Länderberichte

Madagaskar und die Afrikanische Union

von Burkhard Margraf
ein Jahr nach dem friedlichen Machtwechsel
Am 26. Juni 2003 feierte Madagaskar zum 43. mal seine Unabhängigkeit von der französischen Kolonialherrschaft. Das Land war - wie viele andere in Afrika - im Jahre 1960 von Frankreich in die Unabhängigkeit entlassen worden.

Die diesjährige Feier unterschied sich von allen vorangegangenen dadurch, dass sie vom Präsidenten Ravalomanana einer Demonstration des neu gewonnenen nationalen Selbstbewusstseins genutzt wurde, anstatt wie in der Vergangenheit besonders unter dem Vorgänger Ratsiraka zu einer militärischen Parade und Machtdemonstration gegenüber dem eigenen Volk benutzt zu werden.

Die madegassische Regierung hatte deshalb zum ersten Mal in ihrer Geschichte demokratisch legitimierte afrikanische Staatsoberhäupter zu dieser Unabhängigkeitsfeier eingeladen. Mit den Präsidenten von Senegal und Mauritius, Abdoulaye Wade und Karl Offmann, waren zwei Staatsmänner präsent, die als erste Mitglieder der Afrikanischen Union die demokratische Wahl des Präsidenten Ravalomanana im vergangenen Jahr anerkannt hatten, während die Afrikanische Union und die Mehrheit ihrer Mitglieder diesen Schritt bislang noch nicht vollzogen haben. Zu eng waren wohl die Beziehungen zwischen vielen Staatsoberhäuptern Afrikas und dem langjährigen madegassischen Präsidenten Ratsiraka, der durch Tricks und Manipulationen immer wieder an die Macht gekommen war, als dass sie seine Abwahl durch das Volk hinnehmen wollten.

Die Ereignisse des vergangenen Jahres in Madagaskar waren ein für den afrikanischen Kontinent bislang leider eher seltenes Beispiel für einen demokratischen, nämlich durch den Wählerwillen an den Urnen herbeigeführten Machtwechsel, der begleitet wurde von wochenlangen friedlichen Massendemonstrationen Hunderttausender betroffener Bürger, an denen sich die Demonstranten der westlichen Welt ein Beispiel nehmen konnten.

Wenn man die aktuellen kriegerischen Konflikte auf dem afrikanischen Kontinent bedenkt, ist dieses Land ein eindrucksvolles Zeugnis für einen friedlichen Machtwechsel und lässt Hoffnung für den so krisengeschüttelten Kontinent aufkommen.

Dieses Beispiel wurde von den beiden geladenen Staatschefs von Senegal und Mauritius deshalb auch hervorgehoben und gewürdigt. Nachdem nun ein Jahr seit der offiziellen Übernahme der Amtsgeschäfte durch die neue Regierung vergangen ist, hat sich die Afrikanische Union (AU) entschlossen, Madagaskar wieder in ihren Kreis aufzunehmen und damit nach allen anderen Staaten und internationalen Organisationen die neue demokratische Regierung anzuerkennen. Dieser Schritt soll im Rahmen der Vollversammlung der AU, die vom 4. bis zum 11. Juli 2003 in der mosambikanischen Hauptstadt Maputo stattfinden wird, offiziell vollzogen werden.

In diesem Zusammenhang darf man gespannt sein, welche Position die AU zur Zentralafrikanischen Republik einnehmen wird, wo kürzlich ein Regierungswechsel durch den blutigen Staatsstreich eines Militärs zustande kam. Der Weg vieler afrikanischer Staaten zur Demokratie ist lang und steinig, nicht anders als in der europäischen Geschichte.

Aus der Erfahrung der eigenen, oft leidvollen Geschichte sollte die aktive Unterstützung des Demokratisierungsprozesses in Afrika, und damit der Voraussetzung zur Verbesserung der Lebensbedingungen in diesen Ländern, für die Europäische Union und besonders für Deutschland einen höheren Stellenwert als bisher besitzen, nicht zuletzt im ureigenen Interesse der Vermeidung neuer Flüchtlingsströme aus Krisengebieten in den Norden.

Über diese Reihe

Die Konrad-Adenauer-Stiftung ist in rund 80 Ländern auf fünf Kontinenten mit einem eigenen Büro vertreten. Die Auslandsmitarbeiter vor Ort können aus erster Hand über aktuelle Ereignisse und langfristige Entwicklungen in ihrem Einsatzland berichten. In den „Länderberichten“ bieten sie den Nutzern der Webseite der Konrad-Adenauer-Stiftung exklusiv Analysen, Hintergrundinformationen und Einschätzungen.