seinem Vortrag ging er gezielt auf den Zusammenhang von Persönlichkeit und Politik ein, wobei die Frage von Bedeutung ist, ob Menschen durch Politik die Geschichte beeinflussen oder ob Geschichte eher die Politik der Menschen beeinflusst. Dabei hielt er fest, dass zwei Vorbedingungen dazu führen, dass Politiker historische Bedeutung erlangen. Erstens müssen sie in eine Position „mit Hebelwirkung“, also mit relevanter Entscheidungsmacht, gelangen. Zudem müssen die aktuellen festen gesellschaftlichen Strukturen flexibel und formbar werden, sozusagen „ins Wanken geraten“. Beides trat auf Helmut Kohl durch den Zusammenbruch der Sowjetunion zu, weswegen er einer der erfolgreichsten Bundeskanzler Deutschlands wurde. 

Folgend analysierte Patzelt die Tätigkeit Kohls anhand der fünf Dimensionen eines guten Staatsmannes von Niccolò Machiavelli. Dazu erklärte er zunächst die Begriffe virtù (Tatendrang, Charisma), fortuna (Glück), necessità (Notwendigkeit), occasione (Gelegenheit) und calidad dei tempi (Anpassungsfähigkeit an die Situation/Zeit). Neben der Erfüllung dieser Prämissen zeichnete sich die Tätigkeit Kohls laut Patzelt zusätzlich durch eine Begabung zum politischen Anführen aus, sowie den Mut und den Willen Verantwortung zu übernehmen. Auch sammelte Kohl eine „tüchtige Gefolgschaft“ um sich, welche von Loyalitätsansprüchen und Förderung geprägt war. Des Weiteren gehörte für Kohl die Geschichte mit der Gegenwart zusammen, sowie auch der Aufbau belastbarer politischer Beziehungen. So gelang es ihm, persönliches Vertrauen als Substitution für politisches Misstrauen einzusetzen. Abschließend betonte der Referent, dass leider die Darstellung Kohls in den Medien seinen Ruhm schmälerten, der doch gerade im Bezug der deutschen Einheit eine geschichtliche Größe Deutschlands ist. 

Besonders interessant war auch anschließend der Bericht Franz-Josef Binderts, dem Ministerialdirigenten a.D. und ehemaligem Büroleiter Helmut Kohls. Zunächst ging Herr Bindert auf die Einflüsse des Politikers ein, der sehr geprägt war von seiner Familie, seinem Glauben, der Kriegs- und Nachkriegszeit und der Historie insgesamt. All diese Dinge veranlassten Kohl dazu, eine den Menschen zugewandte Politik zu machen, die er durch seine „zweite Familie“ – die CDU – moderierte. Deshalb war er auch ein großer Versöhner innerhalb der Partei, der stehts auf das Zusammenhalten aller Flügel der CDU bedacht war. 

Aus dem geschichtlichen Wissen heraus betrachtete Kohl Europa als Weg, den Frieden zu erhalten. Somit fokussierte sich der Kanzler besonders auf die kleinen europäischen Länder und pflegte die Beziehungen der Menschen in Ost- und Westeuropa. Abschließend betonte Herr Bindert, dass die Verdienste Helmut Kohls nur ungenügend gewürdigt werden, gerade im Bezug auf die deutsche Einigung als Stabilitätsanker Europas nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. 

Den Teilnehmern wurde die Möglichkeit geboten, über die Chat-Funktion fortlaufend Fragen zu stellen, welche im Anschluss an die Vorträge in der Diskussion von Herrn Bauer vorgetragen wurden. Die Fragen befassten verschiedene Themenkomplexe, wie etwa die verschiedenen Sichtweisen in Ost- und Westdeutschland auf Helmut Kohl, seine Verbindung mit Schäuble oder die Aufarbeitung der DDR- Geschichte. Die beiden Referenten gingen auf alle Fragen umfänglich ein.  Abschließend wies Herr Bauer auf folgende Seminare hin. 

Über diese Reihe

Die Konrad-Adenauer-Stiftung, ihre Bildungsforen und Auslandsbüros bieten jährlich mehrere tausend Veranstaltungen zu wechselnden Themen an. Über ausgewählte Konferenzen, Events, Symposien etc. berichten wir aktuell und exklusiv für Sie unter www.kas.de. Hier finden Sie neben einer inhaltlichen Zusammenfassung auch Zusatzmaterialien wie Bilder, Redemanuskripte, Videos oder Audiomitschnitte.

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erscheinungsort

Erfurt