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Migration und der neue amerikanische Nationalismus

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe "KACIRSS Frühstück", begrüßte das Konrad Adenauer Center for International Relations and Security Studies im September den Experten James F. Hollifield. Fokus des KACIRSS-Frühstück lag auf der Migration in den USA und dem neu aufkommenden amerikanischen Nationalismus als Belastungsprobe für die amerikanisch-mexikanischen Beziehungen.

In seinem Impulsvortrag, referierte Hollifield über die aktuellen Migrations-Tendenzen in den USA sowie über den aufkommenden Nationalismus in der amerikanischen Gesellschaft während der Trump-Regierung und dessen Bedeutung für die Beziehungen zum Nachbarland Mexiko.

Dabei machte Hollifield deutlich, dass trotz der weltweit erhöhten Mobilität und der vermehrten Migration nicht von einer Migrationskrise gesprochen werden kann. Die Personen, die als Migranten bezeichnet werden können, machen nur einen kleinen Teil der Weltbevölkerung aus (aktuell ca. 250.000.000 Personen). Des Weiteren betonte er, dass ein Land von der Migration in vielen Bereichen profitiert, da beispielsweise neue Jobs geschaffen, mehr Steuern gezahlt werden und so der Wohlstand eines Landes zweifelsfrei steigt. Als Beispiel führte er an, dass nahezu 50% des US-Arbeitsmarktwachstums seit 1995 den Einwanderern zu verdanken ist. Zudem wird das gesamte amerikanische Arbeitskräftewachstum der nächsten zwei Jahrzehnte von Zuwanderern und deren Kindern bestimmt werden.

Gleichzeitig werden die genannten Vorteile in vielen Teilen der Welt und vor allem in den USA nicht positiv wahrgenommen. Trotz jahrzehntelanger, auf Einwanderung beruhender, Erfolgsgeschichte, gab es in den USA schon immer eine gewisse Abneigung gegen Menschen bestimmter Herkunft, so Hollifield. Die Antiimmigrationsbewegungen sind kein neues Phänomen, sondern schon fast so alt wie die Nation selbst und gehen Hand in Hand mit den verschiedenen Einwanderungswellen: waren es Ende des 18. Jahrhunderts die Europäer und bis Anfang des 20. Jahrhunderts noch Einwanderer aus Asien, werden seit den 1920er Jahren Migranten aus Mexiko als Gefahr gesehen. Die gegenwärtige (und frühere) Feindseligkeit gegen Einwanderer beruht auf negativen Stereotypen bestimmter Einwanderergruppen und darauf, wie diese Gruppen von politischen Parteien und Massenmedien dargestellt werden. Ohne Zweifel fand diese Entwicklung mit dem Attentat vom 11. September einen weiteren Höhepunkt mit der Folge, dass Migration als Gefahr für die innere Sicherheit kategorisiert wurde. Vor diesem Hintergrund stellt Donald Trump‘s „America First“-Politik kein neues Phänomen dar. Vielmehr wiederholt sich derzeit der gleiche Regierungsstil der 1920er Jahren, so Hollifield. Dieser zeichnet sich aus durch Nationalismus und Rassismus, Protektionismus und Isolationismus.

In Bezug auf Mexiko betonte der Experte, dass die Zahl der mexikanischen Einwanderer in die USA - und besonders die illegale- zunehmend abnehme und die Zahl der Rückkehrer mittlerweile grösser sei. Zunehmend würden mehr Migranten aus China und dem nördlichen Dreieck Mittelamerikas, also Guatemala, Honduras und El Salvador, stammen. In der anschließenden Diskussionsrunde Stand der Referent den anwesenden Experten, Diplomaten und Parteivertretern Rede und Antwort. Dabei appellierte James Hollifield an die anwesenden Gäste, dass Mexiko eine Führungsrolle in der Region einnehmen muss, um die Situation in Zentralamerika zu verbessern und somit die Flüchtlingsströme zu verringern. Dies soll vor allem in Kooperation mit den USA passieren.

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Sammlung aller Einzelpublikationen, welcher keiner spezifischen Publikationsreihe angehören.