Forschungen und Quellen zur Zeitgeschichte

General Lucius D. Clay und die amerikanische Deutschlandpolitik 1945-1949

von Wolfgang Krieger
Lucius D. Clay (1897–1978) gehörte mit Adenauer und Schumacher zu den Gründern der Bundesrepublik Deutschland.

Als Chef der amerikanischen Militärregierung hatte er maßgeblichen Anteil an der Entwicklung von der bedingungslosen Kapitulation bis zur Verabschiedung des Grundgesetzes. Unter seiner Leitung wurde rasch amerikanische Wirtschaftshilfe gewährt, um die deutsche Wirtschaft wieder in Gang zu bringen.

Lange und hartnäckig befürwortete Clay eine Verständigung der USA mit der Sowjetunion. Aber schließlich organisierte er die „Luftbrücke“ zur Rettung der Westsektoren Berlins. Mit Entschlossenheit und Umsicht dirigierte er diese erste militärische Konfrontation der beiden Supermächte. Der Kalte Krieg war ausgebrochen. Nun galt Deutschland als Verteidigungslinie gegen die Sowjetunion.

Die Westdeutschen wurden politisch und ökonomisch am kurzen Zügel gehalten. Trotzdem erinnern sie sich dankbar an den drahtigen, hochintelligenten Armeegeneral, der beim Abschied von Berlin feuchte Augen hatte. Unter seiner Ägide entstand die deutsch-amerikanische Freundschaft, die seither den Kern der atlantischen Gemeinschaft ausmacht.

Was man jedoch in Festreden oft verschweigt, sind Interessengegensätze, die es damals gab. Ein derart rosiges Clay-Bild hält jedenfalls der Nachprüfung des kritischen Historikers nicht stand. Clay setzte gegen heftigste deutsche Proteste die Demontage von Industrieanlagen durch, er bestand auf einer harten Bestrafung aller an den Nazi-Verbrechen Beteiligten und den Großindustriellen sowie vielen der scheinbar mühelos zu Demokraten gewandelten Politiker trat er mit Misstrauen entgegen.

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Über diese Reihe

In der Reihe „Forschungen und Quellen zur Zeitgeschichte“ veröffentlicht das Archiv für Christlich-Demokratische Politik seit 1980 wissenschaftliche Studien zur Christlichen Demokratie, Darstellungen zur Geschichte der Bundesrepublik und der CDU sowie Biographien wichtiger Repräsentanten. Zu den 50 bisher erschienen Büchern zählen auch Quelleneditionen, wie Protokolle von Parteigremien oder Tagebücher von einflussreichen Politikern. Die Publikationen sind im Buchhandel erhältlich.

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Herausgeber

Günter Buchstab, Klaus Gotto, Hans Günter Hockerts, Rudolf Morsey und Hans-Peter Schwarz

ISBN

3-608-91443-9

erscheinungsort

Düsseldorf Deutschland

seitenzahl

560