Länderberichte

Protestmarsch der Opposition in Abidjan

von Valentin Katzer

Die Lage in der Côte d'Ivoire wenige Wochen vor den Wahlen

Das oppositionelle Bündnis „Coalition nationale pour le Changement“ (CNC) hatte für den gestrigen Tag zu einem Protestmarsch zum staatlichen Rundfunk- und Fernsehsender RTI und zur Zentrale der „Commission électorale indépendante“ (Unabhängige Wahlkommission) aufgerufen, um für mehr Transparenz und Gleichberechtigung bei der medialen Berichterstattung und der Besetzung der Wahlkommission zu demonstrieren. In Erinnerung an gewaltsame Auseinandersetzungen bei ähnlichen Demonstrationen in der Vergangenheit war die Situation im Vorfeld angespannt.

Eine deutlich erhöhte Präsenz von Sicherheitskräften kündigte bereits in den Morgenstunden des 28. Septembers das mit Spannung und einer gewissen Nervosität erwartete Ereignis an. Der Verkehr wurde weiträumig um die Route des Protestmarsches im Zentrum von Abidjan (Cocody) umgeleitet und in der Folge floss der Verkehr in den chronisch überlasteten Straßen der Metropole noch zäher als gewöhnlich. Die Deutsche Botschaft, unweit des Startpunktes gelegen, blieb vorsorglich geschlossen. Während der Opposition nahestehende Medien von bis zu 500.000 Demonstranten (IvoireBusiness.net) und einem Zeichen der Einheit gegen den amtierenden Präsidenten Alassane Ouattara sprachen (ConnectionIvoirienne.net), berichteten regierungsnahe Medien von lediglich 100 CNC-Anhängern (RTI.ci), deren Vorsitzender Konan Charles Konan Banny den Protestmarsch bereits nach einiger Zeit wieder verlassen habe (Lepointsur.com). Wenngleich die Informationen beider Lager mit äußerster Skepsis zu beurteilen sind, steht außerfrage, dass die auf einigen Internetseiten abgebildeten Fotos von riesigen Menschenmassen in den Straßen Abidjan nicht der Realität entsprachen. Tatsächlich konnten die Regierungsgegner deutlich weniger Anhänger mobilisieren als erwartet (schätzungsweise einige Hundert). Alles blieb friedlich, die von einigen befürchtete Eskalation blieb aus und am Abend hatte sich die Lage in Cocody wieder vollständig normalisiert.

In gewisser Weise spiegelt der Verlauf der heutigen Ereignisse die Erwartungen zahlreicher Beobachter im Hinblick auf die Präsidentschaftswahlen im Oktober wider: viele gehen von weitgehend ruhigen und gewaltfreien Wahlen sowie einem auch durch die fehlende Mobilisierungskraft der Opposition begünstigten, ungefährdeten Wahlsieg von Amtsinhaber Alassane Ouattara aus.

Über diese Reihe

Die Konrad-Adenauer-Stiftung ist in rund 80 Ländern auf fünf Kontinenten mit einem eigenen Büro vertreten. Die Auslandsmitarbeiter vor Ort können aus erster Hand über aktuelle Ereignisse und langfristige Entwicklungen in ihrem Einsatzland berichten. In den „Länderberichten“ bieten sie den Nutzern der Webseite der Konrad-Adenauer-Stiftung exklusiv Analysen, Hintergrundinformationen und Einschätzungen.

Bestellinformationen

erscheinungsort

Westafrika Benin