Nebgen, Elfriede

Lehrerin, Dr. rer. pol., * 11.04.1890 Hildesheim, † 22.10.1983 Berlin, römisch-katholisch

Volksschule und Höhere Mädchenschule in Hildesheim; Ausbildung als Lehrerin Lehranstalt der Ursulinen in Duderstadt; 1912–1916 Lehrerin in Posen; 1916–1921 Studium der Nationalökonomie in Münster, Straßburg und Berlin; 1921 Promotion in Münster; 1921–1933 Tätigkeit in der Christlichen Gewerkschaftsbewegung, seit 1930 als Schriftleiterin des „Zentralblatts“ der Christlichen Gewerkschaften; 1933–1945 Wohlfahrtsreferentin; 1945–1947 Mitgründerin der CDU in Berlin, Schriftleiterin „Neue Zeit“, Vorsitzende der Frauenorganisation der CDU in der sowjetischen Besatzungszone (SBZ).

Tragendes Element ihres politischen Engagements war die Beschäftigung mit der Sozialen Frage und die Suche nach Möglichkeiten eines 3. Weges zwischen Kapitalismus und Marxismus. Ihre Dissertation behandelte das Verhältnis von Katholizismus und Sozialismus. Maßgeblich gestaltete sie den Zentralwohlfahrtsausschuss der christlichen Arbeiterschaft, einen Vorläufer der Christlichen Arbeiterhilfe. Durch ihr Bemühen um die politische Bildung der Arbeiterschaft ergab sich in den 1920er Jahren eine enge Zusammenarbeit mit Jakob Kaiser. Nach 1933 gehörte Kaiser zum Arbeiterflügel des Goerdeler-Kreises, den Elfriede Nebgen nachhaltig unterstützte. Als unerschrockene Helferin sicherte sie Verbindungen zwischen verschiedenen Widerstandszirkeln. Mit ihrer Hilfe konnte sich Kaiser nach dem 20. Juli 1944 bis zum Kriegsende in einem Keller in Babelsberg versteckt halten. 1952 wurde sie Kaisers Frau mit dem Namen Kaiser-Nebgen.

Literatur

Jakob Kaiser. Der Widerstandskämpfer (2. Aufl. 1970). – D. Schneider (Hg.): Sie waren die ersten (1988); A. Dertinger: Frauen der ersten Stunde (1989).

Ralf Baus