Wozu Eliten? Eine Einführung

Deutschland hat die besten Chancen in den nächsten zehn Jahren wieder zur Spitzengruppe der erfolgreichsten Nationen der Welt aufzuschließen. Das ist nicht zuletzt ein Erfolg der politischen Elite. Das Land verfügt über ein politisches System, das sich in den zurückliegenden Jahrzehnten als außerordentlich krisenfest, leistungsfähig und beständig erwiesen hat, nicht zuletzt, weil seine Eliten und Bürger weitgehenden Konsens über die Ausrichtung und Werte des Gemeinwesens erreichen konnten. Seine Verfassungsorgane bewährten sich in schwierigen Zeiten. Bund, Länder und Gemeinden haben ihre Zuständigkeiten ausgefüllt und im Großen und Ganzen zum Wohle der Menschen in den politischen Prozess eingebracht. Die politische Elite hat, wenn es darauf ankam, dem Allgemeinwohl dienliche Richtungsentscheidungen getroffen, persönliche und gruppenspezifische Interessen zurückgestellt, um die für die Gesellschaft besten Lösungen zu finden. Dies gilt für die wegweisenden außen- und sicherheitspolitischen Fragen genauso wie für die ordnungs- und sozialpolitischen Weichenstellungen. Dabei wurde bewährtes erhalten und es wurden notwendige Reformen auf den Weg gebracht. Die Parteien haben sich am Wählerwillen orientiert und mehrheitsfähige Regierungen gebildet, auch wenn ihnen dies, wie nach der Bundestagswahl 2005, nicht leicht gefallen ist.

Natürlich kann man die Auffassung vertreten, dass in dem einen oder anderen Fall zu voreilig oder zu zögerlich, zu zaghaft oder zu schneidig, zu konflikt- oder zu konsensorientiert vorgegangen worden ist oder notwendige Korrekturen zu spät oder bis heute nicht erfolgt sind. Bei alledem ist jedoch zu bedenken, dass Deutschland es nach der nationalsozialistischen Katastrophe und der völligen moralischen Diskreditierung und wirtschaftlichen Zerstörung seines Landes in wenigen Jahrzehnten geschafft hat, in den Kreis der wohlhabenden und angesehenen Völker der Welt zurückzukehren. Dies ist vor allem den Menschen zu verdanken, die nach dem Krieg die Ärmel hochkrempelten und zu einem demokratischen Deutschland zurückfanden, auch wenn dies zunächst nur im Westen möglich war.

So wie die politische Elite mit Geschick und Augenmaß den Wiederaufbau und die Konsolidierung der Bundesrepublik Deutschland vorantrieb und verlorene Reputation durch Verlässlichkeit im Bündnis mit dem Ausland und gegenüber den Wählern das erschütterte Vertrauen unter schwierigen Bedingungen zurückerwarb, so hat auch die Wirtschaftselite als zweite große einflussreiche Säule im Gemeinwesen einen wesentlichen Beitrag zum Gemeinwohl und zum Wohlstand der Menschen und damit, wie viele meinen, auch zur Akzeptanz der parlamentarischen Demokratie und unserer Verfassung beigetragen. Dies gilt zuerst für die namhaften Unternehmerpersönlichkeiten, aber auch für die Vorstände der großen Aktiengesellschaften, auch wenn es hier besonders in den letzten Jahren zu einzelnen Fehlentscheidungen und Fehlentwicklungen gekommen ist, so bleibt doch festzuhalten, dass sie am Wiederaufbau großen Anteil und Deutschland schließlich heute zum „Exportweltmeister“ gemacht haben. Ungeachtet der schwachen Binnennachfrage weisen viele deutsche Unternehmen in ihren Bilanzen nach wie vor beeindruckende Gewinne aus und zeigen sich auch im internationalen Vergleich gut aufgestellt. Dies zeigt sich nicht zuletzt auch darin, dass deutsche Unternehmen expandieren und namhafte ausländische Konkurrenten aufkaufen. Deutsche Unternehmer beurteilen nicht nur den Wirtschaftsstandort Deutschland überwiegend positiv, sie sehen auch aufgrund der erfolgten Restrukturierungen zuversichtlich in die Zukunft. Deutschland bleibt auch für ausländische Investoren ein attraktiver Standort. Bisher ist es trotz der Schließung einzelner Werke nicht dazu gekommen, dass große Firmen ihre Produktionsstätten gänzlich ins Ausland verlagert haben. Ausschlaggebend dafür sind die im internationalen Vergleich nach wie vor als gut zu bezeichnenden Rahmenbedingungen, die in den letzten fünf Jahrzehnten entstanden sind. Politische und wirtschaftliche Elite stehen nun gemeinsam vor der neuen, großen Herausforderung, im Zeitalter der Globalisierung Arbeitsplätze zu erhalten und den Umbau der Wirtschaft gemeinwohlverträglich zu gestalten.

Trotz dieser hier skizzierten im Großen und Ganzen positiven Entwicklung wird es in den nächsten Jahren maßgeblich darauf ankommen, die bestehenden, z.T. erheblichen innenpolitischen Probleme zu lösen. Die Eliten stehen in Deutschland vor fünf „Großbaustellen“:

  • Der außergewöhnlich hohen Verschuldung der öffentlichen Haushalte mit einer jährlichen Nettokreditaufnahme im Bundeshaushalt in den letzten zehn Jahren von mindestens 22 Milliarden Euro (2001) bis zu maximal 40 Milliarden Euro (1996) und einem Haushaltsdefizit gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwischen 1,2 Prozent (2000) und 4,1 Prozent (2003).
  • Der hohen Arbeitslosigkeit und der von ihr ausgehenden Perspektivlosigkeit für Millionen von Menschen. Besonders die älteren unter ihnen haben nur geringe Aussichten auf eine Reintegration in das Erwerbsleben. Zunehmend verschlechtern sich auch die Bedingungen für Berufseinsteiger nach Abschluss der Ausbildung.
  • Der Überdehnung der sozialen Systeme und der damit verbundenen Sorge vieler Menschen vor einer Altersarmut; diese Sorge wird durch die demographische Krise und die Entfamilisierung unserer Gesellschaft verstärkt.
  • Der Reform des Bildungssystems und der Universitäten, damit Deutschland als rohstoffarmes Land seine Wettbewerbsvorteile weiterhin einbringen kann. Bildung und Wissen bleiben unsere wichtigsten Ressourcen.
  • Dem Abbau der Bürokratie und Überregulierung unserer Gesellschaft. So waren nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Banken 2005 allein auf Bundesebene ca. 2100 Gesetze mit knapp 46000 Einzelvorschriften und 3100 Rechtsverordnungen in Kraft.
Die immer schneller voranschreitende Globalisierung mit ihren politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Folgen erschwert die Erfüllung dieser Aufgaben und macht sie zugleich immer dringlicher. Die Globalisierung hat nach der Auffassung Francis Fukuyamas zur Folge, „dass Gesellschaften sich zunehmend wirtschaftlich und kulturell durchdringen; technische Erneuerungen oder neue Investitionen können in einer Entfernung von Tausenden Kilometern zu Arbeitsplatzverlusten, neuen kulturellen Einflüssen oder Umweltschäden führen“. Diese Durchdringung erfährt durch die politisch und wirtschaftlich aufstrebenden bevölkerungsreichen Mächte, China und Indien, weitere Dynamik. Darin liegt die zentrale Herausforderung der westlichen Industrieländer.

Der Zeitgeschichtler Paul Nolte spricht in diesem Zusammenhang von der „Riskanten Moderne“. Er diagnostiziert das Ende der Postmoderne mit der vor zwanzig Jahren prognostizierten Auflösung sozialer Bindungen und der in Aussicht gestellten „Befreiung“ der Individuen, die sich das Motto „anything goes“ zum Lebensgrundsatz gewählt haben. Heute gilt es stattdessen, wieder den Mut zu ggf. auch unpopulären Entscheidungen aufzubringen und das Risiko einer Festlegung einzugehen, die sich als falsch und folgenschwer erweisen könnte. Die von der Globalisierung frei gesetzten und sich entwickelnden Kräfte entziehen sich weitgehender Kontrolle. Sie lösen bei vielen Menschen Ängste aus, die sich vor allem aus einer unsicherer gewordenen Zukunft speisen. Eliten müssen sich dieser Herausforderung stellen, wollen sie ihrer Aufgabe gerecht werden. Dazu gehört auch, den Menschen zu erläutern, dass Staat und Gesellschaft ein „Fitness-Programm“ brauchen, um im Klima eines sich international verschärfenden Wettbewerbs bestehen zu können. Nicht zuwarten sondern überzeugen, zupacken und führen heißt nunmehr die Devise.

Gerade in Zeiten des Wandels und Umbruchs stellen die Menschen die Frage, ob die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft ihrer Aufgabe gerecht werden, entschiedener als in Zeiten politischer Stabilität und wirtschaftlichen Aufschwungs. Sie tun dies mit gutem Recht, weil die Eliten mit über ihre Zukunft entscheiden. Da die neuen Herausforderungen nicht mit alten Rezepten gemeistert werden können, bedarf es einer breiten Zustimmung nicht nur zwischen den Eliten sondern auch zwischen ihnen und der Mehrheit der Bevölkerung, um neue Wege einzuschlagen. Hier zeigt sich, dass es in einer offenen Gesellschaft und einem demokratisch verfassten politischen System keine Trennung zwischen den Eliten und der Bevölkerung geben darf. Bundespräsident Köhler hat dies in seiner Antrittsrede am 1. Juli 2004 im Deutschen Bundestag mit den Worten zum Ausdruck gebracht, dass wir die Kraft brauchen, „Lagerdenken in unserer Gesellschaft zu überwinden. Arbeitnehmer und Arbeitgeber, Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft- wir sitzen alle in einem Boot: Jeder kann Verantwortung für das Wohl des Landes übernehmen, jeder kann Vorbild sein“.

Dies ist eine klare Absage an einen „elitären“ Elitebegriff, an eine Elite, die sich durch Arroganz, Größenwahn und Abfindung zu definieren versucht, an eine Elite, die etwas besseres sein will. Es ist zugleich die Forderung nach einer „Responsiven Elite“, einer Elite, die über ihre Ziele öffentlich nachdenkt und die Menschen auf dem Weg des Wandels mitnimmt, indem sie versucht, die Bürger von der Notwendigkeit der Reformen zu überzeugen. Erfolgreich wird dieser Prozess vor allem dann sein, wenn die Eliten Vorbilder sind und ihren Orientierungsauftrag ernst nehmen. Deshalb muss die Funktionselite auch zugleich eine Werteelite sein.

Was kennzeichnet die Werteelite? Die Werteelite soll sich insbesondere durch ihre Gemeinwohlorientierung auszeichnen, d.h. sie soll bei ihren Entscheidungen über die Konsequenzen für die ihnen anvertrauten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ebenso nachdenken wie über die Auswirkungen für Staat und Gesellschaft insgesamt. Gerade von der Werteelite wird die Bereitschaft zur Selbstkritik und Selbstkorrektur erwartet. Dabei können ihnen die von Platon in seiner Schrift „Der Staat“ entwickelten vier Kardinaltugenden Klugheit, Tapferkeit, Mäßigung und Gerechtigkeit ebenso behilflich sein wie die im Christentum grundgelegten Grundwerte der Treue, Hoffnung und Nächstenliebe.

Für viele mag das sehr angestaubt und realitätsfern klingen. Aber diese Begriffe lassen sich natürlich auch in unsere moderne Sprache übertragen. So klingt es schon ganz anders, wenn wir von „Wissen und Können“, „Mut und Zivilcourage“, „Maß halten“, „Fair Play“, „Zuverlässigkeit“, „Motivation und Perspektive“ oder Solidarität“ sprechen. Ohne einen solchen Wertekanon wird es den Eliten jedenfalls nicht möglich sein, den ihnen anvertrauten Menschen, sei es in der Politik, in der Wirtschaft oder an anderer Stelle in der Gesellschaft die notwendige Orientierung zu vermitteln. Im übrigen brauchen sie diese auch selbst, um die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Eine von dem Wirtschaftmagazin „brand eins“ Ende 2005 durchgeführte Befragung ohne Anspruch auf Repräsentativität unter Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Kultur ergab, dass ca. 30 Prozent der Befragten sich dafür aussprechen, dass „Elite Sinn stiftet“. Elite sei kein Selbstzweck, sie solle vielmehr „dem Gemeinwohl dienen“. Der Zukunftsforscher Horst W. Opaschowski sieht in der „Wiederentdeckung des Gemeinsinns“ den radikalsten Wertewandel seit den siebziger Jahren. Der in der gesamten westlichen Welt verloren gegangene Gemeinsinn kehre auf breiter Linie zurück. Insbesondere junge Menschen lösen sich aus dem Schatten der Werterevolution der 68er Generation und besinnen sich auf traditionelle Werte.

Es ist schwer, die Ursachen für diesen kulturellen Wandel zu benennen. Die Gefährdung unserer sozialen und wirtschaftlichen Ordnung durch Globalisierung und Alterung der Gesellschaft ist wohl ein Faktor. Sicher spielt dabei aber, wenn wir es an einem symbolischen Datum festmachen wollen, der 11. September 2001 eine wesentliche Rolle. Er ist Ausdruck der „Riskanten Moderne“. Auch wenn dieses Datum nur am Rande etwas mit dem Reformstau in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu tun hat, so steht dieser Tag doch für einen kulturellen Wandel: Bedrohung unseres freiheitlichen, demokratischen Wertesystems durch neue Gefahren in einer eng vernetzten Welt, in der sich Kulturen mit unterschiedlichen Werten reiben. In einer Studie über die Folgen der Globalisierung: „Der Wettbewerb der Sinnproduzenten“ gelangt Herfried Münkler zu der Überzeugung, dass sich die Eliten wieder stärker um den Wertekanon und Wertekonsens kümmern und die moralischen Standards und Überzeugungen in der Gesellschaft pflegen müssen. „Die Vorstellung, im Prozess der Liberalisierung und Individualisierung moderner Gesellschaften werde am Schluss die Wertelite verschwinden und es keine verbindlichen Wert- und Sinnvorstellungen mehr geben, hat sich als offenkundig falsch erwiesen. Die auslagenförmige Präsentation unterschiedlicher Sinnangebote, aus denen jeder Gesellschaftsangehörige das ihm Passende zusammenstellt, überfordert die meisten Menschen und führt gleichzeitig zu sozialmoralisch desintegrierten Gesellschaften, die den inneren wie äußeren Herausforderungen nicht mehr gewachsen sind“. Eine Elite in Politik und Wirtschaft, die ihre Entscheidungen mehrheitlich, in den zurückliegenden Jahrzehnten durchaus erfolgreich vor allem an Leistung, Wachstum und Effizienz ausrichtet, wird scheitern, weil diese sekundären Werte in schwierigen Zeiten als Sinnangebote nicht mehr ausreichen und tiefgreifende, strukturelle Reformprojekte nicht legitimieren können. Sie wären zum Scheitern verurteilt, weil sie nicht erklären, was gut und richtig ist.

In seinem dreiteiligen Werk „Recht, Gesetzgebung und Freiheit“ trifft Friedrich A. von Hayek eine in diesem Zusammenhang interessante Unterscheidung, die deutlich macht, wie sehr die Elite bei der Umsetzung ihrer Entscheidungen auf die Tiefenschicht einer Gesellschaft stößt, die sie unterstützen aber auch blockieren kann. Hayek differenziert im ersten Band „Regeln und Ordnung“ zwischen der „gewachsenen und der gemachten Ordnung“. Die gewachsene Ordnung, die er auch „Kosmos“ nennt, zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sie von niemandem bewusst geschaffen worden und deshalb auch nicht ohne weiteres beeinflussbar ist. Sie ist zu unterscheiden von der gemachten Ordnung, der „Taxis“, die das Ergebnis konkreter menschlicher Planung darstellt. Die Elite kann durch entsprechende Entscheidungen beschließen, die Taxis zu verändern, etwa die Struktur eines Unternehmens neu auszurichten oder beschließen, die Staatsschulden in den nächsten Jahren soweit abzubauen, dass es keiner Neuverschuldung mehr bedarf. Besonders letzteres wird jedoch nur gelingen, wenn es ihr in diesem Fall gelingt, dafür auch die notwendige Zustimmung in der gewachsenen Ordnung zu gewinnen. Die Elite braucht für grundlegende Veränderungen, die einen Paradigmenwechsel bzw. e inen kulturellen Wandel einleiten sollen, die Zustimmung der Gesellschaft. Diese muss sich zumindest weitgehend mit ihren Zielen identifizieren. Anderenfalls wird die Gestaltungskraft der Elite nicht ausreichen. Sie wird an den gesellschaftlichen Widerständen scheitern, d.h. der Einfluss der „Taxis“ auf den „Kosmos“ ist begrenzt. Wir haben es hier mit „gewachsenen Strukturen zu tun, die einen Grad von Komplexität haben, den sie nur erreicht haben und erreichen konnten, weil sie von spontanen Ordnungskräften gebildet wurden. Sie bieten uns infolgedessen“, schreibt Hayek, „besondere Schwierigkeiten bei unserem Bemühen, sie zu erklären, wie bei jedem Versuch, ihren Charakter zu beeinflussen“.

Dies verdient deshalb besondere Erwähnung, weil hier deutlich wird, wie begrenzt der Einfluss der Elite, trotz der Macht, die sie in Teilbereichen der Politik oder der Wirtschaft auszuüben vermag, in der Demokratie letztendlich ist und warum in ihr nur eine „Responsive Elite“ erfolgreich sein kann. Die Vorstellung, wie sie immer wieder zu hören und zu lesen ist, es könne so etwas wie einen „Masterplan“ zur Lösung unserer gesamtgesellschaftlichen Probleme geben, ist verfehlt. Sie verkennt, dass neben der „gemachten“ auch die „gewachsene“ Ordnung in den Veränderungsprozess einbezogen werden muss. Deshalb sind gerade in Demokratien mit ihren komplexen Strukturen einfache Lösungen ebenso selten erfolgreich wie schnelle.

Die Geschichte, nicht nur des 20. Jahrhunderts, hat offenbart, dass zu einer Idealisierung der Eliten keine Veranlassung besteht. Andererseits verstellt auch eine Verteufelung der Eliten den Blick dafür, welchen Beitrag sie für das Allgemeinwohl zu leisten vermag. Diese dem Begriff Elite innewohnenden Spannungen weisen darauf hin, welche historischen und ideologischen Belastungen in diesem schwierigen Wort mitschwingen und warum er vermutlich bis heute in der politischen Bildung keine nennenswerte Rolle spielt. Schwierig ist der Begriff auch deshalb, weil er sich einer präzisen sozialwissenschaftlichen Definition entzieht. Das zeigt sich schnell, wenn die Frage aufgeworfen wird, wer denn nun dazu gehört: „Die Spitzen der Gesellschaft, die Oberschicht, diejenigen, die die höchsten Ämter innehaben, die Mächtigen und Einflussreichen, die Leistungsträger, die Spitzenverdiener, die `gute` Gesellschaft, die Kompetentesten, die Engagiertesten, die gesellschaftlichen Vorbilder oder eine mehr oder minder abgeschottete Führungskaste, eine`Parallelgesellschaft` ganz eigener Art, über deren Innenleben wir nur Vermutungen anstellen können?“, so fragen Klaus-Peter Gushurst und Gregor Vogelsang in der Neuerscheinung „Die neue Elite“. Die Frage ist berechtigt, doch wäre es fatal, angesichts ihrer Komplexität den Versuch zu unterlassen, sich mit ihr auseinander zu setzen. Die Eliten spielen seit Menschengedenken eine zentrale Rolle in Staat und Gesellschaft.

Diesen leicht gekürzten Einführungstext der Publikation „Eliten in Deutschland. Bedeutung, Macht, Verantwortung“ (Gabriel / Neuss / Rüther (Hrsg.), Schriftenreihe Band 506 der Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2006) haben wir mit freundlicher Genehmigung der Herausgeber eingestellt.

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Prof. Dr. Günther Rüther

Prof. Dr

Department Head, Department of Scholarships and Culture