Schäffer, Fritz

Jurist, Ministerpräsident, Bundesminister, * 12.05.1888 München, † 29.03.1967 Berchtesgaden, römisch-katholisch

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1907–1914 Jurastudium und Referendarzeit in München; 1915-16 Kriegsdienst; 1916 Juristische Staatsprüfung; 1917 Rechtspraktikant; 1918–1920 Bezirksamtsassessor in Kelheim; 1920 Regierungsrat, 1928 Oberregierungsrat im Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus; 1920–1933 MdL Bayern (BVP); 1929–1933 Vorsitzender der BVP; 1931–1933 Staatsrat und Leiter des Staatsministeriums der Finanzen in der geschäftsführenden Regierung Held; 1933 entlassen; 1933–1945 Rechtsanwalt; 1945 bayerischer Ministerpräsident; 1945/46 Mitgründer der CSU in München; 1949–1961 MdB; 1949–1957 Bundesminister der Finanzen; 1957–1961 der Justiz.

Schäffer gehört zu den wenigen Politikern der Weimarer Republik, die 1945 an ihre führende politische Stellung anknüpfen konnten. Als Assessor in Kelheim schloss er sich 1918 der neu gegründeten BVP an. Als Landtagsabgeordneter wurde er schnell ihr finanzpolitischer Sprecher, besetzte aber zunehmend auch Verfassungsfragen. Vergeblich forderte er 1923/24 das Amt eines bayerischen Staatspräsidenten. Seit Mitte der 1920er Jahre kämpfte er um eine stärker föderale Ausgestaltung der Weimarer Verfassung. Mit der Übernahme des bayerischen Finanzministeriums gelang Schäffer durch härteste Sparpolitik ein ausgeglichener Haushalt. Auch als Parteivorsitzender bemühte er sich um eine straffere Organisation der BVP, deren Auflösung er 1933 trotz Inhaftierung verweigerte. Politisch und beruflich durch die Nationalsozialisten kaltgestellt, arbeitete Schäffer als Anwalt, besonders für kirchliche Organisationen und Klöster. Nach seiner zeitweiligen Inhaftierung im KZ Dachau ernannten die Amerikaner Schäffer am 28. Mai 1945 zum Ministerpräsidenten Bayerns. Seine Entlassung erfolgte bereits vier Monate später nach Auseinandersetzungen um die Entnazifizierungspolitik und auf Druck der amerikanischen Presse. Den Kampf mit dem Vorsitzenden Josef Müller um die Führung in der CSU verlor Schäffer und trat zeitweilig aus der Partei aus. Zunächst mit der Bayernpartei sympathisierend, nahm er doch 1949 eine CSU-Kandidatur für den Wahlkreis Passau an. Nach der 1. Bundestagswahl setzte er sich sofort an die Spitze der CSU-Landesgruppe in Bonn und sicherte Konrad Adenauer die CSU als Koalitionspartner. Nicht nur deshalb berief der Kanzler den ausgewiesenen Föderalisten als Bundesfinanzminister in seine beiden ersten Kabinette. Hier gehörte Schäffer mit seiner eisernen Sparpolitik, auch gegenüber den Besatzungsmächten, zu den profiliertesten Politikern. Doch über die für den Aufbau der Bundeswehr zurückgestellten Gelder („Juliusturm“ genannt), kam es zum Streit mit dem Kanzler. Dem 3. Kabinett Adenauers gehörte Schäffer nur noch als Justizminister an. Nochmals in die Schlagzeilen geriet er 1958, als seine zwei Jahre früher geführten Geheimgespräche in Ost-Berlin zur Wiedervereinigung bekannt wurden. Als sich 1961 auch eine Rückkehr in die Landespolitik nicht mehr anbot, zog sich Schäffer endgültig aus der Politik zurück.

Literatur

W. H. Mückl (Hg.): Föderalismus und Finanzpolitik. Fritz Schäffer (1990); O. Altendorfer: Fritz Schäffer als Politiker der Bayerischen Volkspartei (1993); C. Henzler: Fritz Schäffer 1945–1967 (1994); Ders., Josef Müller contra Fritz Schäffer - Das Ringen um die Parteiführung, in: Hanns-Seidel-Stiftung (Hg.): Josef Müller. Der erste Vorsitzende der CSU (1998); A. Mintzel, in: U. Kempf/H.-G. Merz (Hg.), Kanzler und Minister 1949–1998 (2001). – Bestand: BA Koblenz.

Christoph Henzler