Länderberichte

Wer wird Kenias nächster Präsident?

von Iris Karanja, Medina Sekandari, Natascha Moser

Eine Übersicht potentieller Kandidaten

Im August 2010 hat die kenianische Bevölkerung in einem Referendum zugunsten einer neuen Verfassung gestimmt. Die anstehenden Wahlen stellen einen entscheidenden Wendepunkt in der politischen Geschichte Kenias dar: erst durch sie wird die Umsetzung einer dezentralen Regierungsform möglich. Bereits heute lassen sich die aussichtsreichsten Präsidentschaftskandidaten für die Wahl im März 2013 identifizieren.

Schritt für Schritt wird die im August 2010 beschlossene Verfassung nun umgesetzt. Neue relevante Gesetze werden verabschiedet und Reformen eingeleitet. Ebenfalls fordert die neue Verfassung eine grundsätzliche Umstrukturierung der Regierung. Wurde bisher alles durch eine zentrale Regierung von Nairobi aus gelenkt, so wird Kenia nun in 47 Counties gegliedert, welche mit den nächsten Wahlen jeweils eine eigene Regierung bekommen werden. Ebenso ist auf nationaler Ebene ein Senat vorgesehen, welcher aus Vertretern der einzelnen Counties zusammengesetzt ist. Leider verläuft die Implementierung der neuen Verfassung nicht ohne Schwierigkeiten und Verzögerungen. Die ersten Wahlen nach der neuen Verfassung waren ursprünglich für August 2012 vorgesehen und werden nun voraussichtlich im März 2013 abgehalten.

Die anstehenden Wahlen stellen einen entscheidenden Wendepunkt in der politischen Geschichte Kenias dar und können als Lackmus-Test für die neue Verfassung angesehen werden. Denn erst durch die Wahlen wird die Umsetzung einer dezentralen Regierungsform möglich. Die politischen Unruhen nach den Wahlen von 2007 sind noch immer frisch in Erinnerung. Trotz vieler Anzeichen für erneute Gewaltausschreitungen gibt es die Hoffnung, dass die nächsten Wahlen friedlich verlaufen werden und das Land sich positiv entwickeln wird.

Nach der neuen Verfassung werden mit dem Urnengang neben dem Präsidenten der County-Governor, die Abgeordneten für das County-Parlament, sowie die Abgeordneten für das nationale Parlament und je County ein Senatsmitglied und eine Frauenvertreterin für das nationale Parlament gewählt.

Der Nominierungsprozess hinsichtlich der Kandidaten für die einzelnen Ämter hat noch nicht einmal begonnen, aber zahlreiche Persönlichkeiten haben bereits ihre Absicht zur Kandidatur erklärt. Der vorliegende Bericht gibt einen Überblick über die derzeit potentiellen Präsidentschaftskandidaten. Zunächst soll jedoch ein kurzer Verweis auf die Artikel 137 und 138 der Verfassung über die erforderlichen Qualifikationen informieren. Demzufolge muss ein Präsidentschaftskandidat die folgenden Kriterien erfüllen

  • Gebürtiger kenianischer Staatsbürger sein
  • Die Kriterien zur Wahl ins Parlament erfüllen
  • Durch eine politische Partei nominiert oder unabhängiger Kandidat sein
  • Von mindestens zweitausend Wählern in der Mehrzahl der Counties unterstützt werden
  • Einen Hochschulabschluss von einer in Kenia anerkannten Universität besitzen
  • Von jeglicher politischer Loyalität gegenüber anderen Staaten frei sein
  • Kein öffentliches Amt (mit Ausnahme des Amtes des Präsidenten, des Vizepräsidenten oder des Parlamentsabgeordneten) bekleiden

Ein Kandidat gewinnt die Wahlen, wenn er mehr als die Hälfte aller Stimmen und mindestens fünfundzwanzig Prozent der Stimmen in der Mehrzahl der Counties erhält. Sollte es dazu kommen, dass kein Kandidat diese Voraussetzungen erfüllt, entscheidet eine Stichwahl zwischen den zwei Kandidaten mit den meisten Stimmen.

Die Kandidaten

Raila Odinga

Raila Amollo Odinga wurde 1945 geboren und ist Sohn von Jaramogi Oginga Oding, des ersten Vizepräsidenten von Kenia. Somit war Raila Odinga schon früh in die politischen Turbulenzen des Landes verwickelt. Insbesondere während der Regierungszeit von Präsident Daniel Arap Moi kämpfte Raila Odinga in der Opposition für die Einführung eines Mehrparteiensystems.

Im Jahre 1982 wurde Raila Amollo Odinga sieben Monate lang unter Hausarrest gestellt, weil er angeblich Verbindungen zu einer Gruppe hatte, die hinter einem versuchten Staatsstreich steckte. Später wurde er wegen Verrats für sechs Jahre ohne Ge-richtsverhandlung inhaftiert. 1988 wurde er erneut verhaftet, da er zusammen mit Menschenrechts- und pro-demokratischen Aktivisten für ein Mehrparteiensystem in Kenia gekämpft hatte. Als 1992 neben der Kenya African National Union (KANU) weitere Parteien zugelassen wurden, kehrte Raila Odinga nach Kenia zurück und wurde Mitglied in der Partei Forum for the Restoration of Democracy (FORD), die von seinem Vater Oginga Odinga geführt wurde. Nachdem sein Vater starb, versuchte Raila Odinga Parteivorsitzender zu werden – diese Rolle wurde jedoch Michael Wamalwa Kijana zugeteilt. Daraufhin wechselte Raila Odinga 1995 zur National Democratic Party (NDP). 1997 kandidierte Raila Odinga zum ersten Mal für die Präsidentschaft und bekam die drittgrößte Anzahl der Stimmen.

2002 wurde er Mitglied der ehemaligen Einheitspartei KANU und im selben Jahr zum Generalsekretär von KANU ernannt. Jedoch ernannte Präsident Moi dann Uhuru Kenyatta als seinen Nachfolger und nicht Raila Odinga und bat ihn öffentlich darum, Kenyatta bei seiner Kandidatur zum Präsidenten zu unterstützen. Entgegen Mois Aufforderung wechselte Raila Odinga erneut die Partei und wurde Mitglied der Liberal Democratic Party (LDP). Die LDP und andere Oppositionsparteien bildeten zu den Wahlen 2002 ein Koalitionsbündnis, die National Alliance of Rainbow Coalition (NARC), um der KANU-Herrschaft ein Ende zu setzen und die Präsidentschaft Uhuru Kenyattas zu verhin-dern. Wahlsieger wurde der NARC-Präsidentschaftskandidat Mwai Kibaki.

Kibaki hielt sich jedoch nicht an sein Versprechen, Raila Odinga zum Premierminister zu machen. Raila Odinga war von Kibaki enttäuscht und distanzierte sich im Zusammenhang mit dem Verfassungsreferendum im Jahr 2005 von der NARC Regierung und gründete die Partei Orange Democratic Movement (ODM).

2007 kandidierte Raila Odinga erneut für die Präsidentschaft. Meinungsumfragen zufolge lag er in Führung. Als jedoch die Wahlergebnisse veröffentlicht wurden, wurde Kibaki mit einem knappen Vorsprung zum Wahlsieger erklärt. Beide Seiten warfen sich Wahlbetrug vor und überall im Land brachen gewaltsame Unruhen aus. Erst ein Friedensabkommen zwischen Mwai Kibaki und Raila Odinga, das unter Vermittlung von Kofi Annan zustande kam, konnte die Unruhen beenden, und führte zur Bildung einer großen Koalition und zum schon 2002 versprochenen Posten des Premierministers für Raila Odinga.

Kein anderer Kandidat steht nach Ansicht der Medien so unter Druck wie ODM's Raila Odinga. Bereits zum dritten Mal zieht Odinga in den Wahlkampf um das höchste Amt im Land.

Stephen Kalonzo Musyoka

Stephen Kalonzo Musyoka wurde 1953 geboren und bekleidet derzeit das Amt des Vizepräsidenten. Er begann seine politische Karriere bereits in der Moi-Regierung und war Außenminister von 1993 – 1998. In der ersten Amtsperiode von Präsident Kibaki blieb er zunächst Außenminister und wurde später zum Minister für Umwelt. Im Verfassungsreferendum 2005 sprach er sich gegen die vorgeschlagene Verfassung aus und schloss sich der Oppositionspartei ODM an. Auf Grund dessen wurde er im Zuge der Kabinettsauflösung durch Kibaki aus der Regierung entlassen. In Vorbereitung auf die Wahlen 2007 rief Kalonzo die Partei ODM-Kenya ins Leben, welche sich von der ODM abgespalten hatte. Grund dafür war, dass Raila Odinga für die ODM als Präsidentschaftskandidat antrat und Kalonzo Musyoka ebenfalls kandidieren wollte. Kalonzo erhielt den drittgrößten Anteil der Stimmen und wurde kurz nach Veröffentlichung der Wahlergebnisse von Präsident Kibaki zum Vizepräsidenten ernannt.

Um sich für die Wahlen 2012 noch mehr von der ODM abzusetzen wurde ODM-K Ende letzten Jahres in Wiper Democratic Movement umbenannt. Über die Bedeutung des Parteinamens gibt es viele Spekulationen. Kalonzo Musyoka begründet den „Wiper“ (Scheibenwischer) im Namen damit, dass er Korruption, negative Ethnizität, Armut und Arbeitslosigkeit auswischen möchte. Kritiker benutzen den „Wiper“ eher dazu, um Kalonzos wankelmütige Politik zu erklären - wie ein Scheibenwischer, der sich hin und her bewegt, ohne sich für eine Seite zu entscheiden. Eine klare politische Linie ist tatsächlich nicht in seiner Politik zu erkennen. So schließt er sich häufig Bündnissen an, welche evtl. Vorteile für sein politisches Auftreten bringen könnten wie z.B. die G7 Allianz.

Uhuru Kenyatta

Uhuru Muigai Kenyatta wurde 1961 als Sohn Jomo Kenyattas, des er stem Präsidenten Kenias, und seiner dritten Frau, Mama Ngina, geboren. Er wuchs praktisch im „State House“ auf und studierte in den USA Politikwissenschaften. Somit war bereits eine Grundlage für seine politische Karriere gelegt.

Uhuru machte 1997 seinen ersten politischen Auftritt als lokaler Vorsitzender der KANU in Gatundu, seinem Heimatort. Er versuchte noch im selben Jahr den Parlamentssitz für Gatundu-Süd zu besetzen, verlor jedoch die Wahl.

1999 ernannte ihn Präsident Moi zum Vor-sitzenden des Kenya Tourism Board. 2001 wurde er ins Parlament berufen und kurz darauf Minister für kommunale Verwaltung. 2002 erklärte Moi ihn zu seinem gewünschten Nachfolger, was dazu führte, dass viele Politiker aufgrund ihrer Unzufriedenheit darüber KANU verließen. Uhuru verlor die Präsidentschaftswahlen, gewann jedoch den Parlamentssitz für Gatundu-Süd.

Zu den Wahlen 2007 zog Uhuru seine Präsidentschaftskandidatur zurück und gab dem amtierenden Präsidenten Mwai Kibaki seine volle Unterstützung. Nachdem Kibaki die Wahlen auf fragwürdige Weise gewonnen hatte, wurde Uhuru zum stellvertretenden Premierminister und Handelsminister der Koalitionsregierung ernannt. Uhuru blieb weiterhin Vorsitzender der KANU, vertrat jedoch nun die PNU (Parteienbündnis zu den Wahlen 2007 und später eigenständige Partei) im Parlament. 2009 wurde er Finanzminister.

In Vorbereitung auf die kommenden Wahlen gründete Uhuru seine eigene Partei – The National Alliance (TNA) als deren Präsidentschaftskandidat er antreten möchte. Demzufolge müsste er eigentlich lt. Artikel 103 der Verfassung von seinen Regierungsämtern zurücktreten, da diese Ämter auf seiner Mitgliedschaft in der KANU basieren.

Fraglich ist jedoch auch die Legitimität seiner Kandidatur, da Uhuru Kenyatta im Zuge der Unruhen nach den Wahlen 2007 vom IStGH der Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt ist. Ihm wird vorgeworfen mit der verbotenen Mungiki-Sekte in Verbindung zu stehen und deren Mitglieder zu Gewalttaten in Anschluss an die Wahlen 2007 motiviert zu haben. Am 23. Januar 2012 bestätigte der IStGH die Anklage gegen ihn. Auf Grund dessen trat er am 26. Januar 2012 als Finanzminister zurück. Er bleibt jedoch als Parlamentsmitglied und stellvertretender Premierminister im Amt.

Einige Kenianer vertreten die Meinung, dass es nicht angemessen sei, wenn er weiterhin als Präsidentschaftsanwärter kandidieren würde. Ein Präsident mit einem internationalen Strafverfahren gegen sich, sei für ein Land untragbar. Andere wiederum argumentieren, er habe auch jetzt noch jedes Recht am Wahlkampf teilzunehmen, schließlich sei er (noch) nicht verurteilt worden. Bisher zeigt sich Uhuru Kenyatta selbstbewusst. Dies wiederum irritierte und empörte nationale zivilgesellschaftliche Organisationen, die nun mit gerichtlichen Verfahren gegen die Kandidatur Uhurus und auch William Rutos (welcher ebenfalls vom IStGH angeklagt ist) vorgehen wollen.

William Kipchirchir Samoei arap Ruto

William Kipchirchir Samoei arap Ruto, geboren 1966, begann seine politische Karriere 1992 in der YK’92 (Youth for KANU ’92), um Präsident Moi in seinem Wahlkampf zu unterstützen. Seit 1997 ist er Parlamentsabgeordneter für seinen Wahlbezirk Eldoret-Nord. Im Jahr 2002 wurde er Kabinettsmitglied als stv. Minister im Präsidialamt und später als amtierender Innenminister.

Im Jahr 2006 gab Ruto den Wunsch bekannt bei den Wahlen 2007 als Präsidentschaftskandidat anzutreten, welches ihm von Seiten der KANU untersagt wurde. Daraufhin wechselte er zur ODM, in der Hoffnung als Präsidentschaftskandidat gewählt zu werden. Dies gelang ihm nicht und er sagte Raila Odinga seine volle Unterstützung zu. Nach den Wahlen 2007 wurde er Minister für Landwirtschaft der Koalitionsregierung und später Minister für Hochschulwesen. Auf Grund diverser Korruptionsvorwürfe trat er als Minister zurück, ist jedoch weiterhin Parlamentsabgeordneter.

Zu den Wahlen 2007 schien William Ruto sehr eng mit Raila Odinga befreundet zu sein. Seitdem hat sich Ruto jedoch zunehmend von der ODM und Raila Odinga distanziert. Beide treten als Kontrahenten und Präsidentschaftskandidaten für die anstehenden Wahlen auf und machen sich gegenseitig Vorwürfe. Über das wahre Verhältnis von Raila Odinga zu William Ruto wird spekuliert.

Da Odinga und Ruto nicht für dieselbe Partei als Präsidentschaftskandidaten antreten können, wechselte Ruto zur United Democratic Movement (UDM) in der Hoffung für diese Partei kandidieren zu können. Da ihm dies verwehrt wurde, gründete er die United Republican Party (URP). Mit seiner eigens gegründeten Partei hofft Ruto nun auf das Amt des Präsidenten. Doch auch William Ruto wurde vom IStGH der Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Zusammenhang mit den Unruhen nach den Wahlen 2007 angeklagt. Die Entscheidung des IStGH dürfte Eldoret Nord MP William Ruto ebenso schlaflose Nächte bereiten, wie Uhuru Kenyatta, aber in der Öffentlichkeit zeigen sich beide Politiker selbstbewusst und siegessicher.

Martha Wangari Karua

Martha Wangari Karua wurde 1957 geboren und studierte Jura an der Universität von Nairobi und der Kenya School of Law. Von 1981 – 1987 arbeitete sie im öffentlichen Dienst als Anwältin und später als Richterin. 1987 eröffnete sie ihre eigene Anwaltskanzlei, welche 2002 aufgrund ihrer politischen Karriere geschlossen wurde. In dieser Zeit trug sie bedeutend zur Entwicklung des Familienrechtes in Kenia bei; insbesondere in Fragen des ehelichen Güterrechts.

Martha Karua begann ihre politische Karriere bereits 1990. Sie engagierte sich als Oppositionspolitikerin für die Einführung eines Mehrparteiensystems. Mit der Einführung des Mehrparteiensystems 1992 wurde sie als erste Frau ins Parlament gewählt.

Zwischen 1992 und 1997 war Karua stv. Ministerin im Justizministerium. 1998 sollte sie schließlich als Teil des Schattenkabinetts, zuständig für Kultur und Soziales, werden, lehnte dies jedoch mit der Begründung ab, die Position widerspreche ihrem Amt als stv. Ministerin für Verfassungsfragen. 2001 wurde ein Gesetzentwurf für eine Verfassungsänderung im Parlament eingebracht, woraufhin sämtliche Oppositionsmitglieder, außer Martha Karua, das Plenum verließen. Als Grund dafür gab sie an, es sei ihre Pflicht als gewählte Repräsentantin vernünftig zu reagieren und ihre Änderungsvorschläge in den Gesetzgebungsprozess einzubringen. Im darauf folgenden Jahr wurde sie Gründungsmitglied der NARC-Koalition, die das Ende des KANU-Regimes herbeiführte. Sie wurde 2002 Justizministerin bis zu ihrem Rücktritt 2009. Als Grund gab sie an, dass ihre Arbeit mehrfach behindert wurde, wie im Fall der Ernennung einiger Richter durch Präsident Kibaki ohne dass sie vorher konsult iert worden war. Damit ist sie seit 2003die erste Ministerin, die freiwillig auf ihr Amt verzichtet hat.

Martha Karua gilt als kluge und scharfsinnige Verteidigerin der Gerechtigkeit und Rechtstaatlichkeit. Sie ist dafür bekannt, ihre Ideale zu verteidigen und für das einzutreten, woran sie glaubt. Dadurch hat sie sich viele Sympathien verdient und wird häufig als eiserne Lady bezeichnet. Sie setzt sich über ethnische Grenzen hinweg und gilt als Kandidatin, welche die Jugend anspricht. Kein anderer Politiker nutzt diverse inter-netbasierte Medien für den Wahlkampf wie sie. Unter Anderem gibt es eine wöchentliche Twitter-Session, die es den Bürgern ermöglicht, ihr direkt Fragen zu stellen und auf diese Weise mit ihr zu diskutieren.

Viele hoffen auf ihren Wahlsieg, sehen aber auch, dass sie als Frau in Kenia geringere Chancen hat. Durch ihre konsequente Geradlinigkeit hat sie sich die Sympathien vieler Regierungsmitglieder verscherzt.

Wycliffe Musalia Mudavadi

Wycliffe Musalia Mudavadi wurde 1960 geboren. Bereits sein Vater war Parlamentsmitglied. Als sein Vater 1989 starb, wurde Mudavadi unangefochten als Parlamentsmitglied für den Wahlbezirk Sabatina gewählt.

Im August 2002 trat Mudavadi das Amt des Vizepräsidenten unter Präsident Moi an. Seine Amtszeit endete jedoch nach wenigen Monaten im Dezember desselben Jahres mit den Wahlen. Als KANU die Wahlen 2002 verlor, musste auch Mudavadi seinen Sitz im Parlament abgeben. Erst während des Verfassungsreferendums 2005 setzte er seine politische Laufbahn fort. Er engagierte sich in der ODM gegen den vorgeschlagenen Verfassungsentwurf.

2007 gab er bekannt für das Amt des Präsidenten kandidieren zu wollen, verlor aber die ODM-internen Wahlen an Raila Odinga. Nachdem Odinga zum Premierminister ernannt wurde, wurde Mudavadi neben Uhuru Kenyatta das Amt des Vize-Premierministers zugeteilt.

Ebenso wie William Ruto galt Musalia Mudavadi in der Vergangenheit als enger Verbündeter von Premierminister Raila Odinga. Da aber auch Mudavadi als Präsidentschaftskandidat antreten möchte und Raila automatisch als Parteivorsitzender für die ODM kandidiert, distanzierte sich Mudavadi zunehmend von der ODM und vertritt nun die Partei United Democratic Forum (UDF), welche er zu diesem Zweck gründete. Um sich eindeutig von der ODM loszusagen trat er ebenfalls von seinem Posten als Minister für Kommunalverwaltung zurück, blieb aber als Vize-Premierminister im Amt.

Peter Kenneth

Peter Kenneth wurde 1965 geboren und betrat die politische Bühne 2002, als er zum Parlamentsabgeordneten für das Gatanga gewählt wurde. Von 2003 bis 2005 war er stv. Minister für kooperative Entwicklung und Marketing, danach stv. Finanzminister bis 2007. Nach den Wahlen von 2007 wurde er stv. Minister für Planung, Nationale Entwicklung und Vision 2030. Peter Kenneth ist Vorsitzender des Kenya National Congress (KNC) für den er als Präsidentschaftskandidat antreten möchte.

Rev. Mutava Musyimi

Rev. Mutava Musyimi wurde 1952 geboren und studierte Theologie in England und den USA. Nach seiner Rückkehr arbeitete er als Pfarrer der Nairobi Baptist Church und viele Jahre als Generalsekretär des National Council of Churches of Kenya (NCCK). Er ist durch seine Kritik gegenüber dem Moi Regime und seinem Kampf für Gerechtigkeit und die Anerkennung vor Menschenrechte bekannt geworden. Musyimi gab seinen Posten beim NCCK zugunsten seiner politischen Karriere auf und wurde Parlamentsabgeordneter für Gachoka. Zurzeit ist er Vorsitzender des Ausschusses für Land und Bodenschätze, sowie Mitglied des Ausschusses für Justiz- und Rechtsangelegenheiten. Er strebt eine Präsidentschaftskandidatur für die Democratic Party (DP) Partei an.

Eugene Wamalwa

Eugene Ludovic Wamalwa wurde 1969 geboren und ist somit der jüngste Kandidat der sich für das Amt des Präsidenten bewirbt. Bereits sein Bruder Michael Wamalwa Kijana war kenianischer Politiker und Vizepräsident von Kenia. Nach dem Tode seines Bruders 2003 versuchte Eugene Wamalwa den dadurch vakant gewordenen Parlamentssitz für Saboti zu gewinnen, was ihm jedoch nicht gelang. 2007 hatte er mehr Erfolg als Vertreter der Partei FORD-Kenya als Teil der PNU. Seit März 2012 ist Wamalwa Justizminister.

Unter der eigenen Bezeichnung als „New Kid on the Block“ plant Wamalwa Veränderung nach Kenia zu bringen, sollte er zum Präsidenten gewählt werden. Die Hauptzielgrup-pen seiner Kampagne sind Jugendliche und im Ausland lebende Kenianer.

Raphael Tuju E.G.H

Raphael Tuju wurde 1959 geboren und studierte Kommunikationswissenschaften in England. Er begann seine politische Karriere 2002 als Abgeordneter für Rarieda. Zwischen 2003 und 2005 war er zuerst Minister für Tourismus und später Minister für Information und Kom munikation. Von 2005 – 2007 war er Außenminister und gleichzeitig Vorsitzender der Partei NARC-Kenia. 2008 wurde er zum Berater des Präsidenten mit dem Schwerpunkt Medien und ethnischer Beziehungen ernannt.

Tuju gab Ende 2011 seine Pläne für die Präsidentschaftskandidatur bekannt und gründete für diesen Zweck die Party of Action (POA).

Prof. George Kinuthia Saitoti (verstorben Juni 2012)

Prof George Saitoti wurde 1945 geboren und studierte Mathematik in England und den USA. Seine politische Karriere begann 1983 mit der Nominierung zum Parlamentsabgeordneten durch Präsident Daniel Arap Moi. Noch im selben Jahr wurde er ins Amt des Finanzministers berufen, welches er bis 1989bekleidete. Des Weiteren wurde er 1989 zum sechsten Vizepräsidenten Kenias ernannt und hatte dieses Amt bis 1997 inne. Von 1989-1990 war er Mitglied im Vorstand der Weltbank und des internationalen Währungsfonds.

Aufgrund zahlreicher Unstimmigkeiten mit Präsident Moi verließ Saitoti KANU im Jahr 2002 und schloss sich der Liberal Democratic Party (LDP) von Raila Odinga an, welche sich später in 2002 mit anderen Parteien zur National Alliance of Rainbow Coalition zusammenschloss und die Präsidentschaftswahlen im Dezember 2002 gewann. Saitoti unterstützte somit Präsident Kibaki. Im Februar 2006 gab Kibaki bekannt, Saitoti trete von seinem Amt als Bildungsminister zurück - er war angeblich in den Goldenberg-Skandal verwickelt. Später wurde er von jeglichen Anschuldigungen frei gesprochen und konnte sein Amt als Minister wieder aufnehmen. 2008 wurde er Minister für interne Sicherheit und die provinziale Verwaltung und 2010 zusätzlich amtierender Außenminister.

Saitoti gehörte von Anfang an zu denen, die eine gerichtliche Verfolgung der Drahtzieher der Unruhen nach den Wahlen 2007 vor dem IStGH unterstützte. Ebenso arbeitete er mit dem Verteidigungsminister Mohamed Yusuf Haji zusammen, um die kenianischen Truppen im Kampf gegen die Terrorgruppe Al-Shabaab im Süden Somalias zu leiten.

Prof. George Saitoti kam am 10. Juni 2012 bei einem Hubschrauberabsturz zusammen mit seinem Stellvertreter Joshua Orwa Ojode ums Leben. Die Absturzursache ist noch nicht geklärt. Ein Untersuchungsausschuss wurde eingerichtet, der die Umstände des Absturzes aufklären soll. Auch die Sabotage des Helikopters und ein gezielter Mordanschlag können nicht ausgeschlossen wer-den.

Aspiranten aus dem Ausland

Auch einige im Ausland lebende Kenianer haben bereits ihr Streben nach der Präsidentschaftskandidatur erklärt. Ihr Bekanntheitsgrad beschränkt sich meist nur auf ebenfalls im Ausland lebende Kenianer, trotzdem hoffen sie, positive Veränderungen nach Kenia bringen zu können. Der Großteil dieser Aspiranten macht sich soziale Netzwerke im Internet, wie z.B. Facebook und Twitter zunutze, um an Popularität zu gewinnen. Ob die Kandidaten aus der Diaspora reelle Chancen auf das Amt des Präsidenten haben, ist jedoch zweifelhaft.

Kingwa Kamencu

Nachdem sie ihren Bachelor in Geschichte und Literatur an der Universität von Nairobi bekam, wanderte die 28-Jährige nach England aus, um dort einen Masterabschluss zu erlangen. Sie ist die jüngste aller Kandidaten. Allein ihr Alter, die Tatsache, dass sie eine Frau ist, ihre politische Unerfahrenheit und ihr Auftreten sorgen für öffentliche Aufmerksamkeit. Sie wird als unabhängige Kandidatin antreten.

Ledama Olekina

Ledama Olekina lebt in Boston, USA. Um auf die schlechten Bildungsbedingungen in seiner Heimatregion aufmerksam zu machen, legte er 909 Kilometer zu Fuß in tradi-tioneller Maasai Kleidung zurück. Bei einem zweiten Marsch waren es sogar 2.862 Kilometer. Er gründete das Maasai Education Discovery Project, um die regionalen Bildungsnormen zu verbessern und kämpft aktiv gegen die weibliche Genitalverstümmelung. Außerdem gründete er Kenias erste Online-Investment Firma, die es Kenianern ermöglicht, Aktien im Ausland zu erwerben.

Ledamas Absicht ist es, Kenias Bildungssystem entscheidend zu verbessern, sollte er zum Präsidenten gewählt werden.

George Kenyatta Muumbo

George Kenyatta Muumbo ist Politikwissenschaftler und Anwalt, der in den USA lebt. Als Teil der Wahlkampfteams einiger Politiker ist er aktiv in der amerikanischen Politik involviert. Er vertritt die Meinung, dass es vielen kenianischen Führungspersonen, insbesondere Präsidenten, an Disziplin fehlt – eine Eigenschaft, die er aufweisen kann. Er engagiert sich ehrenamtlich in den verschiedenen Gemeinden Alabamas und bietet seine Dienste als Anwalt auch ohne Vergütung an, wenn dies notwendig ist.

Sollte er zum Präsidenten gewählt werden, erhofft sich Muumbo Disziplin in die kenianische Regierung zu bringen und den Menschen in Kenia die Möglichkeit zu geben, eine funktionierende Demokratie zu erleben.

Prof. George Luchiri Wajackoyah

Prof. Wajackoyah wuchs bei seinen Großeltern in Mumias auf. Nach dem Abitur wurde er Polizist und war einer der Hauptermittler im Mordfall von Außenminister Dr. Robert Ouko in der Zeit von Mois Regime. Seine Ermittlungen führten zu seiner eigenen Festnahme. Nach seiner Entlassung zog er es vor, in Großbritannien zu leben. Dort absolvierte er ein Jura-Studium und gründete eine Einwanderungsrechtskanzlei. Danach ging er in die USA und erlangte einen Masterabschluss in Jura. Nach zwei Jahrzehnten im Exil plant Wajackoyah nun nach Kenia zurückzukehren und für die Präsidentschaft zu kandidieren mit der Intention, die Kor-ruption in Kenia zu bekämpfen.

Schlussfolgerung

Wie anfangs schon erwähnt, ist noch unklar wie viele und welche Individuen genau für die Präsidentschaft kandidieren werden, und auch hier sind nicht alle Präsidentschaftsanwärter aufgeführt.

Die bevorstehenden Wahlen stellen eine große Herausforderung für Kenia dar und werden mit Spannung erwartet. Zum einen sind es die ersten Wahlen nach den verheerenden Unruhen 2007/2008 und jeder hofft, dass sich die Ereignisse von damals nicht wiederholen. Zum anderen sind es die ersten Wahlen unter der neuen Verfassung, welche nun die konkrete Umsetzung dezentralen Regierungsstrukturen einleiten.

Die kommenden Präsidentschaftswahlen markieren noch einen weiteren Umbruch: das Ende von Kibakis Amtszeit, denn eine weitere wird es nach zwei geführten Legislaturperioden nicht geben. Und so stehen die Kenianer vor der Aufgabe einen neuen Mann oder auch eine neue Frau für das höchste Amt im Land zu finden.

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