Veranstaltungsberichte

Internationales Forum

Autor: Michael Hrapak

Die Kultur der Erinnerung und die Lehren des historischen Gedächtnisses im Zusammenhang mit den Problemen der modernen Welt

Jüdisches Autonomes Gebiet

 

Das Jüdische Autonome Gebiet (Jewreiskaja awtonomnaja oblast) ist eine autonome Verwaltungsregion mit etwa 176.000 Einwohnern in Russland, die sich im Föderationskreis Ferner Osten befindet und an die Volksrepublik China grenzt. Neben Israel ist die Jüdische Autonome Oblast das einzige jüdische administrative-territoriale Gebiet mit formalem Rechtsstatus. Trotz dessen sind laut offiziellen Statistiken mittlerweile lediglich 0,9% der Bevölkerung in der Region jüdischer Abstammung. Mit Abstand den größten Teil der Bevölkerung machen ethnische Russen mit über 90% aus. Weitere ethnische Minderheiten in der Jüdisch Autonomen Oblast sind beispielsweise die Ukrainer, Tataren und Weißrussen.

 

Ende der 1920er-Jahre hatte die sowjetische Regierung das Ziel vor Augen, in der Biro-Bidschaner Region ein jüdisch-sowjetisches Zion zu errichten. Auf der einen Seite sollte damit eine Alternative zum westlichen Zionismus und der Auswanderung nach Palästina geschaffen werden. Auf der anderen Seite sollte die judenfeindliche Stimmung im Land durch die gezielte Errichtung eines eigenen Siedlungsgebietes für die jüdisch stämmige Bevölkerung kanalisiert und gleichzeitig eine gewisse Sicherheitszone gegenüber den expansiven Machtbestrebungen Chinas geschaffen werden. Ins Stocken geraten kam das Projekt im Zuge des großen Terrors unter Stalin, wo sich vermehrt die jüdische Bevölkerung unter den Leidtragenden befand. Nach dem Tode Stalins endeten die letzten Bestrebungen zur Ansiedlung der jüdischen Bevölkerung in der Region. Den höchsten Anteil an jüdischer Bevölkerung erzielte man mit einem Drittel nach dem zweiten Weltkrieg.

 

In der Hauptstadt der Jüdisch Autonomen Oblast, Birobidschan, führte das Auslandsbüro der Konrad-Adenauer-Stiftung in Russland gemeinsam mit dem Pädagogischen Verein der Jüdischen Autonomen Region vom 15.-16. Oktober das Internationale Forum „Die Erinnerungskultur und die Lehren aus dem Historischen Gedächtnis im Kontext der modernen Welt“ durch. Dabei lag der Schwerpunkt auf der Erinnerung an den Holocaust. Die Teilnehmer des Forums waren sich einig, dass mit Hilfe einer ausgeprägten Erinnerungskultur, die entsprechenden Lehren aus den Fehlern der Geschichte gezogen werden.

Über diese Reihe

Die Konrad-Adenauer-Stiftung, ihre Bildungsforen und Auslandsbüros bieten jährlich mehrere tausend Veranstaltungen zu wechselnden Themen an. Über ausgewählte Konferenzen, Events, Symposien etc. berichten wir aktuell und exklusiv für Sie unter www.kas.de. Hier finden Sie neben einer inhaltlichen Zusammenfassung auch Zusatzmaterialien wie Bilder, Redemanuskripte, Videos oder Audiomitschnitte.