kurzum

Deutschland – das innovativste Land der Welt?

von Norbert Arnold , Eric Steilmann
Viele Indikatoren sprechen für die innovative Leistungsstärke Deutschlands. Das Weltwirtschaftsforum sieht Deutschland sogar auf Platz 1 in Bezug auf Innovationsfähigkeit. Trotzdem sind weitere Anstrengungen geboten, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Dies gilt auch für Wissenschaft und Forschung, die am Beginn der Innovationskette stehen. Das Wissenschaftsnetzwerk der Konrad-Adenauer-Stiftung hat dazu Handlungsempfehlungen erarbeitet.

Das Weltwirtschaftsforum (WEF) ermittelt jährlich die internationale Wettbewerbsfähigkeit von 140 Volkswirtschaften. Untersucht werden zwölf Aspekte. Weltweit führend ist Deutschland im Bereich „Innovationsfähigkeit“. Ausschlaggebend dafür sind u. a. die große Zahl an angemeldeten Patenten und die ausgeprägte Kundenzufriedenheit bei deutschen Produkten. Auch auf anderen Feldern nimmt Deutschland Spitzenplätze ein (Global Competitiveness Report 2018, viii, 28 f., 239–241).

Dass Deutschland im Bereich Innovation weltweit führend ist, liegt auch an den jährlich steigenden Innovationsausgaben von Unternehmen. Allein im Jahr 2016 beliefen sie sich auf 158,8 Milliarden Euro. Kein anderes Land in Europa investiert so viel in Innovationen. Die Erfolge sind sichtbar: Allein mit Produktinnovationen wurden im Jahr 2016 über 700 Milliarden umgesetzt, Tendenz steigend. Ein ähnlicher Trend ist für die Anmeldung von marktrelevanten Patentanmeldungen zu verzeichnen. Hier liegt Deutschland, in Relation zur Einwohnerzahl, sogar vor den Vereinigten Staaten (Bundesbericht Forschung und Innovation 2018, 15 f.).

Die erzielten Erfolge dürfen indes nicht zu Untätigkeit führen. Die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) warnt in ihrem Jahresgutachten 2018, sich zu stark auf die Förderung der aktuellen Stärken der deutschen Wirtschaft zu fokussieren. Dies könnte sich als hinderlich für die Erschließung neuer Anwendungsfelder herausstellen.

Neue Ideen kommen aus Forschung und Entwicklung. Deutschland hat – am Anfang der Innovationskette – ein leistungsfähiges Wissenschaftssystem. Unterschiedliche Indikatoren verweisen darauf: So publizieren immer mehr Wissenschaftler aus Deutschland in renommierten  internationalen Fachzeitschriften. Die Studierendenzahlen aus dem In- und Ausland sind gestiegen. Gleiches gilt auch für die Anzahl der in der Forschung tätigen Personen (EFI: Jahresgutachten 2018; 89, 114, 116).

Hochschulen kommt hinsichtlich der Sicherung des Innovationspotenzials eine zentrale Rolle zu.  Sie betreiben Forschung und bilden wissenschaftlichen Nachwuchs aus – oft in Kooperation mit anderen öffentlich geförderten Forschungseinrichtungen und innovierenden Unternehmen. Ein weiterer Eckpfeiler sind die nichtuniversitären Forschungseinrichtungen. Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Spitzenforschung auf international anerkanntem hohem  Niveau. Auch sie tragen zur Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands bei.

Um leistungsfähig zu bleiben, müssen  Wissenschaft und Forschung auch künftig intensiv gefördert werden. Die USA und Großbritannien, haben hier nach wie vor einen Vorsprung.  Andere Länder, wie China, holen auf.  


Handlungsempfehlungen

Das Wissenschaftsnetzwerk der Konrad-Adenauer-​Stiftung empfiehlt zur Stärkung von Wissenschaft und Forschung (Wissenschaftsnetzwerk: Die Zukunft des deutschen Wissenschaftssystems, 2018) u. a.:

  • ein dauerhaftes Engagement  des Bundes in Wissenschaft und Forschung, das über die bisherigen Pakte hinausgeht und zu  einem umfassenden und konsistenten „Bündnis für Bildung, Wissenschaft und Innovation“ führt;
  • ein „Hochschulqualitätssicherungsgesetz“ als bundesweit einheitlicher Rahmen zur Qualitätssicherung;
  • mehr Freiräume und Eigenverantwortung von Universitäten, so dass sie ausdifferenzieren, ihre Profile schärfen und ihre Stärken weiter ausbauen können;
  • einen konsequenten Ausbau von Fachhochschulen/Hochschulen für angewandte Wissenschaften und Dualen Hochschulen, die dem steigenden Bedarf nach anwendungsorientierter und unternehmensnaher Forschung und Ausbildung entsprechen;
  • Verbünde von Hochschulen und nichtuniversitären Forschungseinrichtungen, überall dort, wo es inhaltlich sinnvoll ist, um Synergien zu nutzen;
  • eine stärkere, vom Bund unterstützte, Internationalisierung von Wissenschaft und Forschung, so dass es gelingt, herausragende Wissenschaftler und Studierende für Deutschland zu gewinnen.

Zum Weiterlesen:

  • Global Competitiveness Report 2018 http://www3.weforum.org/docs/GCR2018/05FullReport/​TheGlobalCompetitivenessReport2018.pdf
  • Bundesbericht Forschung und Innovation 2018 https://www.bmbf.de/pub/Bufi_2018_Hauptband.pdf
  • EFI: Jahresgutachten 2018
    https://www.e-fi.de/fileadmin/Gutachten_2018/EFI_Gutachten_2018.pdf
  • Wissenschaftsnetzwerk: Die Zukunft des deutschen Wissenschaftssystems
    https://www.kas.de/c/document_library/​get_file?uuid=1413f8fb-b2e4-eef1-7135-​ad33f9bb2fd3&groupId=252038

Ansprechpartner

Dr. Norbert Arnold

Dr

Leiter des Teams Bildungs- und Wissenschaftspolitik und Koordinator für Wissenschaft, Forschung und Technologie

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