Der Papst in Deutschland

Umfrage der Konrad-Adenauer-Stiftung zum Besuch des Papstes in Deutschland

Einen Monat vor dem Besuch des Papstes in Deutschland hat die Konrad-Adenauer-Stiftung in einer Umfrage grundsätzliche Stimmungen und Einstellungen der Deutschen erfragt. Bereits einen Monat vor dem Besuch ist die Resonanz erheblich: 69 Prozent haben schon davon gehört oder darüber gelesen.

Dabei bietet der Papstbesuch nicht nur für die Katholiken Anlass zur Freude. Insgesamt 44 Prozent der Deutschen freuen sich schon jetzt auf den Besuch des Papstes. Das Oberhaupt der katholischen Kirche stößt somit weit über die Gruppe der Katholiken hinaus auf eine positive Resonanz (der Katholikenanteil in Deutschland liegt bei gut 30 Prozent). Selbstverständlich stellt der Papstbesuch für Katholiken einen besonderen Höhepunkt dar; aber nicht nur für sie. So freuen sich 69 Prozent der Katholiken aber auch 47 Prozent der Protestanten auf den Papstbesuch. 63 Prozent aller Deutschen sind zudem stolz darauf, dass der Papst ein Deutscher ist.

Mit dem Papstbesuch ist zudem bei großen Teilen der Bevölkerung die Erwartung verbunden, dass er sich positiv auf das Ansehen der katholischen Kirche auswirken wird. 40 Prozent sind sicher, dass dies so sein wird, 25 Prozent sind dabei geteilter Ansicht, 27 Prozent erwarten keine positive Auswirkung.

Der Papst hat sich dafür ausgesprochen den Dialog mit Juden und Muslimen zu vertiefen. 82 Prozent der Deutschen finden dies wichtig. Und hierin sind sich die Deutschen weitgehend einig. Über alle Konfessionen hinweg, stößt der durch den Papst besonders unterstützte Dialog mit Juden und Muslimen auf große Zustimmung.

Viel wurde in den letzten Jahren darüber spekuliert, wie sich die Säkularisierung auf die Gesellschaft auswirken wird. Eines ist jedoch nach dieser Umfrage klar: überflüssig sind religiöse Haltungen nicht geworden. Wir haben gefragt, wie wichtig es ist, wenn man sich selbst über bestimmte Probleme Gedanken macht, dass der Papst sich zu solchen Fragen äußert. Und hier antworten 59 Prozent, dass es ihnen sehr wichtig oder wichtig ist. Die gilt nicht nur für konfessionell Gebundene, sondern auch für Konfessionslose, von denen 40 Prozent sagen, dass die Äußerungen des Papstes für sie sehr wichtig/wichtig sind.

Dabei gibt es eine klare Hierarchie der Themen, bei denen die Haltung des Papstes eine besondere Wirkung entfalten kann und Äußerungen des Kirchenoberhauptes begrüßt werden. Besonders wichtig sind die Themen „Krieg und Frieden“ sowie „Armut in der Dritten Welt“ und die „soziale Gerechtigkeit“. Hier sagen jeweils mehr als 80 Prozent der Deutschen, dass ihnen die Meinung des Papstes sehr wichtig/wichtig ist. Für 63 Prozent sind Äußerungen über den Sinn des Lebens von Bedeutung. Weitere 54 Prozent bezeichnen die Haltung des Papstes bei der Frage des Schutzes des ungeborenen Lebens als wichtig und 52 Prozent sehen dies so bei gesellschaftspolitischen Themen.

Selbst dort, wo man in einer weitgehend säkularisierten Gesellschaft erwartet hätte, dass Äußerungen des Papstes auf große Skepsis stoßen, findet sich eine positive Grundhaltung. So sagen 55 Prozent der Ostdeutschen, dass es für sie sehr wichtig/wichtig ist, wie sich der Papst äußert, wenn sich sie sich über bestimmte Probleme Gedanken machen. Vor dem Hintergrund eines Anteils von ca. zwei Drittel Konfessionslosen in den neuen Ländern, hätte man mit niedrigeren Werten rechnen müssen. Selbst in einer säkularisierten Gesellschaft haben religiösen Ansichten und Deutungen ihren eigenen Stellenwert, der nicht durch eine Zugehörigkeit zu den Kirchen verankert sein muss.

Unterscheidet man die Einstellungen nach sozialen Gruppen zeichnen sich nur wenige Unterschiede ab. Ältere und westdeutsche Befragte äußern sich insgesamt in größerem Ausmaß zu allen Fragen positiv, doch sind die Unterschiede zu den neuen Ländern in fast allen Fragen erstaunlich gering.

Die repräsentative Umfrage wurde von GMS (Gesellschaft für Markt- und Sozialforschung) durchgeführt. Die Feldarbeit fand vom 15. bis 19. August statt. Insgesamt wurden 1001 Interviews durchgeführt. Davon fanden 208 Interviews in den neuen Ländern statt.

Kontakt

Dr. Viola Neu

Dr

Leiterin des Teams Empirische Sozialforschung und stellvertretende Hauptabteilungsleiterin

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