Einzeltitel

Cyberpolitik 2008

Zusammenfassung der Ergebnisse einer Studie von Carmen Beatriz Fernández

Im Jahr 2007 und bis zum heutigen Tag des Jahres 2008 fanden in Iberoamerika insgesamt vier wichtige Präsidentschaftswahlen statt: in Argentinien, Guatemala, Spanien und Paraguay. Inwiefern und in welchem Maße wurde in diesen Ländern die politische Kommunikation im Wahlkampf von den neuen Medien beeinflusst? Inwieweit beeinflussten die neuen Medien die Wahlkampagnen?

Das Internetportal e-lecciones.net führte in Zusammenarbeit mit dem Medienprogramm Lateinamerika der Konrad-Adenauer-Stiftung eine Studie durch, welche die Cyberpolitik-Studie aus dem vergangenen Jahr ergänzt. Die Untersuchungen legen ihren Fokus auf die neuen Medien als ein wichtiges Instrument der heutigen Gesellschaft. Bei dieser Studie wird zum Schluss ein wichtiger Vergleich mit den diesjährigen Wahlen in Spanien vorgenommen.

Die Ergebnisse der Untersuchung beruhen auf einer Analyse von insgesamt 254 Online-Umfragen, die über das Portal e-lecciones.net durchgeführt wurden. Es handelte sich dabei um selbst durchgeführte Interviews in einem Erhebungszeitraum zwischen dem 1. Juli und dem 5. November 2008. Die Teilnehmer wurden mit Hilfe von Bannern, Email-Einladungen oder durch Listen unserer Partner angeworben.

DIE NACHFRAGE NACH DEN NEUEN MEDIEN STEIGT, DIE DES FERNSEHENS SINKT

Zu den wichtigsten Ergebnissen der diesjährigen Umfrage gehört die Erkenntnis, dass bei der Suche nach politischen Informationen das Internet mit den Zeitungen gleichgesetzt wird. Dies ist für das Internet eine bemerkenswerte Bedeutungszunahme. Lag das Internet vor einem Jahr noch an dritter Stelle, schließt es heute mit den Zeitungen gleichauf und versetzt das Fernsehen auf Platz drei. Auf die Frage: „Welches ist der beste Weg für einen Präsidentschaftskandidat in POSITIVER Weise auf sich aufmerksam zu machen?“ wurde an erster Stelle das Fernsehen genannt (58%), an zweiter Stelle sahen die Befragten die konventionelle Methode des direkten Kontakts zu den Wählern als besten Kommunikationsweg an (32,3% für politische Aktionen) und nur an dritter Stelle wurde die Nutzung neuer Informations- und Kommunikationstechnologien (31,5% für eine Internetseite) genannt.

Im Zusammenhang mit der Wahlumfrage aus dem Jahr 2006 ist es bemerkenswert, wie sehr die Wahrnehmung der NEUEN MEDIEN als bestes Kommunikationsmittel zu Lasten der traditionellen Medien gestiegen ist. Allerdings variieren diese Ergebnisse sehr stark je nach Gesellschaft: in Spanien und Argentinien stechen die neuen Medien beispielsweise noch mehr hervor als in den anderen Untersuchungsländern.

Das Untersuchungsergebnis deckt sich auch mit anderen globalen Trends: so stellt eine aktuelle Studie von McKinsey fest, dass das Fernsehen im Vergleich mit den neuen digitalen Medien an Bedeutung verloren hat. In den letzten zehn Jahren seien die Werbekosten des Fernsehen um 40% gestiegen, während die Anzahl der Werberezipienten um 50% zurückgegangen sei. Ein Jugendlicher verbringe nur halb so viel Zeit vor dem Fernseher wie ein Erwachsener, während er dagegen 600% mehr Zeit als ein Erwachsener zum Surfen im Internet verbringe.

Um auf unsere Studie zurückzukommen, so ist nach wie vor das Fernsehen als dominantes Medium anzusehen, auch wenn der Wert im Vergleich zu den Ergebnissen von vor einem Jahr von 66% auf 58% gesunken ist. Im gleichen Zeitraum sind die Ergebnisse für Presse und Radio relativ stabil geblieben. „Radio- und Fernsehwerbung sind in Verruf geraten und bewirken allgemein eher das Gegenteil der beabsichtigten Wirkungen“, äußerte sich einer der Befragten. Dagegen wuchs die Zustimmung der neuen Medien als eines der besten Mittel der politischen Kommunikation: besonders stieg der Stellenwert von Blogs, von 9,5% auf 24,4%, und die Bewertung von politischen Kampagnen-Videos auf Internet-Plattformen wie YouTube, von 8% auf 16%.

DIE BESTEN NEUEN MEDIEN

Die Befragten wurden gebeten die digitalen Medien nach ihrer Nützlichkeit zu bewerten; von 1 = nicht nützlich bis 3 = sehr nützlich für politische Kommunikation. Als favorisierte Kommunikationsmittel wurden Internetseiten und die Verwendung von Emails genannt (ihre Werte lagen im positiven Bereich sowohl bei der Bewertung für innerpolitische Kommunikation, als auch für die Kommunikation mit dem Wähler sowie die reine Informationsverbreitung über Kampagnenaktivitäten). Dicht gefolgt wurden auch Blogs und SMS als nützlich bewertet.

Als weniger nützlich wurden, ähnlich wie bei der Umfrage im letzten Jahr, die neuen Medien Podcast und Online-Fundraising eingestuft. Sicher scheint, dass Online-Spenden gerade in den Ländern, wo eine Politikspendenkultur wenig ausgereift ist, nicht die beste Form des Internets ist. Im Gegensatz zu den kürzlich stattgefundenen US-Präsidentschaftswahlen, bei denen Obama seinen Erfolg unzählig vielen kleinen Spendern zu verdanken hat, die vor allem online geworben wurden und ebenfalls online ihre Gelder spendeten.

Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass die neuen Medien im Vergleich zu den konventionellen Medien immer mehr an Bedeutung gewinnen. Ganz besonders trifft diese Aussage auf die politische Kommunikation zu, was sich anhand unserer qualitativen Umfrage wiederholt bestätigte. „Viele politische Parteien und Kadidaten haben die zahlreichen Möglichkeiten der neuen Technologien noch nicht ausreichend erschöpft. Nämlich die Möglichkeit nicht nur ihre Botschaften zu verbreiten, sondern in einen interaktiven Dialog mit dem Wähler zu treten –ganz im Sinne des Modell Web 2.0.“ Zu oft komme es vor, dass „die Parteien nach der Logik des zwanzigsten Jahrhunderts für die Bürger des einundzwanzigsten Jahrhunderts handeln“, sagte einer der Befragten.

Über diese Reihe

Sammlung aller Einzelpublikationen, welcher keiner spezifischen Publikationsreihe angehören.

Bestellinformationen

Herausgeber

Konrad-Adenauer-Stiftung e.V.

erscheinungsort

Argentinien Argentinien