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Armut in den Medien

Das Thema kommt in lateinamerikanischer Berichterstattung zu kurz

Eine sechsmonatige Studie des Medienprogramms Lateinamerika der Konrad-Adenauer-Stiftung zeigt, dass die Problematik der Armut in lateinamerikanischen Printmedien vernachlässigt wird.

Dabei geht zum einen die Schere zwischen Arm und Reich auf dem Subkontintent trotz eines gut fünfprozentigen Wachstums im Durchschnitt weiter auseinander. Zum anderen taucht das Thema Armut besonders in den Statements der Politiker und in den Wahlkämpfen Lateinamerikas häufig auf. Dennoch befassen sich damit weniger als ein Prozent der Meldungen in lateinamerikanischen Tageszeitungen.

Diese Diskrepanz deckte eine jüngst abgeschlossene Studie der Global News Group in Zusammenarbeit mit dem Medienprogramm Lateinamerika der Konrad-Adenauer-Stiftung auf. Die ersten Ergebnisse wurden am vergangenen Freitag auf dem internationalen Kongress der argentinischen Journalistenorganisation FOPEA vor rund 250 renommierten und investigativen Journalisten sowie Akademikern aus Lateinamerika und den USA präsentiert.

In der Studie wurden rund 2400 Nachrichten von jeweils drei Tageszeitungen aus sieben Ländern der Region mit qualitativen und quantitativen Methoden untersucht. Wichtige Aspekte waren dabei nicht nur die Anzahl der Meldungen, auch die Form der Berichterstattung, das Profil der Autoren sowie die benutzten Informationsquellen. Die Studie zeigte, dass nur 20 Prozent der ausgewählten Artikel, die das Thema Armut aufgreifen, dies in direkter Weise unternehmen.

Es gibt große Unterschiede nicht nur zwischen Ländern, sondern auch unter den verschiedenen nationalen Tageszeitungen. Mexiko, Brasilien und Argentinien berichten zwar quantitativ am meisten über Armut. Doch die inhaltlich vielseitigeren Berichte finden sich in zwei Andenstaaten: in Peru und teilweise auch in Bolivien. Die untersuchten peruanischen Medien bringen bessere Hintergundinformation, nennen verschiedene Lösungsansätze und Gründe für die Produktion und Reproduktion von Armut. Die Wirtschaftszeitungen widmen sich dem Thema in allen sieben untersuchten Ländern am wenigsten und bearbeiten es darüberhinaus eher stereotyp.

Hintergrund für diese Studie war die Fragestellung, wie Medien als Teil der Elite ihren Teil der sozialen Verantwortung wahrnehmen, wenn es darum geht, Phänomene der Armut zu beschreiben, strukturelle Ursachen dafür zu analysieren, sowie Auswege aufzuzeigen.

Die Studie soll im nächsten Jahr fortgesetzt werden. Sie verfolgt einen doppelten Ansatz: Zum einen geht es darum, das Bewusstsein für eine offenbar sehr ausbaufähige Berichterstattung zur Armut zu schärfen. Zum anderen zielt diese Untersuchtung darauf, die Debatte zur Armutsbekämpfung wiederzubeleben, damit das Thema nicht zum hohlen Wahlkampfslogan verkümmert, sondern zu nachhaltigen und handlungsorientierten Konzepten anregt.

Über diese Reihe

Sammlung aller Einzelpublikationen, welcher keiner spezifischen Publikationsreihe angehören.

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Herausgeber

Konrad-Adenauer-Stiftung e.V.

erscheinungsort

Argentinien Argentinien