Veranstaltungsberichte

Zukunft der Journalisten-Ausbildung

Podimusdiskussion anlässlich "30 Jahre Jona"

Verantwortung, Qualität, Überzeugung – mit diesen Lernzielen will die Journalisten-Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung junge Menschen für einen Beruf in den Medien vorbereiten. Anlässlich des 30-jährigen Bestehens der Akademie bezeichnete Michael Thielen, Generalsekretär der Konrad-Adenauer-Stiftung, diesen Dreiklang als das besondere Merkmal der Ausbildung. „Überzeugung und Unabhängigkeit schließen sich nicht aus“, betonte er in seiner Ansprache vor rund 150 Stipendiaten und Absolventen des Programms.

Auch in Deutschland gebe es handwerklich schlechten Journalismus, jedoch kein umfassendes Qualitätsproblem im Medienbereich, sagte Thielen. Dennoch sei die Nachwuchsarbeit wichtig. „Die Ausbildung in der Journalisten-Akademie ist mit der Parteinahme für eine Idee verbunden“, so Thielen. Es handle sich um eine Parteinahme für Demokratie und Pluralität, für eine Marktordnung mit menschlichem Antlitz und für die europäische Idee. „Diese Überzeugung, dieser feste Standpunkt unterstützt die Unabhängigkeit eines Journalisten“, sagte der Generalsekretär der KAS.

Verbunden mit einem Dank an die Verantwortlichen und Mitarbeiter der Journalisten-Akademie versprach Thielen, dass das Ausbildungsprogramm sich weiterhin auf der Höhe der Zeit bewegen werde. „Tradition ist die Weitergabe des Feuers, nicht die Anbetung der Asche“ – dieses Zitat von Gustav Mahler gab Thielen der Journalistischen Nachwuchsförderung zum Abschluss seiner Rede mit auf den weiteren Weg.

Wie dieser Weg aussehen könnte, darüber unterhielten sich im Anschluss fünf ausgebildete Journalisten bei einer Podiumsdiskussion unter der Leitung des Altstipendiaten Thorsten Alsleben vom ZDF Hauptstadtstudio. Jan-Eric Peters, der sich als Direktor der Axel-Springer-Akademie ebenfalls mit der Ausbildung von Journalisten beschäftigt, geht davon aus, dass die Grundlagen der Ausbildung auch in Zukunft gleichbleiben, während sich das Handwerkszeug stetig verändert. „Während der Ausbildung sollte der Journalist alle diese Werkzeuge kennenlernen. Ziel ist es dabei nicht, die eierlegende Wollmilchsau zu erschaffen, sondern dass die Redaktion als Ganzes alle Darstellungsformen abdecken kann.“ Bei den Bewerbern für seine Akademie beobachtet Peters eine deutlich größere Offenheit gegenüber neuen Medien als noch vor einigen Jahren. Dennoch verfolgten noch zu viele davon das Ziel einer Karriere im Printbereich, so Peters.

Harald Zulauf, Geschäftsführer des Kommunikationsberaters Media Consulta, sieht vor allem im Bereich des Internet-TV großes Potential für den Journalismus. Gleichzeitig erinnerte er daran, dass öffentliche Meinungsbildung nach wie vor durch die klassischen Medien entsteht. „Fernsehen und die großen Zeitungen spielen nach wie vor die wichtigste Rolle. Dies wird sich ändern, aber erst in zehn bis zwanzig Jahren“, so Zulauf.

„Multimedial wird die Zukunft sein“, so auch die Überzeugung von Joachim Frank, dem stellvertretenden Chefredakteur des Kölner Stadt-Anzeigers. Reine Printjournalisten seien ein „Auslaufmodell“, auch ältere Kollegen müssten sich daher fortbilden. „Durch das Internet konnten wir unsere sinkende Printreichweite ausgleichen und inzwischen insgesamt sogar ausbauen“, so Frank. Die durch diesen Umbruch verursachten Finanzeinbußen seien allerdings problematisch.

Für Greta Taubert, eine der diesjährigen Absolventinnen der Journalistischen Nachwuchsförderung, liegt in den unzureichenden Finanzierungskonzepten für das Internet ebenfalls ein Hauptproblem. „Junge Journalisten bringen die vielfältigen Anforderungen für Qualität im Internetbereich mit, was fehlt ist die adäquate Bezahlung, beispielsweise für den Mehraufwand bei Bildergalerien“, so Taubert. Harald Zulauf sieht diesen Bereich wenig optimistisch: „Die Medien haben sich mit dem Onlinebereich ein Instrument ins Haus geholt, mit dem sie nie Geld verdienen werden.“

Für Joachim Frank bringt die Konkurrenz durch Blogger und Bürgerjournalismus im Internet dagegen die Chance für die Reflexion des journalistischen Selbstbildes mit sich. Die Medien hätten kein Vermittlungsmonopol mehr, „daher müssen sie die Informationen noch sorgfältiger filtern und glaubwürdig bleiben.“ Claudia Nothelle, die zukünftige Programmdirektorin des RBB, forderte für den Prozess der Selbstreflexion mehr Nachdenken über die journalistische Ethik. In der Ausbildung werde die Ethik in Laborsituationen geschult. „In der journalistischen Realität ist Ethik dann auf einmal wahnsinnig schwer. Dabei ist sie für den Journalismus keine Luxus-, sondern eine Überlebensfrage.“

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