Bergmann-Pohl, Sabine (geb. Schulz)

Ärztin, Bundesministerin, Präsidentin der Volkskammer der DDR, Dr. med., * 20.04.1946 Eisenach, evangelisch

1964 Abitur, 1964–1966 Praktikum am Institut für Gerichtsmedizin der Humboldt-Universität Berlin, 1966–1972 Studium der Medizin, 1972 Diplom-Medizinerin, 1972–1979 Facharztausbildung für Innere Medizin, 1979 Fachärztin für Lungenkrankheiten, 1980 Promotion, 1980–1985 Ärztliche Leiterin der Poliklinischen Abteilung für Lungenkrankheiten und Tuberkulose in Berlin-Friedrichshain, 1981 Eintritt in die CDU (Ost), 1985–1990 Ärztliche Direktorin in der Bezirksstelle für Lungenkrankheiten und Tuberkulose in Berlin (Ost), 1990 Mitglied der Volkskammer, 1990 Präsidentin der Volkskammer, 1990–1991 Bundesministerin für besondere Aufgaben, 1990–2002 MdB, 1991–1998 Parlamentarische Staatsekretärin beim Bundesminister für Gesundheit, 2003-2012 Präsidentin des Deutschen Roten Kreuzes Berlin (seit 2012 Ehrenpräsidentin), seit 2007 Vizepräsidentin des Internationalen Bundes; 2012 Ernennung zur Stadtältesten von Berlin.

Um nach ihrem Abitur 1964 ein Medizinstudium in der DDR aufnehmen zu können, muss sich Sabine Bergmann-Pohl als Tochter eines Arztes zunächst in einem zweijährigen Praktikum „bewähren“. Erst danach erhält sie die gewünschte Zulassung zum Studium. Nach ihrem erfolgreichen Abschluss spezialisiert sie sich auf die Behandlung von Lungenkrankheiten. Seit 1981 Mitglied der CDU (Ost), engagiert sie sich nach der Wende verstärkt in der Partei und wird Mitglied des Berliner Landesvorstands sowie der frei gewählten Volkskammer. Am 5. April 1990 kann sie sich bei der Wahl des Parlamentspräsidenten gegen Reinhard Höppner (SPD) durchsetzen. Als Volkskammerpräsidentin prägt Sabine Bergmann-Pohl für ein gutes halbes Jahr das öffentliche Bild des letzten DDR-Parlaments, das sich vornehmlich mit Fragen des Einigungsprozesses und damit seiner Selbstabschaffung zu befassen hat. Dabei wächst die ausgebildete Ärztin schnell in ihr Amt hinein, obwohl sie wie viele ihrer Abgeordnetenkollegen über keine parlamentarische Erfahrung verfügt. Sie fungiert zeitgleich auch als letztes Staatsoberhaupt der DDR, da die Befugnisse des Staatsratsvorsitzenden auf den Volkskammerpräsidenten übertragen wurden. In einer Nachtsitzung der Volkskammer vom 22. auf den 23. August 1990 verkündet sie in den frühen Morgenstunden ein „wirklich historisches Ereignis“, das Abstimmungsergebnis zum „Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland gemäß Artikel 23 des Grundgesetzes mit der Wirkung vom 3. Oktober 1990“. Nach dem Beitritt wird sie als Bundesministerin für besondere Aufgaben Mitglied der Bundesregierung. Bei der Bundestagswahl 1990 erhält sie ein Abgeordnetenmandat und verbindet bis 1998 in ihrer Tätigkeit als Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit Medizin und Politik. 2002 scheidet sie aus dem Deutschen Bundestag aus und steht von 2003 bis 2012 dem Deutschen Roten Kreuz in Berlin vor.

Tim B. Peters